Schönebeck l Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) wollte offenbar keine große Sache draus machen. Ja, er habe aus der Zeitung erfahren, dass einige Bänke auf dem Marktplatz verändert werden sollen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, sagte er beiläufig. „Wir arbeiten ja schon seit einer ganzen Weile an einer Lösung“, sagte Bert Knoblauch.

Und so blieb es Baudezernent Guido Schmidt überlassen, im nicht gerade öffentlichkeitswirksamen Bauausschuss die 180-Grad-Wende des Rathauses zu verkünden: Nach drei Jahren und mehr als 30 Unfällen sollen die beiden Problembänke auf dem Marktplatz endlich mit Rückenlehnen ausgestattet werden, damit sie für Autofahrer besser sichtbar sind. Das Problem: Nur ein Teil der Bänke in der Innenstadt verfügt bisher über Rückenlehnen. Die restlichen Sitzgelegenheiten ohne Lehnen sind sehr flach und werden immer wieder von Autofahrern übersehen.

Zufriedenheit und Kritik bei den Händlern

Nicht zuletzt die Händler am Schönebecker Marktplatz freuen sich über die Neuigkeiten. Immer wieder mussten sie miterleben, wie Autofahrer, darunter auch ihre Kunden, gegen die Bänke fuhren. „Im Sommer konnte ich den Zusammenstoß sogar durch die offene Tür meines Geschäftes hören“, sagte Elke Kromnik, Inhaberin vom Haus der Geschenke Kilz. Einer ihrer Kunden hatte sich den gesamten Kotflügel an seinem Auto an der Bank vor ihrem Geschäft aufgerissen. Der Gesamtschaden betrug rund 4000 Euro. Umso zufriedener ist Kromnik jetzt. „Endlich rührt sich etwas. Offenbar haben die Zeitungsberichte etwas gebracht“, sagt sie. So hatte die Volksstimme in ihrer Berichterstattung auf das Problem mit den Bänken hingewiesen, zuletzt in einem Beitrag unter dem Titel „Die Bank des Anstoßes“ am 12. Dezember 2018.

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Allerdings wurde in der Innenstadt auch Kritik laut. „Warum muss es immer erst einen Volkstaufstand geben, damit sich das Rathaus mal bewegt?“, fragte Peter Volz vom Modegeschäft Volz und Volz. Seien es die Bänke, die Busverbindung am Markt, Veranstaltungen und Aschenbecher in der Innenstadt oder ein verkaufsoffener Sonntag: Die Stadtverwaltung würde sich nicht sonderlich viel Mühe geben, um das Zentrum attraktiver zu gestalten.

Zumindest beim Thema Bänke will die Stadt Schönebeck nach gut drei Dutzend Unfällen nun reagieren. Auch wenn die Verwaltung offenbar zunächst den Autofahrern die Verantwortung für die Zusammenstöße gegeben hatte. So hatte Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz noch im Dezember mitgeteilt: „Bei den unterschiedlichen Unfallsituationen ist vermehrt eine weniger vorausschauende, unaufmerksame oder zu schnelle Fahrweise der Fahrzeugführer festzustellen. Zusätzlich kam es zu Schadensereignissen aufgrund unzulässigen Parkens.“ Die Stadt kündigte daher vermehrte Kontrollen bei parkenden Autos am Markt an.

Tatsächlich stellt sich aber auch die Frage, warum immer wieder Autofahrer gegen die Bänke fahren. Schließlich sollen alle Verkehrsteilnehmer nach dem offenen Marktkonzept ganz besondere Rücksicht walten lassen. „Sicherheit durch Unsicherheit“ lautet das Motto. Das preisgekrönte Konzept ist nicht unumstritten, soll aber für eine Gleichberechtigung für alle Verkehrsteilnehmer sorgen, egal, ob sie mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind.

Unfälle beim Ausweichen

Grundsätzlich scheint dieses Konzept auch aufzugehen, auch wenn es immer wieder für Diskussionen sorgt und sich nicht alle Autofahrer an die Schrittgeschwindigkeit halten. Auch die gerade im Rückspiegel schwer einsehbaren Bänke, sie sich farblich nicht vom Marktplatz abheben, werden von den Autofahrern in den meisten Fällen umfahren. Händler berichten allerdings, dass es vor allem dann zu Zusammenstößen kommt, wenn die Autofahrer auf dem Markt abbiegen wollen - und ihnen dabei ein Fahrzeug entgegenkommt. Dann nämlich kommt es zu Ausweichmanövern, bei denen Autofahrer immer wieder gegen die Bänke fahren.

Laut Polizeistatistik gab es 2018 und 2017 bisher 36 Unfälle auf dem Marktplatz. Darunter 27 Zusammenstöße von Autofahrern mit der Bank. Die schlecht einsehbare Bank ist damit für mehr als drei Viertel aller Unfälle auf dem Platz verantwortlich. Hinzu kommen nach Angaben der Polizei sechs weitere Zusammenstöße im Jahr 2016, in dem der frisch sanierte Marktplatz eröffnet wurde. Das macht durchschnittlich mehr als einen Unfall mit den Bänken im Monat.

Als Unfallschwerpunkt wird der Markt bei der Polizei trotzdem nicht geführt. Zwar kann ein Standort bereits ab fünf Vorfällen als Unfallschwerpunkt zählen. Allerdings nur, wenn dabei auch Personen zu Schaden kommen. Das ist auf dem Marktplatz bisher noch nicht passiert. Für Gegenmaßnahmen sei daher die Stadtverwaltung zuständig, teilte ein Sprecher des Polizeireviers Salzlandkreis mit.

Zwei Bänke bekommen Rückenlehnen

Offenbar gab es auch Verwirrung darüber, welche der vielen Bänke eigentlich immer wieder für Unfälle sorgt. Einige Händler berichteten von der Bank vor dem Fotogeschäft am Markt/Ecke Nicolaistraße. Aber auch an der Bank vor dem Haus an der Steinstraße soll es immer wieder gekracht haben. Die Lösung ist relativ einfach. Tatsächlich gab es an beiden Bänken immer wieder Unfälle. Und beide Bänke will die Stadtverwaltung auch in absehbarer Zeit mit Rückenlehnen versehen, damit sie von Autofahrern besser gesehen werden können. Zwar gibt es noch keinen festen Termin. Ziel sei allerdings, dass die Arbeiten bis zum Brunnenfest auf dem Markt im Mai abgeschlossen sind, teilte die Stadtverwaltung mit.