Staßfurt l Der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates der Salzlandsparkasse, Manfred Püchel (SPD), hat angeregt, den Sitz der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck nach Staßfurt zu verlegen. „Da sich die Stadt Schönebeck aus ihrer Beteiligung an der Finanzierung zurückgezogen hat, besteht kein Grund mehr am Dr.-Tolberg-Saal in Bad Salzelmen als Übungsstätte festzuhalten“, sagte der Sozialdemokrat der Volksstimme. „Mein Vorschlag wäre, eine günstigere Spiel- und Übungsstätte zu suchen. Dafür würde sich das Sparkassenschiff mit seinem großen Saal in Staßfurt anbieten. Er verfügt über eine sehr gute Akustik und ist mit einer Klimaanlage ausgestattet“, fügte Püchel hinzu. In dem Gebäude, in dem sich der Hauptsitz der Salzlandsparkasse befindet, gebe es weitere Räumlichkeiten für die Unterbringung der Musiker und der Verwaltung der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie. Das Haus liege zentral in Staßfurt und sei gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Es sei barrierefrei und halte auch eine Kantine mit sehr gutem Essen vor.

Püchel ist davon überzeugt, dass die finanziellen Bedingungen für das Orchester in Staßfurt günstiger wären. Da die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie hauptsächlich durch den Landkreis finanziert wird, schlägt der SPD-Politiker zudem eine Namensänderung vor. Besser sei aus seiner Sicht die Bezeichnung „Salzland-Philharmonie“.

Vernünftig prüfen

Der Vorstandsvorsitzende der Salzlandsparkasse Hans-Michael Strube kommentierte Püchels Vorstoß mit den Worten: „Ich bin dankbar für jede Idee, das Schiff zu beleben.“ Es müsse aber vernünftig geprüft werden, welche Anforderungen durch das Orchester gestellt werden. In diesem Zusammenhang erinnerte Strube daran, dass es auch noch Sparkassen-Geschäftsstellen mit größeren Räumlichkeiten gebe.

Anita Bader, Geschäftsführerin der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, wusste auf Anfrage noch nichts von der Idee und möchte sich deshalb noch nicht dazu äußern.

Schönebecks Ausstieg

Völlig neu ist der Vorschlag von Manfred Püchel jedoch nicht. Denn seit Schönebeck für 2019 die freiwilligen 80.000 Euro Zuschuss gestrichen hat, stand zumindest eine Namensänderung immer mal wieder in Ausschüssen und im Kreistag – wenn auch nur vereinzelt – zur Debatte. So fragte Ulrike Selisko (SPD-Fraktion) jüngst im Kulturausschuss, als es um die Diskussion um einen neuen Theatervertrag ging: „Müsste man den Namen Schönebeck nicht mal rausnehmen?“

Auch Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) ist eine mögliche Verlegung des Probeortes und eine damit verbundene eventuelle Änderung der Sitzkommune des Orchesters noch nicht zu Ohren gekommen. „Darüber ist auch in der Gesellschafterversammlung, in der ich Mitglied bin, noch nicht gesprochen worden“, so Knoblauch. Man müsse beispielsweise auch schauen, ob sich die Räumlichkeiten der Salzlandsparkasse auch tatsächlich für die Proben des Orchesters eignen würden. So sei der derzeitige Probeort des Orchesters, der Dr.-Tolberg-Saal, damals eigens für die Kammerphilharmonie umgebaut worden, so Knoblauch.

Landrat Markus Bauer (SPD) möchte sich nicht weiter zu der Idee von Manfred Püchel äußern. Er sagt auf Anfrage der Volksstimme: „Ich bin froh, dass die Kammerphilharmonie jetzt endlich wieder auf sicheren Füßen steht. Für den Vorschlag sehe ich derzeit jedoch keine Beweggründe.“

Orchester braucht Sicherheit

Er wolle zwar keine Ideen kaputtreden, allerdings sehe er jetzt vielmehr eine Aufgabe darin, dem Orchester die nötige Sicherheit zu geben. „Die müssen wir auch den Orchestermitgliedern geben, Unruhe bringt uns hier nicht weiter“, so der Landrat.

Kreistagsmitglied Johann Hauser (FDP), der sich längst einen Ruf als Verfechter der Kammerphilharmonie gemacht hat, greift ähnliche Worte auf. „Es soll endlich mal Ruhe einkehren“, sagt er. Der Name „Mitteldeutsche Kammerphilharmonie Schönebeck“ sei ein Markenname. „Der Name steht doch für das Produkt, den darf man auf keinen Fall ändern“, findet Hauser. Er glaubt: Wenn die Kammerphilharmonie ihren Sitz nach Staßfurt verlegen würde, dann breche ein Traditionsfundament weg. Johann Hauser: „Die Kammerphilharmonie ist ein Kulturträger mit historischer Bedeutung. Es soll deshalb alles so bleiben wie es ist. Vor allem jetzt, nachdem wir mit vereinten Kräften dafür gekämpft haben.“