Calbe l Wohin würde der Osterhase reisen, um nach seinem anstrengenden Feiertagsdienst zu entspannen? Sicher in ein Mekka voller Ostereier. Hübsch und zum Teil sehr aufwendig gestaltet. Mit persönlicher Note des Machers. Hätte sich der Star des Osterfestes das vorgenommen, würde er ganz sicher den Garten der Calbenser Familie Lorenz als Urlaubsdomizil wählen. Immerhin warten dort - inmitten einer sonst noch tristen Gartenlandschaft - Tausende von Ostereiern auf ihn. Selbst der Osterhase höchst persönlich würde bei diesem Anblick ins Schwärmen geraten. Die meisten „Farbkleckse“, wie Elfi Lorenz ihre eigenen Ei-Kreationenen bezeichnet, verführen mit ihren satten Farben, glitzernden Pailletten oder interessanten Perforationsmustern zum unbedingten Nähertreten.

Zählen ist erwünscht. Jeder, der sich dies vornimmt, sollte allerdings einen langen Atem haben. Denn allein an dem etwa drei Meter hohen Kirschbaum hängen sage und schreibe 2222 Ostereier. Elf Tage à zwei Stunden hat sie benötigt, um die zerbrechlichen Schmuckstücke aufzuhängen. Das mache sie aber allein, denn sie habe ein bestimmtes Aufhängesystem, damit Farben und Muster hinterher gut zur Geltung kommen, erzählt die 55-jährige Calbenserin mit einem Lächeln auf den Lippen.

„Schuld daran sind meine schlaflosen Nächte“, erzählt sie, zu welchen ungewöhnlichen Zeiten sie sich ins Wohnzimmer setzt und mit Gestalten beginnt. Vor vier Jahren, also 2014, fing alles an. Die Maxime damals: Den Garten in den Wintermonaten mit Farbtupfern versehen. Wie passend, vor dem Osterfest auf Ostereierdekoration zurückzugreifen. Ganz zu Anfang Plastikeier. Zunehmend aber wurde das künstlerische Kreativgen geweckt. Lorenz begann, eigene Hühnereier zu grundieren, zu bemalen sowie mit Steinen oder Stoff zu veredeln.

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Immer mehr Eier

Mit Wiesenlandschaften, den Tulpen als ihren Lieblingsblumen, Eulenmotiven und vielem mehr. „Bis Ende 2014 hatte ich bereits 250 Eier“, erinnert sie sich zurück. Nun besitzt sie etwas das zehnfache Ostereierrepertoire. Ihr Sohn schenkte ihr 2017 500 noch unbehandelte Eier. Nach einer Eierpause im vergangenen Jahr hat sich der kalkschalige Vorrat von mehr als 1000 Eiern 2016 auf nunmehr über 2200 Exemplare erhöht.

Warum es von Jahr zu Jahr schon gezwungenermaßen mehr „Farbkleckse“ werden müssen, liegt auf der Hand: „Mit dem Wachstum des Baumes wächst auch die Anzahl der Eier“, erklärt die Konditorin, die sich mit den Eieraccessoires einen Ausgleich zu ihrem Beruf geschaffen hat. Die Inspiration zu ihrem Tun verschaffte ihr dabei der Blick ins thürinigsche Saalfeld. Dort schmückte ein Ehepaar jahrelang einen Apfelbaum. Bis heute trägt er nun 10 000 Ostereier. So viele werden es bei Lorenz nach eigenen Angaben wohl nie. „Ich schmücke für keinen Rekord oder Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde“, betont Elfi Lorenz. Übrigens: Die meisten Eier - so wurde es im Guinness festgehalten - sollen an einer Roteiche im Rostocker Zoo angebracht sein. Insgesamt 76.596 Stück.

Calbenser Motive

Neben dem Saalfelder Baum lässt sich Lorenz außerdem von ihrem Enkel Raphael inspirieren. Dabei achtet sie auf Muster, Spielzeug und Interessen des Jungen. Für ihre jüngste Muse bringt die Calbenserin in nächster Zeit also auch die Freiwillige Feuerwehr auf die Kalkschale. Ob dieses Werk dann allerdings mit wetterfestem Lack draußen aufgehangen wird, ist fraglich. Denn sie weiß, schon bei kleinsten Böen tragen die Individualwerke Schaden davon. „Meine liebsten hängen daher drin - im Hasenstall“, führt sie in einen lichtdurchfluten Raum mit Heu auf dem Boden und ihren Kreationen an kleinen Bäumchen, Sträußchen hängend als auch in Eierpappen verpackt.

Unter zahlreichen Motiven zeigt sich ihre Heimatverbundenheit, die sie mit Calbenser Motiven wie dem Wappen, dem Bismarckturm auf dem Wartenberg und sogar dem Roland in Acryl ausdrückt. „Vom Calbenser Roland gibt es auch nur ein Ei - für Gäste ist es dann die Herausforderung, das am Baum zu finden“, erzählt sie schmunzelnd. Für diese Minuten werde extra ein Platz inmitten des Baumes gesucht.

„Wenn ich Eier sehe, kriege ich funkelnde Augen“, meint Lorenz und ergänzt, dass sie diese dann am liebsten mit Edding und floralen Mustern gestaltet. Seit kurzem hat ihr Gemahl Thomas einen Dremel (das sind sich schnelldrehende Multifunktionswerkzeuge) geschenkt. Damit beginnt sie, Eier zu perforieren. Keine Hühner-, aber dafür größere Gänseeier. Apropos: Wer dachte, die Lorenz‘sche Familie bläst in ihrer Freizeit die Eier noch selbst aus, täuscht sich. Nach zehn Hühnereiern geht einem die Puste merklich aus, schildert Lorenz ihre anfänglichen Erfahrungen.

Dino-Ei vom Strauß

Nun aber gebe es eine Ausblasmaschine. Lediglich in einem Punkt mussten und müssen die Familienangehörigen von Zeit zu Zeit „leiden“: Wenn es ums Verspeisen des Eiinneren geht. Nur in diesem Punkt „packe“ die Familie tatkräftig mit an. Den größten Hunger müssen sie wohl auch künftig für vereinzelte Straußeneier mitbringen. Vom Ehemann, den sie liebevoll „Hoppel“ nennt, geschenkt bekommen. Nachdem das Ei-Innere mit einem Schlauch abgelassen wurde, landete es in der Pfanne. Was auf die Familie mit einem Straußenei zukam: Etwa die 25-fache Menge von Hühnereiern. „Wenn sich die Kinder aus der Kita das Straußen-Ei anschauen, denken sie, sie stehen vor einem Dino-Ei“, grinst Lorenz. Ihre umhäkelten Versionen werden als „Ei im Pullover“ bezeichnet.

Ein anderes, in Weiß gehalten, mit einem aus weißen Garn geflochtenen Zopf gilt aber nicht etwa als Rapunzel. Der Name klingt weit frivoler, denn er erinnert sie und Bekannte an die männliche Keimzelle. So leicht, wie jene für Nachwuchs sorgen kann, sind die Hühnereier mit Zopf aber längst nicht gemacht. „Das sind feine Fäden, die nach Makramee-Technik verknotet werden“, erklärt sie. Die „Reproduktionszeit“ für ein solches Ei betrage vier Stunden. Auf die Idee hat sie übrigens Freundin Simone Holzweißig gebracht.

Nicht nur für Ostern

Grundsätzlich wäre es doch schade, wenn die Eier nur zum Osterfest ausgepackt würden, dachte sich Lorenz‘ Familie. Darum gibt es sogar Hühnereier im Weihnachtskugeldesign. Sie kommen zum Fest der Feste natürlich am Strauß mit Tannengrün zur Geltung.

In der Woche nach Kleinostern wird der Baum wieder abgeschmückt. Bis dahin können sich Interessierte, die den Baum wahrhaftig vor sich sehen wollen, bei Elfi Lorenz melden. Telefonisch ist sie unter der (03 92 91) 41 22 2 zu erreichen.