Barby l Was der Stärke- und Ethanolhersteller Cargill auf dem Schulhof bot, mutete fast schon philosophisch an: Wer schnell ist, bekommt keine Probleme - lahme Enten schon. Man musste durch eine flache Aluminiumwanne laufen, deren Inhalt an den Schuhen kleben blieb, wenn man zu langsam war. Es handelte sich um Weizenstärke, deren Konsistenz bei schnellem Durchschreiten zu träge ist, um an den Sohlen haften zu bleiben.

Praktische Beispiele wie dieses gefielen den jungen Besuchern der Berufsorientierungsmesse. Cargill hatte mit der Idee nicht gleich Lehrverträge unterschreiben können, aber auf sich aufmerksam gemacht. Und darum ging es in erster Linie. Denn die Szene hat sich gewandelt: Mussten sich früher potenzielle Azubis bei Firmen bewerben, ist es heute beinahe umgekehrt.

Informationen aus erster Hand

„Die Messe bietet den Schülern die Möglichkeit, etwas aus erster Hand über die Berufe zu erfahren“, sagte Bürgermeister Torsten Reinharz. Der ehemalige Lehrer hatte nach Gesprächen mit der Barbyer Handwerkerschaft diesen Info-Tag angeregt. Aufgrund der persönlichen Beratung würden manche Schüler vielleicht über die Berufsbilder mehr nachdenken als zuvor. „Zum Beispiel wer sich darüber im Klaren ist, etwas mit seinen Händen machen zu wollen“, so Schulleiterin Ute Wysocka mit Blick auf einen Handwerksberuf. Darum seien Information und Praktika wesentlich für die Berufsorientierung.

Bilder

Angesprochen waren die 8. und 9. Klassen der christlichen Sekundarschule. „Für diese vier Klassen war das eine Pflichtveranstaltung“, unterstrich die Schulleiterin. An den Ständen von Handwerkern, Industrie- oder Pflegeunternehmen hielt sich das Interesse der Angesprochenen allerdings in Grenzen. Richtig mau sah es bei den Pflegeberufen aus, wo kaum ein Jugendlicher nachfragte. „Das entspricht dem allgemeinen Trend“, winkte Andreas Rinne, Chef eines Barbyer Pflegeunternehmens ab. Auch Schwester Silvia vom Calbenser „Tannenhof“ machte diese Erfahrung: „Es ist nicht leicht, wenn viele Eltern ihren Kindern abraten, diesen Beruf zu ergreifen.“ Ute Wysocka versuchte zu relativieren: „Es ist schwer, junge Leute für etwas zu sensibilisieren, das sie noch gar nicht im Kopf haben.“

Bewerbungen gehen zurück

Auch bei Bezirksschornsteinfegermeister Kay Reinefeld standen die potenziellen Azubis nicht gerade Schlange. Doch einen kleinen Erfolg hatte er durch seinen ziemlich konsequenten „Schornsteinfeger-Eignungstest“ dennoch. Er war mit drei Schülern (nach Einwilligung der Eltern!) auf das Dach der Schule geklettert, um deren Höhenfähigkeit auszuloten. Über den Dächern der Stadt entfuhr es Neuntklässler Julian Herbeke: „Cool! Tolle Aussicht, hier oben!“ „Die könntest du jeden Tag haben“, so Reinefeld. Im Ergebnis dessen meldete sich der Schüler für einen Praktikumsplatz beim Schornsteinfeger an. Laut Frank Sieweck von Energieversorger Erdgas Mittelsachsen werden in dem Unternehmen jährlich drei Azubis im kaufmännischen und technischen Bereich eingestellt. Gingen vor ein paar Jahren dafür rund 70 Bewerbungen ein, sind es heute kaum mehr als die Hälfte. Das Thema stehe und falle hauptsächlich mit dem Engagement der Eltern, war Sieweck überzeugt.