Pretzien l Eigentlich ist Pretzien ein beschaulicher Ortsteil. Doch seit über einem Jahr treibt dort eine Jugendbande ihr Unwesen und versetzt die Einwohner immer wieder in Angst und Schrecken. Die vielen Schmierereien an Hauswänden und Straßenschildern gehören da noch zu den harmloseren Problemen. Inzwischen wurde auch die Bushaltestelle zerstört. Pretziener berichteten, dass die Jugendlichen vorbeifahrende Autos mit Kastanien bewerfen. Teilweise sollen sich die Jugendlichen sogar selbst auf die Straße legen und Unfälle vortäuschen, um den Autofahrern Geld abzupressen. Ein Mitglied des Ortschaftsrates berichtete bei der Sitzung des Gremiums in der vergangenen Woche, dass sein Kind von den Jugendlichen verprügelt worden ist. Zuletzt soll auch die Hinweistafel am Pretziener Wehr zerstört und angezündet worden sein.

Hinweise an die Polizei und Stadt haben aus Sicht der Ortschaftsräte keine dauerhafte Besserung gebracht. Der neu gewählte Ortsbürgermeister Frithjof Meussling (CDU) macht auch die unzureichende Jugendarbeit in Pretzien für die Situation verantwortlich. „Unser Jugendclub hat nur drei Stunden in der Woche geöffnet. Das ist einfach lächerlich“, sagte Meussling, der eigentlich eher zurückhaltend ist. Es sei daher dringend notwendig, die Jugendarbeit in Pretzien auszuweiten.

Mehr Jugendarbeit gefordert

Doch danach sieht es eher nicht aus. Der Verein Rückenwind aus Schönebeck entsendet jede Woche eine Mitarbeiterin nach Pretzien und Plötzky, die die längst geschlossenen Jugendclubs zumindest für ein paar Stunden offen halten. Viel zu wenig, um ein vertrauensvolles Verhältnis zu Jugendlichen aufzubauen. Ab 2021 will die Stadt Schönebeck die Förderung für den Verein Rückenwind um 70 000 Euro kürzen. An eine offenbar notwendige Ausweitung der Jugendarbeit in Ostelbien ist daher wohl eher nicht zu denken. Bereits im Sommer hat der Jugendclub Rainbow der Arbeiterwohlfahrt in Schönebeck schließen müssen, weil Fördergelder der EU ausgelaufen sind.

Nach Aussagen der Pretziener sind die Jugendlichen im Ortsteil bekannt. Demnach soll es sich vor allem um die Kinder aus zwei zugezogenen Familien handeln. Eine Lösung konnte bisher jedoch nicht erreicht werden. Ein Ortschaftsrat berichtetet, dass ein Pretziener einen der Jugendlichen zur Reden stellen wollte, nachdem dieser mehrere Mülltonnen umgeschmissen hatte. Daraufhin sei der ältere Herr von dem Vater des Jungen beschimpft und bedroht worden.

Die Polizei hat ihre Präsenz vor Ort seit den Beschwerden verstärkt und fährt dort vermehrt Streifen. Doch rund um die Uhr können die Beamten auch nicht in Ostelbien sein. Dafür reicht das Personal hinten und vorn nicht. Polizeisprecher Schneider sagte aber auch: „Wir hatten in den vergangenen Monaten kaum Anzeigen aus Pretzien.“ Gerade einmal zwei Sachbeschädigungen seien in den letzten zwölf Monaten gemeldet worden. So wurde etwa die Tür eines Gebäudes der Stadt Schönebeck beschädigt. Angezeigt wurde auch eine Körperverletzung zwischen zwei Beteiligten im Alter von Anfang 20. „Es kann aber auch sein, dass die Bürger weitere Straftaten einfach nicht angezeigt haben. Dann erfahren wir davon nichts“, so der Polizeisprecher. Für Sachbeschädigung sei zunächst die Stadtverwaltung zuständig.

Die Stadtverwaltung verweist hingegen wieder an die Polizei. „Wir sprechen von Straftaten, zu deren Vermeidung und Ahndung ausschließlich die Polizei zuständig ist“, teilte Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz auf Nachfrage mit. Wichtig sei vor allem, dass Straftaten auch in jedem Fall angezeigt werden. „Vandalismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.“ Straftaten von Jugendlichen würden sich aber auch nie vollständig verhindern lassen.