Elbenau l Montagmorgen, kurz vor fünf Uhr in der Früh. Der Schönebecker Axel Wengel fährt wie jeden Morgen mit dem Auto über Ostelbien nach Magdeburg, wo er als Schlosser arbeitet. Hinter dem Ortseingang Elbenau rennt vor ihm plötzlich ein großes Tier über die Straße. „Das war eindeutig ein Wolf. Das erkennt man am Kopf. Und der Schwanz ist nach unten gerichtet“, berichtet der 59-Jährige ganz unaufgeregt der Volksstimme bereits am vergangenen Montag.

Wolf im Wohngebiet

Der Schönebecker hält seien Wagen, setzt ein wenig zurück, und da steht das Tier am Straßenrand. Beide schauen sich an. Nach einer Weile verschwindet das Tier. Angst hatte Axel Wengel in dem Augenblick nach eigenen Angaben nicht. „Ich habe mich nur gewundert, dass sich ein Wolf in der Nähe eines Wohngebietes herumtreibt“, sagt er. Eine Kamera oder ein Mobiltelefon, um die Begegnung zu fotografieren, hat Axel Wengel an diesem Tag leider nicht dabei.

Doch nach einer weiteren Wolfssichtung in Magdeburg in dieser Woche, die von Experten bestätigt wurde, bekommt der Bericht aus Elbenau eine neue Brisanz. Handelt es sich vielleicht um das selbe Tier? Ist das Tier von Elbenau nach Magdeburg gewandert? Revierförster Jens Dedow hält das zumindest für denkbar. „Genau kann man das aber nicht sagen, weil die Wölfe nicht mit einem elektronischen Tracker versehen werden“, sagt der Jäger. Demnach werden in Elbenau und Umgebung seit einiger Zeit immer wieder Wölfe gesichtet. Zuletzt gelang Dedow im November eine Aufnahme von einem Wolf mit einer Fotofalle, die automatisch auslöst. „Es gab einen älteren Wolf in Elbenau, der aber von einem Auto überfahren wurde. Nun gibt es dort noch ein jüngeres Tier“, sagt er.

Kritik an Rückkehr des Wolfes

Die Wiederansiedlung des Wolfes in Deutschland sieht Jens Dedow allerdings kritisch. „Es ist ja gut, dass der Wolf wieder da ist. Es nimmt aber mittlerweile Überhand“, sagt der Vorsitzende der Jägerschaft Schönebeck. Vor allem Landwirte hätten darunter zu leiden, wenn Weidetiere wie Schafe gerissen werden. „Die Probleme mit dem Wolf werden weiter zunehmen, weil es sehr viel Konfliktpotenzial gibt. Der Wolf wurde schließlich nicht ohne Grund beinahe ausgerottet“, sagt er. Früher oder später müsste die Zahl der Wölfe daher wieder reguliert werden. Sprich: Der Wolf sollte gejagt werden. „Noch ist kein Mensch angegriffen worden. Aber sobald das erste Rotkäppchen gefressen wird, ist das Geschrei groß“, sagt Jens Dedow.

Nach seiner Begegnung mit dem Wolf in Elbenau sieht Axel Wengel hingegen noch keinen dringenden Handlungsbedarf. „Solange keine Menschen angegriffen wurde, ist der Wolf noch kein großes Problem“, findet Axel Wengel. Auf der anderen Seite hat er aber auch Verständnis für Landwirte, deren Tiere von Wölfen gerissen werden. Der Schönebecker könnte sich vorstellen, dass die Tiere zur Not eingefangen und umgesiedelt werden. Da Wölfe allerdings große Entfernungen zurücklegen können, wäre das vermutlich keine Lösung. Daher sollten die Bestände erst mal weiter beobachtet werden, findet Wengel.