Der Schönebecker Operettensommer

Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie lädt zum 23. Schönebecker Operettensommer (SOS) ein.

Gespielt wird die Operette „Boccaccio“ von Franz von Suppé und zwar vom 22. Juni bis 21. Juli, von mittwochs bis sonntags jeweils ab 16 Uhr auf der Freilichtbühne des Heimattiergartens „Bierer Berg“.

Karten sind erhältlich

• im Orchesterbüro, Tischlerstraße 13a in Schönebeck

• per Telefon unter (03928) 40 04 29

• per Email unter karten@mkp-sbk.de

Zum Inhalt:

Der berühmte Dichter Giovanni Boccaccio hält mit seinen freizügigen Liebesgeschichten ganz Florenz in Atem. Während sich die Frauen daran erfreuen, sind die Ehemänner in heller Aufregung. Sollten tatsächlich sämtliche Ehefrauen von Florenz untreu sein? Erbost über diese Schriften, wollen sich drei biedere Bürger an Boccaccio rächen, wobei sie von der Treue ihrer Ehefrauen fest überzeugt sind. Aufgebracht stürzen sie sich auf den vermeintlichen Dichter - müssen jedoch feststellen, dass sie den Falschen erwischt haben ...

Quelle: Mitteldeutsche Kammerphilharmonie

Schönebeck l Katharina Kutil hört ihn schon rufen, den Bierer Berg. Der Schönebecker Operettensommer (SOS) ist zwar immer im Kopf der Regisseurin aus Wien. Doch derzeit passiert noch vieles hinter den Kulissen. Die Freilichtbühne im Heimattiergarten erobern sie und die Künstler erst in einigen Wochen. Wenn es an die Proben zum 23. SOS geht. Dieses Mal wird „Boccaccio“ aufgeführt (Infokasten). „Wir haben lange überlegt. Die großen Operetten sind alle durch. Diese zu wiederholen, wäre langweilig“, erzählt die Wienerin. „Bei ,Boccaccio‘ gibt es das Risiko, dass man den Dichter kennt, aber nicht die Operette. Aber: Warum nicht das Wagnis wagen? Und zwar in einer ganz neuen Bearbeitung.“

Es geht um die wahre Liebe, um Untreue, um Rebellion. Die Männer wollen, dass alles beim Alten bleibt – die Frau in ihrem Besitz, die Frau im Haus. Boccaccio hingegen setzt sich für die Emanzipation der Frau ein, für die Gleichberechtigung. Ungewöhnlich für die Renaissancezeit. „Das Stück spielt 1353, das ist Rebellion“, sagt Katharina Kutil. In der Operette gehe es um die Befreiung der Frau – auf witzige Art, auch wenn das Thema ernst ist. „Es wird wirklich lustig, das kann ich versprechen.“ Und sie verspricht schöne Musik. In diesem Jahr mache das SOS-Team etwas Besonderes: Es wird keinen Chor geben, nur zwölf Solisten. „Das hat noch keiner gemacht, den Chor rausgenommen. Aber wir sagen uns, die Solisten sind starke Charaktere.“ Tenor Alexander Klinger, Dirigent Gerard Oskamp und Regisseurin Katharina Kutil haben an der Musik getüftelt. In der jetzigen Fassung sei es eine Leistung für die Solisten, die Stücke zu singen. „Die Musik wirkt voll, stark, mitreißend“, ist Kutil überzeugt.

Die Operette komme als leichte, schöne Unterhaltung daher. Sie lebe von zutiefst menschlichen Charakteren, die auch alle etwas Liebeswertes an sich haben. Jeder Besucher könne für sich eine Botschaft mitnehmen – aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, das ist der Regisseurin wichtig.

Wettbewerb für Kinder

Doch nicht nur mit „Boccaccio“ will das SOS-Team überraschen, sondern auch mit einem Wettbewerb für Kinder bis 16 Jahre. Sie sind aufgerufen, Gedichte zu schreiben. Das Thema? Natürlich die Liebe! Eine Jury wird die drei Besten auswählen. Finden sich genügend junge Poeten, soll sogar eine kleine Broschüre mit den Gedichten herausgegeben werden. „Ich freue mich darauf“, sagt Katharina Kutil und erinnert sich schmunzelnd: „Als ich zwölf war, hat meine Großmutter mir mein erstes Tagebuch geschenkt. Natürlich habe ich auch Gedichte geschrieben – ich fand sie so toll.“ Die Auswertung des Gedicht-Wettbewerbes wird zur Kinderoperette sein. Dann erzählt sie auch wieder etwas über das Stück und die Theaterarbeit im Allgemeinen. „Aber: Ich weigere mich, Kindern auf der Bühne Ehebruch vorzuspielen“, das steht für sie fest. Stattdessen wird sie die Liebesgeschichte, die in „Boccaccio“ eine sehr wichtige Rolle spielt, in den Mittelpunkt rücken.

Derzeit ist Katharina Kutil immer mal wieder kurz für Absprachen in Schönebeck. Bald reist sie für länger an. „Seit 17 Jahren habe ich keinen Sommer mehr in Wien verbracht“, sagt sie und wirkt dabei alles andere als traurig. „Schönebeck ist meine zweite Heimat. Hier habe ich Freunde. Es würde mir etwas fehlen, wenn ich nicht mehr hier wäre.“