Schönebeck l Nach einem Angriff auf ein Pferd in einem Schönebecker Reiterhof hat das Landesamt für Umweltschutz von Sachsen-Anhalt Zweifel daran geäußert, dass ein Wolf für den Vorfall verantwortlich sein soll. „In Sachsen-Anhalt ist bisher einmal per DNA-Nachweis an einer Verletzung eines Fohlens in einem offenen Beweidungsprojekt mit Wildpferden ein Wolf als Verursacher festgestellt worden“, teilte Ines Wahl, Sprecherin des Umweltamtes in Halle, mit. Und das bei insgesamt 761 untersuchten Angriffen auf Nutztiere durch Wölfe in den vergangenen zehn Jahren. In einem weiteren Fall konnte ein Angriff durch einen Wolf von den Experten zumindest nicht ausgeschlossen werden.

Nach Angaben der Behördensprecherin würden Fachleute jedoch eher ausschließen, dass Tiere wie Wölfe, Hunde oder Füchse ein Pferd wie im vorliegenden Fall am Innenschenkel und Unterleib verletzen. „Der Angreifer müsste dabei zwischen die Beine und somit auch zwischen die Hufe des Pferdes gelangt sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Angreifer dies unbeschadet übersteht, ist ziemlich gering“, so Sprecherin Ines Wahl. Ohne ein Gutachten sei es jedoch letztendlich auch nicht möglich, ein Urteil über einen eventuellen Übergriff zu fällen. Der aktuelle Fall sei dem Wolfskompetenzzentrum auch nicht gemeldet worden, teilte die Sprecherin weiter mit.

Kratzspuren am Pferd

Der Besitzer des Schönebecker Reiterhofes war nach dem Vorfall in der vergangenen Woche davon ausgegangen, dass es sich bei dem Angreifer um einen Wolf gehandelt haben müsse. So waren an dem Wallach etwa mögliche Kratzspuren von Krallen zu erkennen gewesen. Unterleib und Innenschenkel der Pferdes waren verletzt und bluteten stark.

Allerdings war der Mann nach dem Angriff so geschockt, dass er nicht daran gedacht hatte, die Experten des Wolfskompetenzzentrums in Iden zu informieren. Die dortigen Wissenschaftler können anhand einer DNA-Probe feststellen, ob eine Verletzung durch einen Wolf oder einen Hund herbeigeführt wurde. Doch solche Proben müssen innerhalb von 24 Stunden genommen werden, um überhaupt noch verwertbar zu sein. Zeugen des Angriffs gibt es nicht.

Das 18-jährige Deutsche Pony Nepomuk hat sich zehn Tage nach dem Angriff immer noch nicht erholt. Da der Wallach Probleme beim Wasserlassen hat, sammelt sich inzwischen Flüssigkeit in seinem Bauch. Nepomuk wurde zuletzt von einem jungen Mädchen geritten, das mit ihm auch Preise in Dressur und Hindernisreiten gewonnen hat. Als ruhiges und freundliches Tier wurde er viel von Kindern geritten. Aufgrund der Verletzungen kann er jedoch bis auf Weiteres keine Menschen mehr tragen. Ob Nepomuk wieder gesund wird, ist bisher noch unklar.

Pferde werden eingesperrt

Der Besitzer des Reiterhofes sperrt die sieben Pferde inzwischen nachts immer in der Scheune in ihre Boxen. Nach dem Beitrag in der Volksstimme haben inzwischen auch die Fernsehsender MDR und ZDF sowie die Bild-Zeitung über den Vorfall berichtet.