Pömmelte l Werkzeuge spielten schon vor Tausenden Jahren eine Rolle, als die Menschen Nordeuropa erkundeten. Mit den Tierherden zogen sie vermutlich mit. Mit allerhand Waffen gingen sie offenbar gemeinsam auf die Beute los. Doch wie sahen die Werkzeuge und Waffen aus? Eine Antwort darauf gaben kürzlich Archäotechniker, die vom Salzlandmuseum in das Ringheiligtum eingeladen wurden. Schlanke, windschnittige Speere, zeigt Dominic Günther. Der Fachmann ist zusammen mit seinem Kollegen Pierre Stoll aus Ulm angereist. Die gelernten Metallbauer haben sich der Werkzeugtechnik der Vorfahren angenommen. „Das ist kein Lehrberuf. Das kann man nicht in einer Ausbildung lernen“, sagt er. Vielmehr schauen sie sich die gefundenen Werkzeuge an und versuchen sie nachzubauen. Dabei sind sie für Museen und private Auftraggeber unterwegs.

Die schlanken Speere gab es schon zum Ende der Eiszeit vor rund 40.000 Jahre, schildert er. Mammuts haben die damaligen Menschen mit den Speeren gejagt. Das gut ausbalancierte Jagdgerät ermöglichte es den damaligen Jägern auf einer größeren Distanz die nicht gerade kleinen Tiere zu treffen.

Pfeil muss in die Haut

Allerdings musste der Speer so schwer sein, dass er es noch schaffte, die Haut zu durchdringen. Das ist in der Praxis nicht einfach, weiß der Fachmann. Die Haut der Tiere stellt eine wirksame Barriere dar. Später reichte den Jägern die Holzspitze allein nicht mehr aus. Um die Waffe wirkungsvoller zu machen, erhielt sie eine Steinspitze. Am besten aus Feuerstein.

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Feuerstein war das Universalmaterial in der damaligen Zeit. Selbst an der Elbe bei Pömmelte findet es sich noch heute. Vor allem Messer wurden aus dem harten Gestein hergestellt. Geschickt auf einen Stein geschlagen, bilden sich scharfe Klingen. Hiermit lassen sich Tiere wirkungsvoll zerschneiden. Denn was hätte den Jägern das erlegte Tier genutzt, wenn sie es nicht hätten verarbeiten und teilen können? Erst mit den Werkzeugen erschließt sich den Menschen eine neue Möglichkeit der Nutzung vieler Dinge.

Lange bevor die Menschen sesshaft wurden und solche Dinge, wie das Ringheiligtum in Pömmelte bauten, besaßen sie Werkzeuge. Viele von ihnen sind nicht schwer herzustellen, zeigt Pierre Stoll. Er baut Speerspitzen nach. Ganz fein sind die Spitzen aus Gestein. Sie hatten vor allem den Zweck, in das Tier einzudringen und den Hautwiderstand zu verringern, erzählt er. Mitgebracht haben die beiden aber auch Pfeil und Bogen. Die Distanzwaffe ist ebenfalls sehr alt und vor allem wirkungsvoll.

Es gibt Nachbauten zu sehen

Mitgebracht haben sie aber auch kulturelle Dinge, wie kleine Flöten. Aus Schwanenknochen wurde die Flöte einst hergestellt. Gefunden wurde sie von Archäologen. Im Ringheiligtum gibt es Nachbauten zu sehen. Die siebenjährige Jette entdeckt das kleine Instrument und kann ihm einige zarte Töne entlocken. Die großen Beile, wobei Steine kunstvoll mit Holz verbunden sind, waren in der Herstellung eine größere Herausforderung.

Einige kleine Dinge können die Besucher an dem Tag nachbauen. Für das Salzlandmuseum ist die Veranstaltung einer von vielen Höhepunkten in der Anlage im Jahr, sagt Susanne Dedow. Sie betreut an dem Tag die Gäste des Ringheiligtums und freut sich über jeden Besucher, der an dem kalten Tag kommt. Die Mitmachaktion soll das Erlebnis Ringheiligtum noch intensiver machen. Die Besucher sind jedenfalls begeistert über die Angebote und die tieferen Einblicke in eine Zeit lang vor dem Beginn der Zivilisation auf der Nordhalbkugel.