Schönebeck l Das kam dann doch überraschend. Als die Volksstimme vorige Woche mit einigen Stadträten aus Schönebeck telefonierte und die bevorstehende Wahl des Oberbürgermeisters ansprach, kam von einem die Antwort: „Was?! Es ist schon so weit?“ Was zeigt: Die Komfortzone von Stadtrats-Menschen, in der sie sich wohl und sicher fühlen und es ihnen deswegen leicht fällt, mit der Umwelt zu interagieren, ist ausgeprägt.

Seitdem Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) das Amt von seinem Vorgänger übernommen hat, ist es ruhiger geworden. Je nach Blickwinkel und Parteibuch agiert der oberste Mann im Rathaus unaufgeregt – die einen sehen das als Vorteil, die anderen als Nachteil.

Wahltermin am 11. Oktober?

Doch der bisherige Kuschelkurs von Bert Knoblauch kann sich bald wieder ändern. Der Grund: Voraussichtlich am 11. Oktober dieses Jahres, diesen Termin muss der Stadtrat jedoch noch beschließen, soll die Neuwahl des Schönebecker Oberbürgermeisters stattfinden. Die Amtszeit von Knoblauch endet zum Anfang des nächsten Jahres. Dann sind seine sieben Jahre vorbei.

Schon jetzt läuft die Wahlkampf-Maschine in den Parteizentralen der Stadt warm. Vor allem ist es die Suche nach geeigneten Kandidaten, die in manchen Fällen Kopfzerbrechen bereitet. Denn vorausgesetzt, die CDU schickt Bert Knoblauch erneut ins Rennen, werden es die anderen Nominierten schwer haben: Amtsinhaber haben bei den Wählern immer einen Bonus. In der Wahlforschung konnte nachgewiesen werden, dass sich die Vorteile des Amtsinhaberstatus‘ tatsächlich positiv auf den Stimmenanteil des Amtsinhabers auswirken.

So fegte beispielsweise ein nicht gerade beliebter Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase, damals als Parteiloser, bei seiner letzten Wahl alle Kandidaten im ersten Wahlgang vom Marktplatz – einfach so. Die anderen Mitbewerber hatten so gut wie keine Chance. Mit diesem Kalkül blicken die Stadt-Parteien nun auf den bevorstehenden Oktober. Sie müssen genau abwägen, ob sie ihren Kandidaten gegen einen Amtsinhaber, der noch frisch und lange nicht müde wirkt, antreten lassen und so womöglich eine Niederlage einstecken müssen.

Welches ist das kleinste Übel?

Oder sie wählen aus den „vielen Übeln“ das geringere und unterstützen von Beginn an CDU-Mann Bert Knoblauch. Genau diese Sondierungen gab es bereits vor zwei Wochen schon, wie mehrere Quellen unabhängig voneinander berichten. Da trafen sich CDU und SPD vor dem Hintergrund der gemeinsamen Unterstützung eines christdemokratischen Kandidaten. Die Zusammenkunft endete jedoch ohne Ergebnis.

Trotzdem bleibt die Wahlhilfe eines geeigneten Kandidaten eine Option. Die Parteien fürchten sich nämlich vor einem zweiten Görlitz. Bei der dortigen Oberbürgermeisterwahl im vergangenen Jahr „zerfleischten“ sich die Bewerber im ersten Wahlgang untereinander und nahmen sich gegenseitig die Stimmen weg, bis eine Stichwahl nötig war. Der CDU-Kandidat setzte sich daraufhin mit Hilfe der anderen Parteien gegen seinen Konkurrenten von der AfD durch. Im ersten Wahlgang war die Stimmverteilung übrigens noch umgekehrt gewesen. Über Wochen war Görlitz in den Schlagzeilen Deutschlands. Später wurde vor Ort vom „Sieg der demokratischen Kräfte“ gesprochen.

Dies alles haben die Parteistrategen im Hinterkopf. Sie fragen sich in diesen Tagen immer häufiger: Was passiert, wenn ...