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Gesellschaftsspiele Spieletreffs: Wo Würfel rollen und um Karten gezockt wird

Ob klassische Karten- oder Brettspiele oder moderne Varianten: Spielefreunde kommen auch in Thüringen regelmäßig zusammen. Warum das auch der Gastronomie nutzen kann.

Von Andreas Göbel 08.02.2026, 05:00
Der „Dicefire“-Spieletreff in Gera versteht sich als ein Ort für analoges Spielen in verschiedenen Varianten.
Der „Dicefire“-Spieletreff in Gera versteht sich als ein Ort für analoges Spielen in verschiedenen Varianten. Bodo Schackow/dpa

Gera/Jena/Erfurt - Auch in Thüringen finden sich immer wieder Menschen zum gemeinsamen Spielen zusammen. „Allgemein ist in den vergangenen Jahren ein Boom beim Thema Gesellschaftsspiele zu beobachten – egal, ob analog oder digital“, erklärt Josefine Schwarzer, Vorstandsmitglied im „Dicefire“-Spieletreff Gera, die zu diesem Thema auch eine Bachelor-Arbeit verfasst hat. 

Vor allem seit der Corona-Krise sei ein deutlicher Anstieg zu beobachten. Vermutlich hätten in dieser Zeit besonders viele Menschen den gesellschaftlichen Wert des gemeinsamen Spielens erkannt. Auch eine kurze Auszeit vom Alltag könne dabei eine Rolle spielen, so Schwarzers Einschätzung.

Spieletreffs als Verein, als Zusammenkünfte und Gastro-Angebote 

Sichtbar wird das Interesse in den verschiedenen Angeboten, die es gerade in den größeren Städten mittlerweile gibt: von Vereinen wie dem Geraer „Dicefire“ mit aktuell 110 Mitgliedern über weniger formale Zusammenschlüsse wie dem „BrettspielClub Erfurt“ bis hin zu auf das Spiel ausgelegte gastronomische Angebote wie dem Spielecafé „Tillis“ in Jena. 

Hinzu kommen zahlreiche Spieleabende im privaten Bereich, an den Universitäten und den kommunalen Bibliotheken. Im Internet gibt es mittlerweile „Mitspielerbörsen“, über die auch in Thüringen Spielpartner gesucht werden. Auch als Workshops oder für Teambuilding-Maßnahmen für Firmen wurden Spiele entwickelt. In Altenburg gibt es derweil ein „mobiles Spielcafé“ mit einem Kleintransporter voller Spiele und einem Anhänger mit gastronomischem Angebot.

Spielevielfalt punktet

Ähnlich stark wie die Angebotsformen variiert auch die Art der Spiele. Grundsätzlich könnten drei Bereiche unterschieden werden, so Schwarzer. Neben der großen Zahl unterschiedlicher Brett- und Kartenspiele gebe es Gruppen für die sogenannten TTRPG-Spiele: „Pen and Paper“-Rollenspiele, bei dem Spieler fiktive Charaktere annehmen und durch Erzählen ein gemeinsames Abenteuer erleben. Eine weitere beliebte Form seien die „Tradingcard“-Spiele, bei denen in sich Spieler Sets aus verschiedenen Sammelkarten zusammenstellen und gegeneinander antreten. 

Räume müssen gefunden werden

Die größten Herausforderungen für Spieletreffs seien unter anderem die Finanzierung und das Finden geeigneter Räume, so Schwarzer. In Gera sei das aufgrund des relativen hohen Leerstands kein sehr drängendes Problem, aber gerade in Erfurt und Jena sei es auch für Spielwillige mitunter nicht einfach, Orte zu finden, die zuverlässig und kostengünstig zur Verfügung stünden. 

So finde der „Erfurter Spieleabend“, an dem bis zu 60 Menschen jeden Alters teilnähmen, aktuell einmal im Monat in der Bildungsstätte St. Martin statt, hieß es vom „BrettspielClub Erfurt“. Zudem gebe es Veranstaltungen im „Offenen Raum L50“ in der Lassallestraße, im städtischen Comicladen sowie in der Stadt- und Regionalbibliothek. In Zukunft wolle der Club regelmäßige Spieleabend im Bioladen „Clärchen“ veranstalten – allerdings seien die Platzverhältnisse dort recht eingeschränkt. 

Das Spielecafé „Tillis“ in Jena käme vor allem im Winter teils an seine Platzgrenzen, erklärt Sprecherin Anne Andrees. Besonders an Wochenenden sei eine rechtzeitige Reservierung wichtig, um einen Platz zu bekommen. Beliebt seien hier vor allem Partyspiele, aber auch kooperative Spiele, die Zusammenarbeit forderten, sowie komplexe und zeitintensive Spiele würden immer beliebter.

Chance für die Gastronomie

Das Angebot von Spielen könne für Gastronomen eine Chance sein, findet der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Thüringen, Dirk Ellinger. Durch die neue Lust am Spielen „in allen Facetten“ könnten Gastronomen neue Zielgruppen erschließen und neue Konzepte entwickeln. „Ich bin optimistisch, dass es da in Zukunft deutlich mehr Angebote geben wird.“ 

Diese Einschätzung teilt auch Schwarzer. Während Spiele noch vor einigen Jahren als „kindisch“ belächelt worden seien, werde das Thema mittlerweile deutlich ernster genommen – nicht zuletzt auch durch die Anerkennung der deutschen Brettspielkultur als immaterielles Kulturerbe der Unesco im Jahr 2025. Spiele könnten ein niedrigschwelliges Angebot darstellen, Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Biografien zusammenzubringen und Gemeinschaft zu schaffen. Die mittlerweile äußerst vielfältige Spielelandschaft biete dafür eine gute Grundlage, so Schwarzer.