Barby l „Ich glaube, ich habe ein Déjà-vu. Das habe ich hier vor 30 Jahren schon mal so gesehen“, prustete einer der zahlreichen Zuschauer. Der Grund: Ein Original-Streifenwagen der Volkspolizei fuhr auf das Schlossgelände. Damals war das Schloss Barby ebenso wie heute Grundbucharchiv. Auch dieses Mal mussten die Schaulustigen vor der Tür bleiben. Nur die Oldtimer-Fahrer und eine Abordnung der Herzog-Heinrich-Schützengilde durften das Gelände zum Zwecke eines Fotostopps befahren und betreten.

Amtsgerichtsdirektorin Sigrun Lehmann, die mit einigen Mitarbeitern das Treiben im Hintergrund beobachtete, staunte über das Interesse der Barbyer. Im kommenden Jahr sei wie 2015 ein Tag der offenen Tür geplant, dachte sie laut nach. Der VP-Lada gehörte Birgit Swart aus Ilsenburg. „Wollen Sie mal hören? Das Sondersignal geht auch“, strahlte die Fahrerin. Und ohne die Antwort abzuwarten, brachte sie die beiden Sirenengehäuse auf dem Dach in Schwingung. „Blaulicht und Sondersignal dürfen wir im öffentlichen Straßenverkehr aber nicht einsetzen“, sagte die Harzerin. Aber das Schlossgelände sei schließlich alles andere als öffentlich.

Ein ganz anderes Kaliber rollte kurz darauf auf den Hof. Es war ein roter Cadillac DeVille, Baujahr 1959, der bei seinen 230 Pferdestärken 20 Liter auf 100 Kilometer wegsäuft.

Bilder

OB im Wartburg 353

Schönebecks Oberbürgermeister und Schirmherr der Veranstaltung, Bert Knoblauch, kam deutlich bescheidener daher. Er steuerte einen Wartburg 353, auf den man zu DDR-Zeiten mindestens zwölf Jahre warten musste. Knoblauch gestand, seinen ersten Trabant 601 (Baujahr ‘89) noch heute zu besitzen. „Den hat die zurückgebliebene Ehefrau eines in den Westen geflüchteten Grenzkommandeurs an meinen Vater verkauft“, plauderte der OB aus dem Nähkästchen.

Sein Calbenser Amtskollege Sven Hause ließ sich von Yvonne und Ingo Danker im Mercedes (Baujahr 1951) chauffieren. „Ich hatte die Wahl, im Mercedes oder im Polizeiauto mitzufahren“, lächelte Hause. Die Wahl sei für ihn keine Qual gewesen.

Schützengilde eskortiert

Organisator Helmut Marx hatte die Männer der Herzog-Heinrich-Schützengilde gebeten, die Oldies beim Fototermin zu eskortieren. Sie standen Gewehr bei Fuß und flankierten das Geschehen. Wobei Joachim und Stefan Küstermann zuweilen die militärische Disziplin aus Gründen der Begeisterung verließ: Beide haben eine Auto-Reparaturwerkstatt.