Schönebeck l „Wer macht denn so was?“ Eine Anwohnerin der Garbsener Straße 8 spricht das aus, was gerade alle Anwesenden denken. Denn in den Gelben Tonnen, die die Entsorgungsfirma Achtert hier leeren möchte, findet man so ziemlich alles. Außer das, was eigentlich reingehört. Eine Kaffeemaschine, Glasbehälter, Essensreste und sogar benutzte Damenbinden zieht ein Mitarbeiter aus den Gelben Tonnen.

„Hier können sich unter anderem multiresistente Keime und Pilze bilden, die meine Mitarbeiter gefährden“, sagt Udo Achtert von der gleichnamigen Firma in Bezug auf die Damenbinden und auch Senioren- und Babywindeln in Gelben Tonnen, die für seine Mitarbeiter mittlerweile zur Tagesordnung gehören. Er sorge sich hierbei nicht nur um die Gesundheit seiner Mitarbeiter, sondern auch um die Menschen, die in der Weiterverarbeitung in Kontakt mit eventuellen Erregern kommen. Er denke beispielsweise an die Menschen, die an der Umladestation und an den Sortieranlagen arbeiten. „Die menschliche Kette, die noch mit dem Müll in Berührung kommt, ist quasi unendlich“, sagt er. In letzter Zeit hätten sie auch vermehrt benutzte Spritzen gefunden, erzählt er beunruhigt.

Sticker: Falsch sortiert

Um sich dem Problem anzunehmen, war Udo Achtert, dessen Firma in Zusammenarbeit mit der Firma Tönsmeier in Schönebeck für die Gelben Tonnen zuständig ist, Mitte der Woche auf „Mülltour“. Er kontrollierte dabei jene Stellplätze in der Garbsener Straße und in der Straße der Jugend, in denen das Entsorgungsproblem besonders extrem ist. Hier fischten seine Mitarbeiter neben dem besagten keimgefährdeten Müll unter anderem auch alte Schuhe, Möbelstücke für Kinder und sogar Toilettensitze aus den Gelben Tonnen. Auf die betroffenen Behälter kam dann ein Sticker mit der Aufschrift: „Ihre Wertstofftonne ist falsch befüllt. Bitte nachsortieren.“ Die Tonnen wurden hier voll befüllt stehengelassen.

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Sigrid Meyer, Chefin der Städtischen Wohnungsbau GmbH (SWB) hatte sich bereits vor Monaten diesem Problem angenommen und zunächst die Hausmeister vorsortieren lassen. Nachdem jedoch Dinge wie genutzte Spritzen und Seniorenwindeln gefunden wurden, hielt die SWB-Chefin dies für nicht mehr verantwortbar. Nach mehrfacher Vorwarnung der Mieter wurden deshalb in den Gebieten Friedrichstraße Süd (zu dem auch Müllplätze der Prager und Moskauer Straße und Garbsener Straße gehören) zunächst dauerhaft abgezogen.

Problematische Standorte

Die Hausmeisterkosten für das Vorsortieren, die allen Mietern über die Nebenkosten angerechnet wurden, seien ungefähr genauso hoch, wie die Extra-Kosten für die zusätzlichen Schwarzen Tonnen, die jetzt statt den Gelben aufgestellt wurden. Wie viel so eine Tonne jährlich extra kostet, rechnet Ralf Felgenträger, Chef beim Kreiswirtschaftsbetrieb, vor: Für je 36 Personen seien das jährlich 1257,12 Euro, also 104,76 Euro monatlich.

Udo Achtert ärgert es jetzt, dass die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG), die ebenfalls an einigen der problematischen Standorte vermietet, nicht so verfährt wie die SWB und die Gelben Tonnen an den besonders problematischen Standorten durch Restmülltonnen ersetzen lässt.

Müll gefährdet Gesundheit

Auf Anfrage der Volksstimme bei der WBG sagt der Vorstandsvorsitzende Detlef Eitzeroth, dass hier die Hausmeister jeweils vor den Abholterminen vorsortieren. Also in dem Verfahren, wie es bei der SWB vor der endgültigen Wegnahme der Gelben Tonnen passiert ist.

Udo Achtert beobachtet jedoch, dass das nur oberflächlich geschehe. „Schaut man in tiefere Schichten der Gelben Container, findet man hier den teils gesundheitsgfährdenden Müll. Der Firmenchef sieht jedoch auch einen Zusammenhang zwischen zu vollen Restmülltonnen und fehlbefüllten Gelben Tonnen. „Entweder hier stimmt die Häufigkeit der Leerung nicht, oder es ist zu wenig Volumen aufgestellt.“

15 Liter pro Einwohner

Ralf Felgenträger vom Kreiswirtschaftsbetrieb sagt, dass es sich hier um eine Mutmaßung handele. „Hier wird das Volumen gemäß der Abfallentsorgungssatzung von 15 Litern pro Einwohner und Woche eingehalten“, sagt er.

Zurück zur Garbsener Straße 40 – dem Müllstellplatz, an dem unter anderem ein Toilettensitz entsorgt wurde. Ein junger Mann kommt mit einem Gelben Sack, den er von einem Familienmitglied aus dem Harz hat, zum Sammelplatz und wirft den Müll in die Gelbe Tonne. „Hier steht drauf, was reingehört“, sagt er. Genauso, wie es auch auf den Gelben Containern der Fall ist. Er sagt: „Daran halte ich mich.“ Dass nicht alle das tun, ärgere ihn. „Ich verstehe das nicht“, sagt er. „Dass einige nicht trennen, ist eine Zumutung für alle anderen.“