Schönebeck l Eigentlich müsste allen Stadträten alles klar sein. Das dachte sich wohl die Verwaltung beim Verfassen der Beschlussvorlage zur weiteren Vorgehensweise in Sachen Kombibad. Immerhin hatte es eine Arbeitsgruppe Bäder gegeben, in der auch Vertreter von allen Fraktionen involviert waren. Anders ist nicht zu erklären, warum die Begründung in der Beschlussvorlage zu diesem für die Schönebecker wichtigen Thema sehr kurz gefasst ist. Da ist von den Modellvarianten D und E sowie dem Stadtwerkemodell die Sprache, die weiter betrachtet werden sollen, dazu jeweils knappe Ausführungen.

Zu kurz und zu knapp für die Stadträte im Bauausschuss, die am Montagabend zusammenkamen und den Sitzungsreigen eröffneten. Auch die Erläuterungen von Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) änderten daran nichts. Stadtrat Thoralf Winkler (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, dass ihm klar sei, dass in der Arbeitsgruppe detailliert darüber gesprochen worden sei. Doch warum finde er diese ausführlichen Erläuterungen nicht in den Beschlussvorlagen wieder? „Ich kann mir keine Meinung bilden“, gab er zu und forderte die Verwaltung auf: „Ich bitte um Nachbesserung.“ Unverständnis auf der Verwaltungsseite. Dezernent Joachim Schulke merkte an, dass der Arbeitsgruppe alle Informationen zur Verfügung gestellt worden seien mit der Bitte, diese zu verteilen. Dem hätten alle zugestimmt.

Informationen fehlen

Stadtrat Heinz-Günter Burghart (CDU) Burghart betonte, dass die Informationen nicht nur in die Arbeitsgruppe gehören, sondern auch offizieller Bestandteil der Beschlussvorlage sein müssen. Stadtrat Manfred Pöschke (FDP/Rettet die Altstadt) nickte. „Ich würde mir wünschen, dass die Informationen als Anhang erfolgen. Ich habe zum Beispiel keine Kenntnis und kann mich bei einer Abstimmung höchstens enthalten.“ Auch Stadtrat Torsten Pillat (CDU) gibt zu bedenken: „Thoralf Winkler hat schon beim Thema Abfanggraben vergeblich nach ausführlichen Informationen im Ratsinfosystem gesucht. So wird es dann auch für das Kombibad der Fall sein.“ Oberbürgermeister Knoblauch lenkte ein: „Wir werden das nachholen. Es tut uns leid. Wir sind davon ausgegangen, dass alle informiert sind.“

Stadtrat Mark Kowolik (fraktionslos) – er und Torsten Pillat hatten Rederecht, obgleich sie nicht Mitglieder im Bauausschuss sind – fragte die Verwaltung, wie das Bad aussehen soll. „Diese Frage habe ich in beiden Treffen der Arbeitsgruppen gestellt und keine Antwort erhalten.“ Was seien „bedarfsgerechte und optimierte Funktionsbereiche“, so wie es in der Beschlussvorlage heißt. Immerhin soll die Grundfläche fast halbiert werden, die Wasserfläche von 1210 auf 932 Quadratmeter reduziert. Laut Planungsbüro würden dadurch die Kosten von 22 auf 15 Millionen Euro sinken. Diesbezüglich kritisierte Kowolik, dass der Baupreisindex nicht einberechnet sei und man 2021 bei 17 Millionen Euro liege.

Keine Grundrisse

Dezernent Schulke erklärte, dass es derzeit keinen Grundriss gebe. Der würde extra Geld kosten und eine Architektenleistung sein, sagte er auf Volksstimme-Nachfrage. In der Arbeitsgruppe sei der Tenor nicht so gewesen, dass man es visuell sehen müsse, also für einen Beschluss zwingend einen Grundriss brauche. Der Badentwurf aus der Machbarkeitsstudie 2017 sei sehr großzügig gewesen. Jetzt müsse allen klar sein, dass es ein „sehr zweckmäßiger Bau“ werde: Innenbereich mit 6-Bahnen-Sportschwimmbecken, Lehrschwimm- und Planschbecken, Umkleide, Dusche/Toiletten, Kassenbereich, Technikräume und Abstellfläche; Außenbereich mit Kombibecken mit drei Schwimmbahnen, Breitrutsche, Wasserattraktion, Eltern-Kind-Bereich mit Kinderrutsche, Liegefläche, dazu Parkplätze, Vorplatz, Stellfläche für Räder. Eingespart werden soll der Gastrobereich und der Gymnastikraum mit Umkleide/Toiletten. Es soll nur eine Trocken- und eine Dampfsauna geben, keinen Saunagarten, keinen Whirpool. Alles sei funktionell angelegt.

Fazit der Sitzung: Da sich die Stadträte nicht ausreichend informiert fühlen, nahmen sie die Beschlussvorlage nur zur Kenntnis.