Bernburg l Dass der heutige 28. Dezember mit einem Textmarker rot markiert ist, hat für Reingard Stephan gleich eine zweifache Bedeutung. Denn heute feiert sie Geburtstag – in diesem Jahr wird sie 65. Das heißt für die Fachbereichsleiterin des Fachbereiches III Gesundheit, Ordnung und Sicherheit auch: Abschied nehmen von 48 Jahren Arbeit und Beginn des Ruhestandes.

Wer mit Reingard Stephan spricht, merkt schnell: Diese Frau hat ihr Herz am rechten Fleck. Ihre Begrüßung: offen, herzlich, völlig frei von Vorurteilen. Zu ihrer Art passen auch ihre Worte. Dann sagt sie: „Bei mir konnte schon immer jeder kommen und das Gespräch suchen. Der Status der Person war nebensächlich. Mir ist ein Mensch so lieb wie der andere – und das aus Überzeugung.“

Zu Fehlern stehen

Wer am 28. Dezember geboren wird, ist vom Sternzeichen Steinbock. Die sind für ihre Zielstrebigkeit bekannt. Diese Charaktereigenschaft zieht sich wie ein roter Faden durch den Lebenslauf von Reingard Stephan. Von 1960 bis 1970 ging die Fachbereichsleiterin, die ursprünglich aus Roitzsch (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) stammt, in die dortige Polytechnische Oberschule (POS). Danach lernte sie Facharbeiterin für EDV, was sie ihrem Mathelehrer in der Schule zu verdanken hatte. „In dem Fach war ich gut und er legte mir nahe, in den EDV-Bereich zu gehen“, so Reingard Stephan. Sie rümpft die Nase und sagt: „Doch das machte mir leider überhaupt keinen Spaß. Es lag mir so gar nicht.“

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Genau das zeichnet den Charakter der Fachbereichsleiterin aus. Wenn man einen Weg gegangen sei, der vielleicht nicht der optimalste war, dann müsse man den Fehler „im Vorwärtsschreiten korrigieren“, sagt sie. „Und Fehler macht man, kein Mensch ist frei davon.“

Jobben bei der Post

Reingard Stephan korrigierte diesen für sie nicht ganz so optimal scheinenden Weg in ihrem Lebenslauf. Für ein halbes Jahr jobbte sie nach ihrer Ausbildung bei der Post, danach fing sie an bei der Verwaltung – zunächst in der 9500-Einwohner-Gemeinde Sandersdorf.

1981 kam sie zur Kreisverwaltung des damaligen Landkreises Bernburg – zunächst in den Bereich Handel und Versorgung. Hier blieb sie bis zur Wende. Danach waren ihr die verschiedensten Ämter zugeordnet. „Insgesamt habe ich aber mit fast jedem Amt mal direkt zusammengearbeitet – bis auf den Sozial- und Jugendbereich“, so Reingard Stephan.

Letztendlich wurde sie 1990 Fachbereichsleiterin für den Bereich Gesundheit, Ordnung und Sicherheit. Dazu gehören die Fachdienste Ausländer- und Asylrecht, Veterinärangelegenheiten und gesundheitlicher Verbraucherschutz, Ordnung und Straßenverkehr, Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst sowie Gesundheit und seit 2015 die Koordinierungsstelle Migration. Insgesamt hatte Reingard Stephan 203 Mitarbeiter unter sich. „Entscheidend für eine erfolgreiche Leitungstätigkeit ist, dass die jeweiligen Fachdienst- und Sachgebietsleitungen mit ihren Mitarbeitern engagiert zur Aufgabenerfüllung beitragen“, so Reingard Stephan. „Und das ist immer so gewesen.“

Schwierige Entscheidungen

Überhaupt gefiel ihr ihre Arbeit bei der Kreisverwaltung von Anfang an. „Ich diskutiere gerne und viel“, nennt sie den ersten Grund. „Das gibt doch die Würze im Leben.“ Gleichzeitig mochte sie schon immer die Arbeit mit vielen Menschen.

Schwierig seien hingegen die Entscheidungen gewesen, die im Bereich des Katastrophenschutzes getroffen werden mussten. „Da ging es um Hochwasser, welches Ortschaften stark beschädigte, um Menschen, die unsere Hilfe und Unterstützung benötigten. Da hat niemand in der Kreisverwaltung lange gezögert‚ so Reingard Stephan. Da ging es dann stets mehr darum, Entscheidungen schnell zu treffen und die dann auch umzusetzen.

Vertreterin für Landrat

„Nebenbei“ war Reingard Stephan die Vertreterin für den Landrat Markus Bauer. Zu ihrem Nachfolger in dieser Funktion wurde Thomas Michling, zur Zeit Fachbereichsleiter IV für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt, vom Kreistag gewählt. Ab dem 1. Januar 2019 wird Thomas Michling die dann fusionierten Fachbereiche III und IV leiten.

Trotz all dem, was Reingard Stephan über die Jahre für die Kreisverwaltung und somit vor allem auch für die Menschen in der Region geleistet hat, ist sie alles andere als abgehoben. „Es ist an der Zeit, dass ich Platz mache für Jüngere“, sagt sie und fügt schnell hinzu: „obwohl mir das natürlich nicht unbedingt leicht fällt.“ Doch an seinem Stuhl festzukleben und sich einzubilden, dass man unersetzbar sei, nein, das sei völlig falsch.

Blickt Reingard Stephan auf ihre Arbeitsjahre zurück, ist sie mehr als zufrieden. „Die Kreisebene, die war für mich immer das Nonplusultra, mehr habe ich nie gewollt“ sagt sie. Und nachdem sie so lange die Fäden zusammenhalten musste, will Reingard Stephan es zunächst einmal ruhig angehen. „Ich habe noch keine konkreten Pläne“, sagt sie. „Außer einen: Ich möchte erstmal in den Wellness-Urlaub fahren.“ „Denn“, so sagt sie weiter, manchmal muss man auch Egoist sein.“ Es sei alles eine Frage der richtigen Relation, sagt sie und lacht mit ihrer offenen, herzlichen Art, bei der man nur mitlachen kann.