Biere l Mit der Leidenschaft auch noch Geld zu verdienen, davon träumen sicherlich viele Menschen. Cindy Richter aus Biere hat sich diesen Traum gerade verwirklicht. Ursprünglich aus Niedersachsen stammend, zog sie vor kurzem mit ihrem Mann und den gemeinsamen Kindern ins Bördeland. Seit dem 1. Oktober arbeitet sie von zu Hause aus selbstständig als Näherin. Von dort verschickt sie selbst genähte Kleidung und Accessoires durch ganz Deutschland. Aber auch Leute aus dem Bördeland würden bei ihr bestellen, diese holen ihre Bestellung dann direkt bei ihr ab. Bevor sie sich selbständig machte, hatte sie Kinderkleidung genäht und an Freunde oder Bekannte verkauft, doch nun meldete sie das Ganze offiziell als Gewerbe an.

Welche Vor- und Nachteile mit der Selbstständigkeit verbunden sind, und was sie sich für die Zukunft noch wünscht, das erklärte sie im Gespräch mit der Volksstimme.

Nähen, Haushalt, Hausbau

Pluspunkt am selbstständigen Arbeiten von zu Hause sei ganz klar die flexible Zeiteinteilung. Neben der Arbeit als Näherin muss sich Richter auch noch um den Haushalt kümmern und gleichzeitig baut sie zusammen mit ihrem Mann noch ein neues Haus. Das alles unter einen Hut zu bringen sei nicht immer einfach, aber dadurch, dass sie nicht an feste Arbeitszeiten gebunden ist, könne sie auch mal an einem Abend drei Pullover fertig nähen. „Manchmal kommt es auch vor, dass ich beim Einkaufen an der Kasse stehe und nebenbei noch schnell mit einem Kunden schreibe“, so Richter. Negativer Begleitaspekt der Selbständigkeit sei ganz klar der bürokratische Aufwand. „Die Anmeldung eines Gewerbes selber ist recht einfach. Man geht zur Stadtverwaltung und füllt ein Formular aus, zahlt 30 Euro. Nervig ist aber der ganze Papierkram, wenn es zum Beispiel um die Steuern geht.“

Dank sozialer Netzwerke wie Facebook gäbe es heutzutage einen guten Austausch unter Selbständigen, so Richter. Zwar verrate niemand seine Tricks, welche Produkte oder Vermarktungsstrategien besonders gut funktionieren würden, jedoch herrsche grundsätzlich ein guter Zusammenhalt untereinander und erfahrene Selbstständige geben Neueinsteigern hilfreiche Tipps.

Das erste mal in Berührung mit der Näharbeit kam Richter wie so viele während ihrer Schulzeit. Dort lernte sie das Grundwissen des Nähhandwerks. Die Feinheiten brachte sich die zweifache Mutter autodidaktisch bei. Dabei halfen ihr Erklärvideos auf der Internetplattform Youtube.

Die Idee war geboren

Die Idee, sich als Näherin auszuprobieren, kam ihr bei der Suche nach Kleidung für ihren Sohn: „Für Jungen gab es nur Sachen in blau und weiß. Das wurde mir irgendwann zu langweilig. Da beschloss ich, einfach selber was zu nähen.“ Frei nach dem Motto: Wenn ich nicht das bekomme was ich suche, dann mache ich es eben selber.

Bei der Auswahl der Stoffe, die sie für ihre Produkte auswählt, ist ihr vor allem ein Kriterium wichtig. „Ich nehme grundsätzlich nur Stoffe aus Bio-Qualität. Also Bio-Baumwolle oder Bio-Elasthan. Vor allem für Kleinkinder ist das Grundvoraussetzung, meiner Meinung nach“, so Richter.

Die Bandbreite ihrer Produktpalette ist umfangreich. Der Schwerpunkt liege zwar auf Kinderbekleidung, allerdings nähe sie auch ohne Probleme Herren- oder Damenbekleidung. Sie richte sich da nach den Kundenwünschen. Auch Deko-Artikel gehören zu ihrem Repertoire. In der Corona-Zeit war natürlich der Mund-Nasen-Schutz ein häufig angefragtes Utensil. Teilweise sei es schwierig gewesen, an die Gummibänder zu kommen, die die Masken an den Ohren halten.

Ein besonderer Service für Tiere

Aktuell näht Richter auch erstmals Produkte für Tiere: „Eine Kundin fragte mich, ob ich nicht ein Halsband für ihren Hund nähen könnte. Das Gebiet ist absolutes Neuland für mich, aber ich probiere das gerne aus. Ich kann mir vorstellen, dass da in Zukunft noch mehr kommt.“ Etwas grundsätzlich ausschließen macht Richter zwar nicht, jedoch lehnt sie aufwendige Sachen wie Kinderwagen-Bezüge meist ab. Diese würden sich in puncto Arbeitsaufwand und Ertrag einfach nicht rechnen. Gelegentlich komme es auch vor, dass Kunden ihr zunächst einen Arbeitsauftrag geben, letztendlich sich aber gegen einen Kauf entscheiden. Viele würden einfach die Arbeit und die Kosten für ein Kleidungsstück unterschätzen. Für einen einfachen Babystrampler, Größe 86, würden schnell Kosten von 20 Euro zusammen kommen. Und dann würden einige Kunden davon Abstand nehmen. Das sei auch in Ordnung. Nur bei Sonderwünschen mit Namensbestickung, würde sie vorher eine Abnahme durchführen. Wenn Kunden mit einem Teil unzufrieden seien, zum Beispiel weil eine Naht aufgeplatzt sei, könnten diese das Produkt auch umtauschen.

Generell mache sie aktuell noch keinen großen Gewinn mit ihrem Geschäft, lediglich ihre Ausgaben werden durch die Verkäufe ausgeglichen. Für die (ferne) Zukunft träumt sie von einem eigenen, kleinen Laden. Und von etwas finanziellem Gewinn.

Zurzeit entwickelt sie gerade noch ihren eigenen Onlineshop. Bis dieser fertig gestellt ist, können Kunden sie am besten über ihre Facebookseite „Cindy‘s näh-Hütte“ erreichen. Dort kann jeder auch Wünsche äußern, Richter ist auch immer offen für kreative Ideen und versucht diese dann umzusetzen.