Schönebeck l Hämmern. Sägen. Feilen. Bohren. Ein Teil des Gewerbegebietes Am Stremsgraben hatte sich am Sonnabend in einen großen Markt des Handwerks verwandelt. An neun Stationen konnten sich Jugendliche in neun verschiedenen Gewerken ausprobieren. Besetzt waren die neun Stationen mit Fachleuten aus Handwerksfirmen sowie Schülern aus neun Schulen. Allerdings hatte die Nienburger Schule kurzfristig abgesagt. Eingesprungen war dafür der Schönebecker Jugendclub Young Generation.

Ziel der Veranstaltung war es, junge Menschen über die Berufe des Handwerks zu informieren und sie dafür zu begeistern. Mehr noch: An den Stationen entstanden handfeste handwerkliche Dinge, etwa eine Sonnenuhr, eine Solaranlage, ein Garagenrolltor, eine Gehwegpflasterung und beim Bäcker wurde gebacken.

Schirmherr des 1. Schönebecker Regionaltages „Jugend trifft Handwerk“ (so die offizielle Bezeichnung) war Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU), der auch in der Jury saß, die alle hergestellten Produkte bewertete. Knoblauch zeigte sich begeistert angesichts dessen, was die Handwerker aus Schönebeck und Umgebung auf die Beine gestellt hatten. Die Idee zu diesem Tag stammte von ihm, er hatte die Obermeister entsprechend angesprochen. Eigentlich sollte das Ganze die hiesige Mittelstandsmesse bereichern - die Handwerker aber entschieden sich, eine eigene Veranstaltung zu stemmen.

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Vorbild für andere Regionen

Hin und weg war Ingrid Rosenburg vom Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Sachsen-Anhalt. „Das ist fantastisch. Das ist so beispielhaft - das müssen wir für andere Regionen übernehmen“, frohlockte die einstige Berufsausbilderin. Der Schönebecker Stadtrat Thoralf Winkler (Grüne) wertete die Veranstaltung nicht minder positiv. „Auf diese Weise können junge Menschen handwerkliche Erfahrungen machen. So kann ein Plan für die eigene berufliche Zukunft entstehen“, befand der studierte Elektroniker, der in jungen Jahren eine Lehre in einer Ziegelei absolvierte.

An den Stationen wurde emsig gewerkelt. „Klasse! Ihr müsst nicht zum Fleischer“, witzelte Heinz Johannes. Er ist Ausbilder beim Bildungsträger Teutloff und sprach diese anerkennenden Worte an Anna-Marie Stahn und Leonie Schwarz. Die Schülerinnen aus Staßfurt schafften es nämlich, Holz gerade durchzusägen. „Bekanntlich wird die Salami schräg geschnitten“, klärte Johannes fröhlich auf. Mädchen als Tischler? „Ja, warum denn nicht? Mein bester Lehrling war eine Frau. Sie ist heute Gesellin, arbeitet in Schweden und rekonstruiert gerade ein Winkingerschiff“, offenbarte der Ausbilder, was als Tischler alles möglich ist.

"Mein Beruf ist der schönste der Welt"

Der Obermeister der Tischlerinnung in Schönebeck, Torsten Lühr, findet hingegen, dass die Arbeit in einer Tischlerei zu schwer sein könnte für Frauen. Allerdings ließ er keinen Zweifel daran: „Dass mein Beruf der schönste der Welt ist.“ Wieso? „Weil er so vielfältig ist, weil wir mit einem Naturprodukt arbeiten“, zeigte er auf.

„Nur so viele Steine tragen, wie du Hände hast“, gab Andreas Hampe vom Magdeburger Bildungszentrum einem seiner Schützlinge einen Rat fürs Leben. An der von ihm betreuten Station pflasterten Schüler der Schönebecker Pestalozzi-Schule einen Gehwegabschnitt. „Die stellen sich richtig gut an und saugen die vermittelten Kenntnisse auf“, lobte Hampe seine Lehrlinge auf Zeit.

Auch Doreen Wolkenstein und Jenny Heinicke von „Frisurencity Doreen“ in Salzelmen präsentierten sich. Wer wollte, konnte sich von ihnen Locken drehen lassen. Doreen Wolkenstein: „Wir sind hier außerhalb der Wertung - aber wir möchten auch gerne Nachwuchs haben.“

Siegerteams liegen ganz eng beieinander

„Die Siegerehrung war gaaaanz knapp. Die drei Siegerteams lagen jeweils nur einen Punkt auseinander“, ließ Antje Groth von Teutloff schließlich wissen - auch sie saß in der Jury. Auf dem 1. Platz landete die Christliche Sekundarschule Gnadau (dotiert mit 500 Euro), auf dem 2. Platz der Verein Rückenwind, sprich der Jugendclub Young Generation (400 Euro), auf dem 3. Platz die Sekundarschule „Am Tierpark“ Staßfurt (300 Euro). Sechsmal gab es einen 4. Platz (je 250 Euro). „Alle haben gewonnen: An Erfahrung, Spaß und Kenntnissen und außerdem durfte jedes Team ein Projekt, das gebaut wurde, mit in die Schule nehmen“, so Antje Groth.

Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hatte den Tag um 9 Uhr eröffnet und für das nächste Jahr Unterstützung durch ihr Ministerium versprochen. Landrat Markus Bauer (SPD) kam zur Siegerehrung und möchte im nächsten Jahr mit in der Jury arbeiten. „Nachdem er unseren OB Bert Knoblauch in seinem schicken Jury-T-Shirt gesehen hat“, mutmaßte Antje Groth.

Die drei Hauptsponsoren des Regionaltages waren die Stadtwerke Schönebeck, die Erdgas Mittelsachsen GmbH und die Salzlandsparkasse. Die neun Stationen begleiteten die Firmen: Bau- und Möbeltischlerei Lühr, Zimmerei Gebrüder Rogat GbR, Kirchner Wintergartenbau, Lingner Toranlagen, Elektro-Keller GmbH, EMS GmbH, Lustinetz GmbH, Ambulanz Mobile GmbH, ITB GmbH und John Fliesen, Hruschka Stahl- und Metallbau GmbH, Bäckerei Schwarz GmbH.