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Schützengilde Barby: Ende August krachen wieder die Vorderlader

Ende August wollen die Männer der Herzog-Heinrich-Schützengilde wieder marschieren. Vor dem Wettkampf wird zu Ehren von Herzog Heinrich, dem Begründer der Gilde, an dessen Gruft auf dem Schlosshof Salut geschossen.

Von Thomas Linßner
Ende August marschieren die Herzog-Heinrich-Schützen im Schloss auf.
Ende August marschieren die Herzog-Heinrich-Schützen im Schloss auf. Archivfoto: Thomas Linßner

Barby - Es ist jedes Mal ein besonderer Moment, wenn die Blau-Weißen in ihren historischen Uniformen über den Schlosshof marschieren, um ihren Gründer zu Ehren. Noch vor wenigen Jahren wurde in der leeren Gruft ein Kranz für Herzog Heinrich nieder gelegt. Weil der Kellerraum, der seit 1945 leer ist, an Attraktivität verloren hat und nur Platz für wenige Personen bietet, legen die Schützen das Ehrengebinde am repräsentativen Schlossportal ab.

Dann ist das ganzjährig hermetische Schlossgelände für eine halbe Stunde geöffnet. Eine Sonderregelung aus den 90er Jahren erlaubt, das Areal des Grundbucharchivs zu betreten. (Nach dem unaufgeklärten Brandanschlag vom Frühjahr 1993 gelten hier strenge Sicherheitsregeln.)

„Wir freuen uns, dass wir nach der internen Veranstaltung 2020 in diesem Jahr wieder ein öffentliches Königsschießen auf die Beine stellen werden“, sagt Gildechef Frank Hilfert. Es wird nach alter Tradition Ende August begangen. Konkret vom 27. bis 29. August. Wobei der Freitag den Vorbereitungen, wie Exerzierübungen, dient, wo die Öffentlichkeit nicht viel zu sehen bekommt. Sonnabendvormittag wird die Fahne auf dem Markt gehisst und der Schützenkönig ’20 von zu Hause abgeholt. Thomas Wenzel wohnt am Ortsausgang in Richtung Gnadau. Von dort marschieren die Gildemänner zur Fährstraße, was von der Strecke her kein Pappenstiel ist. (Als Otto Bleich König wurde, der in der Breite wohnt, war es nur gut ein Kilometer.)

„Wir machen auch wieder einen Schützenball am Samstag“, betont Frank Hilfert. Die Veranstaltung ist öffentlich, Gäste sind gerne gesehen. Dort spielt die Liveband „Silent Song“. Karten gibt es bei Elektro-Milker in der Schulzenstraße. Zu diesem Zeitpunkt steht auch der Schützenkönig 2021 fest, der an jenem Abend geehrt wird. (Das genaue Programm wird noch bekannt gegeben.)

Historische Regeln

Die Gilde wird den Schießwettkampf nach historischem Reglement ausführen, das sich an die Barockzeit anlehnt. Derweil die Männer am Wettkampf mit ihren eigenen Vorderladern schießen, wird beim Stechen die Königswaffe peinlich genau mit 38 Gran Schwarzpulver (etwa 2,5 Gramm) geladen, was Oberschützenmeister Joachim Küstermann vornimmt. Weil das mit einer Waffe geschieht, unterliegt jeder Teilnehmer den gleichen Bedingungen.

Was auf dem Schützenplatz an der Fährstraße seinen Lauf nimmt, beginnt, wie bereits erwähnt, auf dem Schlosshof.

Hier steht eines der ältesten Gebäude Barbys. Es sind Überreste der mittelalterlichen gräflichen Burg. Weil das Areal für die Öffentlichkeit tabu ist, werden die Renaissanceanlage und der Barockteil in der öffentlichen Wahrnehmung gerne in einen Topf geworfen.

Ersteres ist die ehemalige Hofkanzlei, jener Komplex, der an den Schlosspark angrenzt. Ihn ließ das Land als Eigentümer in mehreren Bauabschnitten sanieren. Ziel war die Wiederherstellung des Originalzustandes in solcher Form, wie die Kanzlei bis 1953 aussah.

Das Spitzdach wurde abgerissen, als die Rote Armee das Schloss als Kaserne nutzte. Seitdem befand sich ein provisorisches Pappdach darauf, das nur eine lichte Höhe von 1,40 Meter hatte. Über den Dachboden konnte man nur gebückt gehen.

Öffentlich nicht zugänglich

Wenig förderlich in Sachen Denkmalspflege war der Einbau von Eisengittern vor den Fenstern. Nach dem Krieg stemmte man unzählige Löcher in die alten Renaissance-Sandsteingewände, um Gitter zu befestigen. Das Eisen trieb den Stein im Laufe der Jahre auseinander – viele Fassungen sind deswegen nicht mehr reparabel und müssen durch neue ersetzt werden.

Endgültig sein Gesicht verlor der letzte Rest der gräflichen Burg 1992, als der barocke Turmhelm abgerissen werden musste. Das Mauerwerk hatte seine Tragfähigkeit verloren. Was ein Zeichen für den maroden Zustand des Gebäudes war. Als Glücksumstand darf man bezeichnen, dass das Land viel Geld in die Hand nahm, um Schloss und Burg zu sanieren.

In einigen Räumen der Grafenburg lassen Netzgewölbedecken einstigen Prunk erahnen. Sie ähneln denen des Schlosses Großmühligen, die aus dem Jahre 1602 stammen. Was kein Zufall ist: Barby und Mühlingen wurden vom selben Grafengeschlecht regiert. Vielleicht legten dieselben Stuckateure Hand an.

Beide Schlösser haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das eine ist im Privatbesitz, das andere gehört dem Land Sachsen-Anhalt.

Oberschützenmeister Joachim Küstermann (l.) und Vereinsvorsitzender Frank Hilfert zählen zu den Motoren, die das Königsschießen auf die Beine stellen.
Oberschützenmeister Joachim Küstermann (l.) und Vereinsvorsitzender Frank Hilfert zählen zu den Motoren, die das Königsschießen auf die Beine stellen.
Fotos: Linßner
Das schön sanierte Portal der alten Grafenburg, deren Reste sich auf der Nordseite des Schlossareals befinden.
Das schön sanierte Portal der alten Grafenburg, deren Reste sich auf der Nordseite des Schlossareals befinden.
tli