Calbe l Es ist dunkel und vereinzelt rieseln kleine Schneeflocken auf die Pflastersteinstraße. Das wenige Licht, das die Schlossstraße in Calbe erhellt, stammt von den Straßenlaternen. Außer dem Streifenwagen des Regionalbereichsbeamten Jens Götze ist an diesem Januarabend kein Auto in Sicht. Der Motor brummt vor sich hin.

Dann lässt Götze das Fenster hinunter. „Was ist mit Licht?“, ruft er einem Jungen zu, der gerade mit seinem Fahrrad am Streifenwagen vorbeifährt. Der Junge hält sofort an und steigt vom Rad. „Ja, ich schiebe weiter“, sagt der Junge, ohne zuvor von Götze dazu aufgefordert zu werden. „Gut“, sagt Götze. „Und mach dir da mal ein Licht ran.“ Der Junge bejaht dies und setzt seinen Weg in Richtung Markt fort. Das Rad schiebt er neben sich her.

Keine geplante Route

„Ich verstehe nicht, dass manche in dieser dunklen Jahreszeit ohne Licht und ohne reflektierende Kleidung unterwegs sind“, sagt Götze. Er fährt an und setzt seine Streife durch Calbe fort.

An diesem Donnerstagabend ist der Polizist allein unterwegs. Das ist aber nicht immer so. Manchmal begleitet ihn eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes auf seiner Tour durch die Stadt. Eine vorab geplante Route hat er bei seinen Streifen nicht. Jedes mal geht es woanders hin. Und obwohl Götze erst seit etwa einem Jahr in Calbe als Regionalbereichsbeamter tätig ist, kennt er die Stadt schon bestens.

Fehlende Schilder und Beleuchtung

Als er mit dem Streifenwagen die Scheunenstraße entlang fährt, versperrt ein Bauzaun den Weg. Hier wird gerade das alte Kino abgerissen. Götze schüttelt er den Kopf. „So geht das eigentlich nicht“, sagt der Beamte und legt den Rückwärtsgang ein. Was er meint, ist zum einen die fehlende Beschilderung, denn ein Sackgassenschild wurde nicht aufgestellt. Außerdem müssten fünf Lampen die Baustelle beleuchten, doch auch diese fehlen.

Auf seiner Tour fährt er auch die Stellen an, die Jugendliche gerne als Treffpunkt benutzen. So zum Beispiel zwei Bänke nahe der Stephanikirche. Doch es ist weit und breit kein Mensch zu sehen. „Das dachte ich mir schon. Denen ist das wohl heute auch zu kalt“ sagt Götze. Das Thermometer steht bei etwa minus drei Grad Celsius. Dann deutet er auf einen Bauzaun neben den Bänken. „Wenn die Jugendlichen hier was trinken, dann wird der Zaun gerne als Toilette genutzt und die pinkeln da durch.“

Jens Götze wendet den Streifenwagen und lenkt ihn weiter durch die Straßen der Stadt. Er fährt langsam und lässt seinen Blick schweifen. Im Auto hört man nur das rumpeln der Stoßdämpfer, wenn die Straßen wieder unebener werden und ab und zu die leicht knisternden Funksprüche von anderen Polizisten.

Die Streife geht weiter. Götze lenkt den Wagen in die Große Angergasse und fährt am Schiller-Gymnasium vorbei, über die Brücke, auf den Heger. Er biegt nach rechts ab und fährt den Weg an der Saale entlang.

Hundehalter müssen ihre Tiere kennen

Aus der Dunkelheit kommt dem Streifenwagen ein Mann entgegen. Neben ihm läuft ein Hund. „Eigentlich müsste der Hund angeleint sein“, sagt Götze und fährt langsam an dem Mann vorbei. Aber der Beamte drückt ein Auge zu. „Jeder muss seinen Hund kennen. Der muss halt nur hören, auch wenn er nicht angeleint ist“, sagt Götze. Er selbst habe auch einen Hund zuhause.

Nach etwa eineinhalb Stunden neigt sich die Streife dem Ende entgegen. Der Regionalbereichsbeamte fährt die Magdeburger Straße entlang und kommt an einem Radfahrer vorbei. Sowohl vorne als auch hinten am Rad sind Lampen angebracht, die hell leuchten. Alles vorschriftsmäßig. Alles so, wie es sein sollte. „Dem müsste man direkt zehn Euro in die Hand drücken“, sagt Götze.