Schönebeck l „Es werden nach wie vor Ausbildungsstellen gemeldet und Bewerberinnen und Bewerber teilen den Abschluss eines Ausbildungsvertrages mit“, berichtet Heike Wunschik in einer Pressemitteilung. Die Pressesprecherin der Bundesagentur für Arbeit in Bernburg beobachtete allerdings einen Rückgang von Aktivitäten auf dem Lehrstellenmarkt.

Im Juli hatten sich laut der Mitteilung knapp 165 Jungen und Mädchen weniger, als zum Vorjahresmonat bei der Agentur für Arbeit Bernburg gemeldet, das sind knapp 16 Prozent weniger. Insgesamt suchten weniger als 880 Jugendliche eine Lehrstelle. Ihnen gegenüber stehen genau 1 054 Ausbildungsstellen zur Verfügung. Viele Betriebe suchen somit händeringend die Fachkräfte von morgen. Ein Blick in die Unternehmen zeigt, wie schwierig das Unterfangen zu sein scheint.

„Es gibt einfach kaum noch geeignete, qualifizierte Bewerber“, beklagt Matthias Hruschka vom gleichnamigen Stahl- und Metallbau-Betrieb im Schönebecker Grundweg. Er habe etwa zehn Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz zum Metallbauer erhalten. Dabei verlangt er keinesfalls ein Einser-Abitur oder Bestleistungen. „Aber ein Durchschnitt von drei sollte schon drin sein“, so der Metallbaumeister. Bewerber müssten handwerkliches Geschick, Spaß an der Arbeit mit Metall und mathematische Grundkenntnisse mitbringen. Natürlich bietet der Betrieb im Schönebecker Industriegebiet auch Praktikumsplätze an. „Das empfehle ich Bewerbern sogar“, sagt Hruschka.

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Auf Praktika und andere Arbeitsformen setzt auch die Firma Holzbautec in der Barbyer Straße. Geschäftsführer Steffen Baumann kennt die Problematiken auf dem Arbeitsmarkt zwar auch, doch irgendwie läuft es in der Firma verhältnismäßig gut. Seit 2015 bildet das Unternehmen regelmäßig Zimmerleute aus. Um frühzeitig Kontakt zum Nachwuchs zu bekommen, hat Baumann viele einfache, aber dennoch wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen. Er erhielt daher viele Bewerbungen.

„Wir sind zum Beispiel Sponsor bei der Jugendfeuerwehr und bei der Verkehrserziehung der Polizei in der Grundschule“, erklärt Steffen Baumann. In den Schulen würde das Unternehmen regelmäßig Flyer verteilen, um auf seine Ausbildung aufmerksam zu machen. Ein weiterer Anlaufpunkt: Ferienjobs. „Ich stelle Ferienjobber ein, die sich wirklich für den Beruf interessieren“, so der Chef. „Wir geben jedem einem Chance.“

Eine Chance bekam auch Sophia Seering. Sie war die erste Auszubildende in dem 2007 gegründeten Unternehmen – und dann direkt eine junge Frau! „Handwerkliches liegt mir einfach mehr“, sagt Seering. Sie schätzt die vielfältigen Arbeit in dem Unternehmen.

Seering ist zu einer wichtigen Mitarbeiterin in dem Betrieb geworden. Und in jedem Jahrgang, das weiß ihr Chef, werden in ganz Sachsen-Anhalt etwa 60 Zimmerer ausgebildet. „Geht man davon aus, dass jeder im Leben zwei Berufe lernt, sind in ein paar Jahren davon noch 30 Stück übrig“, rechnet er vor. Frappierend und ein Problem für die gesamte Branche – Betriebe müssen jetzt aktiv werden!