Plötzky l Die Pilzsaison sollte eigentlich schon begonnen haben. Eigentlich. Doch 2018 wollen die Pilze nicht so richtig wachsen. „Es war lange Zeit viel zu heiß und trocken“, sagt der Pilzsachverständige Reinhard Geiter aus Plötzky. „Da wächst einfach nichts.“ Seine Pilzberatung wurde bisher kaum nachgefragt. Im Frühjahr waren ein paar Leute da. Doch auch nun, mit dem Beginn der Hauptsaison, finden nur ganz vereinzelt Naturfreunde mit ihrer Ernte ihren Weg zu ihm.

Trotzdem möchte der 71-jährige Rentner vorsichtig optimistisch bleiben. „In der Vergangenheit kam irgendwann immer der Regen“, sagt er mit seiner 30-jährigen Erfahrung als Pilzberater. Doch in diesem Jahr, mit dem Rekordsommer? „Tatsächlich werden die Sommer immer heißer und trockener“, sagt er. Eine Prognose möchte Reinhard Geiter eigentlich gar nicht mehr abgeben.

Manche Pilzsammler werden allerdings trotz der schwierigen Witterungsbedingungen für die Pilze fündig. „Vor drei Tagen war jemand da, der dachte, dass er an einem Teich Champignons gefunden hat. Aber dann waren es doch Karbolegerlinge“, erzählt Geiter. Und die sind giftig! „Zwar nicht tödlich, aber sie verursachen doch sehr heftige Magenprobleme“, sagt der Pilzexperte. Spätestens beim Braten würde aber so ein unangenehmer Geruch entstehen, dass kaum noch jemand auf die Idee kommt, Karbolegerlinge zu essen.

Seit Kindheitstagen

Mit den Pilzen beschäftigt sich Reinhard Geiter schon seit seiner Kindheit. „Ich war früher immer mit meine Großeltern im Wald sammeln“, erzählt er. Später interessierte er sich eher wissenschaftlich für nicht-essbare Pilze und hat auch an einem Fachbuch über die Pilze in Sachsen-Anhalt. „Durch die Pilzberatung beschäftigt ich mich aber natürlich auch viel mit essbaren Pilzen“, sagt Geiter. Mit seiner Frau geht er gern gemeinsam in die Pilze. „Dann sammelt sie die essbaren Pilze und ich die anderen“, sagt er.

Schwierig wird das Pilzjahr auch beim Landesverband der Pilzsachverständigen von Sachsen-Anhalt bewertet. „Wir sind schon mitten in der Saison“, sagt der Verbandsvorsitzende Martin Groß in Magdeburg. „Aber wegen der extremen Trockenheit wachsen die Pilze nicht. Es ist einfach nur noch traurig.“ Manche Sommerarten wie Maronen, Birkenpilze und Pfifferlinge seinen bisher fast komplett ausgefallen. „Bei Pilzen weiß man aber nie, ob sich das Wachstum nicht vielleicht doch nach hinten verschiebt“, so Martin Groß.

Schwieriges Jahr

An so ein schwieriges Pilzjahr kann sich der Vorsitzende des Landesverbandes nach eigenen Angaben nicht erinnern. „So ein schlechtes Jahr hatten wir noch nie“, sagt Martin Groß. Allerdings betrifft das vor allem Sachsen-Anhalt. „In Bayern gab es ausreichend Regen. Dort gibt es daher auch viele Pilze.“ Die Niederschläge seien in diesem Jahr von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich ausgefallen. In Sachsen-Anhalt hatten die Pilzberater bisher noch nicht viel zu tun. „Vor allem die Presse ruft an und fragt nach der Pilzsaison“, sagt der Verbandsvorsitzende und lacht. Unterdessen bleibt den Pilsammlern wohl nichts anderes übrig, als auf Regen zu hoffen.

Pilzberatung bei Reinhard Geiter, Waldidyll 36 in Plötzky, Anmeldung unter Telefon (0151) 50 53 15 94