Calbe l Wenn Pfarrer Jürgen Kohtz von der St. Stephani Kirche in Calbe spricht, nennt er sie liebevoll die „alte Dame“. Das ist bei einem Alter von über 500 Jahren wohl auch gerechtfertigt. Doch im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte hat der Zahn der Zeit an dem Gebäude genagt. Die steinernen Mauern, die Tag für Tag den Elementen trotzen, müssen ausgebessert werden. „Vor uns liegt der zweite Bauabschnitt. Es gilt, die Fassaden des Hauptschiffes wieder instand zu setzen. Teilweise bröckeln diese, und das ist auf Dauer nicht sicher“, erklärt Pfarrer Kohtz. Sobald die Finanzierung sichergestellt sei, wolle man mit den zweiten Bauabschnitt in Angriff nehmen. „Ich hoffe, dass wir im Frühjahr soweit sind“, so Kohtz.

Zudem seien bei gründlichen Untersuchungen weitere Schäden registriert worden, die zunächst nicht aufgefallen waren. Hauptproblem ist nämlich die Verfugung des Sandsteingemäuers. Die Fugen wurden zuletzt im Jahr 1860 mit einer harten Mörtelmischung ausgebessert, doch eben jene Mörtelmischung wird nun zum Problem, wie Kohtz berichtet. „Der Fugenmörtel ist robuster als die überwiegend verbauten Kalk- und Sandsteine. Wenn die Steine anfangen zu bröckeln, hat die Verfugung keinen sicheren Halt mehr. Also muss man da ran, um die Fassade zu sichern“, sagt Kohtz.

Dach bereits saniert

Erst im August dieses Jahres wurde der erste Bauabschnitt an der „alten Dame“ abgeschlossen. Dabei wurde das Dach des Hauptschiffes saniert und die Turmfassaden wurden ausgebessert. Diese Maßnahmen haben insgesamt über 600.000 Euro gekostet und wurden überwiegend von Bund, Land und durch Eigenmittel des Kirchenkreises Egeln gestemmt.

Schon bei diesem Bauabschnitt hat Kohtz gemerkt, wie viel es bei Arbeiten an einem so alten Gebäude zu beachten gilt. „Die Planung der Bauabschnitte ist ein enormer Aufwand. Man muss den Denkmalschutz beachten, die richtigen Baumaterialien auswählen, die Kosten kalkulieren und vieles mehr. Das geht sogar so weit, dass der Sand für den neuen Fugenmörtel labortechnisch untersucht werden muss. Ein anderes Beispiel sind die Sandsteine. Die holen wir ja nicht einfach aus dem Baumarkt. Die müssen gewisse Kriterien erfüllen, damit wir sie verbauen können. Für die anstehenden Arbeiten werden wir also extra Sandstein aus Polen holen“, erklärt der Gemeindepfarrer.

Handwerker mit Fachwissen

In Anbetracht dieser vielfältigen Aufgaben ist Jürgen Kohtz froh darüber, dass die Kirche nicht alle Aufgaben alleine bewältigen muss. Mit Handwerkern und Architekten habe man eine Schar aus Experten um sich, die über das nötige Fachwissen verfügen.

Allerdings gibt es auch einen Wermutstropfen: Die Kosten werden wohl höher werden, als ursprünglich berechnet. Aus diesem Grund mussten bei der Planung des zweiten Bauabschnittes bereits Abstriche gemacht werden. „Um Kosten zu sparen, haben wir uns dazu entschieden, die Erneuerung der Bleiglasfenster zurückzustellen. Das muss dann eben erst einmal warten“, sagt Kohtz.

Martinsfest steht bevor

Nicht mehr lange warten müssen hingegen die Kinder und Eltern, die sich auf das Martinsfest freuen. Denn diesen Sonntag, 11. November, lädt die evangelische Kirchengemeinde Calbe in die St.-Stephani-Kirche ein. Los geht es um 17 Uhr. Geplant ist unter anderem ein Laternenumzug.

Und geplant hat Pfarrer Jürgen Kohtz auch für 2019 noch mehr. Neben der Sicherung der Fassade wolle er nämlich auch im Innenraum der Kirche etwas ändern. „Im nächsten Jahr sind zwei technische Änderungen angedacht. Zum einen wollen wir beheizbare Bänke installieren. In einer so großen Kirche, wie der St.- Stephani-Kirche, ist es ja doch schon mal recht kühl. Außerdem wollen wir mit einer Sprechanlage die Akustik verbessern. Schließlich hallt es im Inneren sehr, sodass nicht immer alles so verständlich ist“, sagt Kohtz.

Es gibt also noch einiges bei der „alten Dame“ zu tun. Jürgen Kohtz ist sich sicher: „Das Projekt St. Stephani wird uns noch einige Jahre begleiten.“