Unesco

Pretziener Wehr als Unesco-Weltkulturerbe: Schönebecks Linke hat Bedenken

Schönebecks Linke befürchtet, dass das Verfahren, um das Pretziener Wehr zum Weltkulturerbe der Unesco zu machen, teuer werden könnte. Finanzielle Auswirkungen könne man noch nicht einschätzen.

Von Paul Schulz
Die Schönebecker Linken äußern Bedenken daran, eine Interessbeurkundung zu verabschieden. Mit dieser soll das Vorhaben unterstützt werden, das Pretziener Wehr in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco aufzunehmen.
Die Schönebecker Linken äußern Bedenken daran, eine Interessbeurkundung zu verabschieden. Mit dieser soll das Vorhaben unterstützt werden, das Pretziener Wehr in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco aufzunehmen. Foto: Andre Schneider

Schönebeck - „Vielleicht fehlt mir einfach die Fantasie, um mir das vorzustellen“, so Linken-Stadträtin Sabine Dirlich im Schönebecker Hauptausschuss. Es geht um die Interessensbekundung der Stadt, dass das Pretziener Wehr in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco aufgenommen werden sollte. „Ich glaube nicht, dass es nichts kostet, Weltkulturerbe zu werden. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen“, so Dirlich. Genau da fehle ihr die Fantasie – oder eben der Optimismus.

Im Vorfeld warb Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) um die Zustimmung der Stadträte. Er zeigte sich überzeugt, dass es ein gutes Zeichen wäre, wenn die Stadt sich hinter dieses Vorhaben stelle. Im Gegensatz zu Dirlich hat er keine finanziellen Bedenken. Es wurden keinerlei Gelder eingeplant, so Knoblauch. Es sei zunächst eine rein formale Bekundung. „Und allein schon die Bewerbung hat für einen guten Medien-Rummel gesorgt und PR für die Stadt gemacht“, argumentierte er.

Zweiter Besuchermagnet

René Wölfer (SPD) machte sich ebenfalls für die Interessensbekundung stark. „Wir sollten alles tun, um neben dem Ringheiligtum einen zweiten Besuchermagneten zu bekommen. Es ist ohnehin erstmal nur eine symbolische Zustimmung, wir sollten das nicht zerreden“, so Wölfer. Zudem unterstrich er, dass der Stadtrat ohnehin später noch mal darüber abstimmen würde, wenn Kosten entstehen würden. Markus Baudisch (CDU) schloss sich dieser Argumentation an. Man sollte schon zeigen, dass man hinter dem Vorhaben stehe, so Baudisch.

Sabine Dirlich machte weiter klar, dass sie sich auch an der Formulierung der Interessensbekundung störe. Darin heißt es nämlich: „Der Stadtrat der Stadt Schönebeck (Elbe) unterstützt die Antragstellung des Landes Sachsen-Anhalt, um das Pretziener Wehr in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco aufnehmen zu lassen, engagiert, vollumfänglich und ausdrücklich.“ Der Teufel steckt im Detail. „Da steht ,vollumfänglich’. Aber wir wissen noch gar nicht, was das alles beinhaltet“, so die Linken-Stadträtin. Auch wenn sie das Wehr sehr liebe, so habe sie dennoch Bedenken.

Geldfrage später beantworten

Marlis Ekrutt (CDU) sprach sich derweil für die Zustimmung aus. Sie sagte: „Man sollte nicht alles am Geld festmachen. Die Geldfrage lässt sich später immer noch beantworten und vielleicht gibt es dann sogar Finanzierungsmöglichkeiten, an die wir heute noch gar nicht denken.“

Ähnlich wie seine Parteikollegin Dirlich hat auch Sven Schwatlo (Linke) so seine Schwierigkeiten, sich „etwas vorzustellen“. Er könne sich nicht vorstellen, dass das Pretziener Wehr als Unesco-Weltkulturerbe mehr Einschlag habe, als die Vermarktung des Elbe-Radwegs. „Ich sehe da keinen Mehrwert“, so Schwatlo.

„Das hat man anfangs auch über das Ringheiligtum in Pömmelte gesagt“, konterte Oberbürgermeister Knoblauch und verwies darauf, dass dieses nun jährlich abertausende Besucher anziehe.

In der abschließenden Abstimmung sprachen sich die Mitglieder des Hauptausschusses – bei sechs Ja-Stimmen und drei Enthaltungen – mehrheitlich für die Interessensbekundung aus. Die endgültige Entscheidung dazu fällt aber erst in der Stadtratssitzung am 15. Juli.