Schönebeck l Auch wenn sich Henry (7) aus Gnadau im Größenvergleich mit dem Kontrabass eindeutig geschlagen geben muss, möchte sich der junge Mann mal am braunen Seiteninstrument probieren. „Du kannst aber auch zupfen“, schlägt Musiklehrer Norbert Behrens vor. Gesagt – getan. Das Instrument brummt vor sich hin. Mutter Heike hakt beim Sohnemann nach: „Gefällt es dir? Klingt gut, oder?“ Henry bestätigt. Aber richtig umgehauen, hat es ihn wohl nicht. Und auch vom nebenstehenden Klavier will der Siebenjährige nichts wissen. Dann geht die Suche nach dem richtigen Instrument am Sonnabend in der Kreismusikschule Schönebeck „Béla Bartók“ eben weiter – der Sinn hinter dem Tag der offenen Tür.

Für Behrens ist das zumindest kein Problem. Obwohl es beim großen Kontrabass seit einiger Zeit Mau aussieht. Derzeit gibt es nämlich keinen Schüler in der Kreismusikschule, der sich dem tiefen Klangbild annehmen möchte. Warum? Das weiß auch der Lehrer nicht. Der Transport des großen Instrumentes ist oft ein Problem, erklärt er. Und zudem ist so ein Kontrabass auch nicht ganz günstig. Die Schule selbst verfügt über zwei solcher Instrumente, die zum Üben auch ausgeliehen werden könnten. Der Kostenpunkt für ein eigenes Instrument liegt aber je nach Material mit dementsprechendem Klangbild bei mehr als tausend Euro. Da muss das Interesse in jedem Fall groß sein. Daher müsse Norbert Behrens jedenfalls seit vielen Jahren in der musikschuleigenen Jazzband dieses Instrument bespielen. Für ihn zwar kein Problem, aber wohl trotzdem schade.

Klavier und Gitarre am beliebtesten

Die Nachfrage im Bereich Klavier und Gitarre sei statistisch am Höchsten, erklärt Sandra Preuß, die musikalische Leiterin am Standort Schönebeck. Deswegen hat Gitarrenlehrer Hardy Schmitz an diesem Sonnabend auch einiges zu tun. Mit dabei ist auch Stefan Markquardt aus Schönebeck – obwohl er die Grundakkorde nicht mehr üben muss, denn der 31-jährige spielt seit seinem 16. Lebensjahr. Die eigene Band hatte allerdings nicht lange bestand, nachdem viele Mitglieder wegziehen mussten, erklärt er im Gespräch. Sein Anliegen an diesem Tag ist ein anderes: Er ist auf der Suche nach einer weiblichen Stimme und nutzt den Tag der offenen Tür in der Kreismusikschule, um vielleicht den einen oder anderen Kontakt zu knüpfen.

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Das klappt wohl am besten bei Gesangslehrerin Steffi Petratschek, die Einblicke in ihre Arbeit gab. Hier trällert seit neuestem auch Christiane Behrens mit, die Vorsitzende des Fördervereins der Schönebecker Kreismusikschule „Béla Bartók“. Den großen Erfolg habe sie nicht mehr in Aussicht, aber ihr mache es unglaublich Spaß, erzählt sie im Gespräch. Beim Tag der offenen Tür trägt sie aber eine andere Funktion – die Verpflegung der Gäste in der Cafeteria mit Kuchen, Würsten und Getränken, die von den Eltern und Lehrern bereitgestellt wurden. Diese kleine Pause werde immer gut angenommen, erklärt Christiane Behrens. Den Förderverein der Schule gibt es bereits seit 26 Jahren und er zählt derzeit 35 Mitglieder.

Das Engagement scheint sich zu lohnen, denn der Tag der offenen Tür wird immer wieder gut angenommen, bestätigt Sandra Preuß im Gespräch. In diesem Jahr fand die Veranstaltung im Anschluss an eine Schnupperwoche statt, bei der die Jüngsten am Unterricht teilnehmen konnten. „Einfach mal schauen, wie das so ist“, erklärt Sandra Preuß. Auch wenn der Zulauf sich in Grenzen hielt, sei die Resonanz für das erste Mal gut gewesen, so die Leiterin. Das die Kinder heutzutage vielleicht lieber vor dem Tablet oder Computer sitzen, als sich in ihrer Freizeit mit Instrumenten zu beschäftigen, sieht sie nicht problematisch: „Das Erlernen eines Musikinstruments fördert immer noch die Kompetenz der Heranwachsenden.“ Und das wüssten auch die Eltern, von denen es selbst auch immer mal wieder Nachfragen und Interesse für das musikalische Spiel gebe, erzählt sie.

Konzert mit Seitenspielern

Im Nebenraum wird fleißig das Violinenspiel vor den Augen der Gäste geübt. Melanie Klus, Anna-Lena Schiemann und Alexandra Lembke proben für das große Konzert mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie am 4. März. Gemeinsam mit dem Orchester wird die Seitenspielgruppe dann aus dem Musical „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ vorspielen. Man darf gespannt sein.