Aktion der Gartenfreunde

Schönebecker Kleingärtner im Porträt

Der Verband der Gartenfreunde und die Volksstimme stellen jene Kleingärtner vor, die am längsten eine Parzelle bewirtschaften.

Von Felix Mihalek

Schönebeck l Es braucht Geduld und Hingabe, sich über 50 Jahre hinweg einem Hobby zu widmen. Besonders, wenn es von sich aus schon viel Zeit abverlangt. Solch ein Hobby ist die Kleingärtnerei. Als das Kleingärtnerwesen im Jahr 1814 entstand, ahnten vermutlich wenige, dass auch noch Jahrhunderte später Leute mit Leib und Seele dem nachgehen. Grund genug für den Vorsitzenden des "Verbands für Gartenfreunde Schönebeck Umgebung", Siegfried Kliematz, die langjährigsten Schönebecker Parzellenbesitzer zu einem Treffen in die Geschäftsstelle einzuladen.

So zum Beispiel Egon und Erika Hansen aus Schönebeck. Seit 1952 hegen und pflegen sie in der Kleingartenanlage "Fortuna" ihre Beete. Und damit sind sie auch gut beschäftigt, denn ihr Garten ist 800 Quadratmeter groß. Und: "Da wird jeder Fleck genutzt", berichtet Klaus Stehno, der in der selben Anlage seinen Kleingarten hat. "Das stimmt", bestätigt Siegfried Kliematz, "da ist kein Schnipsel Rasen zu finden." Reichlich zu tun also für den 78-jährigen Egon und seine Erika. Die 77-Jährige und ihr Mann verbringen einen Großteil ihrer Freizeit in ihrem grünen Gartenreich. Zeit genug, um eine Vielzahl schöner Erinnerungen an das Gartenleben zu sammeln, darunter auch eine ganz besondere: "Wir haben im Garten unsere goldene Hochzeit gefeiert", erinnert sich Kurt Hansen. "Fortuna" war den Hansens also nicht nur in ihrer Ehe hold, sondern auch gartentechnisch seit jeher eine treue Begleiterin.

Auch für Kurt Brock und seine Lebensgefährtin Helga Reinke ist der Garten ein wichtiger Teil des Alltags. In der Anlage "Waldesruh" in Grünewalde bewirtschaften sie ihren Kleingarten. Schon vom Garten ihres Opas war Helga Reinke als kleines Mädchen begeistert. Nachdem sie verwitwete, lernte sie ihren heutigen Partner Kurt Brock kennen. Für ihn ist der Garten seit 1963 ein Ort der Erholung: "Früher habe ich einen Brunnen gebaut und ein Wasserbassin für die Kinder zum Planschen hingestellt", erzählt der 75-Jährige über seinen Garten, "heute haben wir eine Laube und eine schattige Liegewiese". Auch das leibliche Wohl findet in Kurt Brocks Garten seinen Platz. Von würzigen Radieschen bis hin zu süßen Pfirsichen baut er Obst und Gemüse an. Kein Wunder also, dass er oft satt nach Hause kommt. "Ich nasche oft im Garten. Wo andere vielleicht eine Flasche Bier trinken, esse ich eben eine Tomate - und danach kommt dann eventuell das Bier", verrät er lachend. Oft sind er und seine Partnerin bis in die späten Abendstunden in ihrem Garten zugange. "Wichtig ist dabei nur", erzählt Kurt Brock, "wenn man nach 20 Uhr den Garten verlässt, den Riegel am Torweg zuzumachen!"

"Man bekommt alles zu kaufen. Keiner muss sich selbst versorgen."

Edith Richter aus der Kleingartenanlage "Am Grundweg" schließt nie das Eingangstor. "Wir haben ja gar keinen Torweg", erzählt die rüstige 85-Jährige. Seit 1957 baut sie in ihrem Kleingarten "alles an, was man zum täglichen Leben braucht." Ganz allein kümmert sie sich dabei um 800 Quadratmeter Gartenfläche, die sie als ihr "Lebenswerk" bezeichnet. "Den Garten haben wir uns von der Pike auf erarbeitet. Ursprünglich sollte die Fläche zur Unterbringung Sudetendeutscher verwendet werden und Einfamilienhäuser darauf errichtet werden." Doch das fand nicht statt. Übrig blieb eine große, parzellierte Fläche, auf der schließlich Kleingärten gegründet wurden. Und Edith Richter denkt auch nicht daran, ihren Garten abzugeben: "Ich bin im Garten immer an der frischen Luft und habe einen Ort, zu dem ich immer hingehen kann. Und das werde ich auch, solange ich noch krauchen kann", stellt die Rentnerin entschlossen fest.

Bärbel Hirschfeld bewirtschaftet ihren Garten ebenfalls allein - und das seit zwölf Jahren. Seit 1960 hat sie in dritter Generation ihre Parzelle in der Schönebecker Gartenanlage "Otto Kresse 4". Die 74-Jährige "verwertet und verschenkt alles", was sie in ihrem Gartenreich anbaut. Sogar der Wein, den Bärbel Hirschfeld in ihrem Garten hat, findet seine Verwendung: "Daraus mache ich Traubensaft, aber keinen Wein. Mit Alkohol habe ich nichts im Sinn."

Für sie ist das schönste an ihrem Garten, alles "wachsen und gedeihen zu sehen. Besonders die Blumen. Aber auch die grünen Bohnen. Die kommen zurzeit sehr gut." Obwohl Bärbel Hirschfeld ihren Garten alleine bewirtschaftet, bekommt sie des Öfteren Hilfe: "Mein Sohn schneidet zum Beispiel mal die Hecke. Wenn ich ihm sage, dass etwas gemacht werden muss, hilft er mir immer gleich."

Anita Belling aus der Grünewalder Anlage "Waldesruh" freut es, dass noch "so viele ältere Gartenbesitzer mit Elan dabei sind." Etwas anderes bereitet der Vorsitzenden der Kleingartenanlage jedoch Sorgen: "Die jungen Leute sind in den Kleingärten kaum noch vorhanden", bedauert die 67-Jährige.

"Kein Wunder", erklärt Helga Reinke, "man bekommt heutzutage ja alles zu kaufen. Keiner muss sich noch selbst versorgen." Das Problem kennt auch Klaus Stehno, der seit 1972 seinen Garten in der Anlage "Fortuna" hat. "Man findet keinen Nachfolger, bekommt daher auch keinen Pfennig mehr für den Garten", erzählt der 73-Jährige. "Wir alle wissen, wie es in der Kleingartenlandschaft aussieht", resümiert Siegfried Kliematz. "Dennoch haben wir immer die Hoffnung, dass junge Leute, insbesondere junge Familien sich wieder für das Kleingartenwesen begeistern können."