Lödderitz l „Das Austrocknen der Aue hat mit dem extremen Regen- und Schneemangel zu tun und ist keine Folge des Deichbaus, sondern der Klimaextreme“, ist Ulf Rödiger aus Groß Rosenburg überzeugt. Der Pfarrer ist oft mit seinem Fahrrad unterwegs und weiß, wovon er spricht.

Dennoch wurmt ihn noch ein anderes Thema: „Was mit der Deichrückverlegung zu tun hat, ist die schleichende Verdrängung der Menschen aus dem Gebiet als lästige Störer im Projekt ‚Urwald‘.“ Die Kernzone werde erweitert und reiche dann bis an den neuen Deich. „Offiziell soll es aber kein Betretungsverbot geben und der Hauptweg durch den Wald von Lödderitz nach Obselau-Aken erhalten bleiben. „Nur wer hält die Wege instand, wenn keinerlei Nutzung mehr möglich ist?“, fragt Rödiger.

Markante Orte im Forst

Er erinnert daran, dass es im Lödderitzer Forst markante Orte gibt, die man seinen Gästen gern zeigt: Den Lödderitzer Bogen, den Goldberger See mit dem Rest des Knüppeldeiches und den Försterfriedhof.

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Der Lödderitzer Bogen werde - selbst wenn er wieder sich nochmal mit Wasser füllt - nicht mehr erfahrbar sein. „Bisher konnte man von der Lödderitzer Auffahrt auf dem alten Deich bis zur Kührener Auffahrt laufen und dann im Kreis über den Hauptweg zurück zum ‚Stern‘. Nur wurde der alte Deich im Zuge der Rückverlegung weg gebaggert, und ein Ersatzweg ist an dieser Stelle nicht geplant“, mahnt der Rosenburger. Der Weg zum Goldberger See sei zugewachsen. Es gebe eine mühselige Fahr(rad)spur über die Wiese beim neu errichteten Pumpwerk. „Jeglicher Hinweis für Radler auf dem Damm - Fehlanzeige - vermutlich ist er auch nicht gewünscht. Den Försterfriedhof würden nur absolute Ortskundige finden. „Die angrenzende Wiese wird verbuschen oder aufgeforstet werden, wenn keine Nutzung für die Viehhaltung und Heuernte mehr erfolgt“, gibt Rödiger zu bedenken.

Kein Konzept für Tourismus

Er kritisiert, dass die zuständigen Stellen es in 25 Jahren nicht fertig gebracht haben, ein Konzept für eine naturschonende touristische Erschließung dieser wunderbaren Landschaftsmarken hinzubekommen. Stattdessen würden Tatsachen geschaffen. „Wer sehen möchte, was da passiert, sollte mal versuchen, vom Breitenhagener Museumsschiff zur Saalemündung zu laufen. Die letzten 1,5 Kilometer sind Kernzone, da ist kein Durchkommen mehr“, schimpft der Rosenburger.

Sein Fazit: „Mir als Bewohner dieses Gebietes (und allen anderen) wird der erlebbare Naturraum Stück für Stück entzogen. Durch Untätigkeit, durch ein Naturschutzkonzept, dass den Menschen als Störenfried ausschließt, durch mangelnde Bewirtschaftung der Wege.“