Rathmannsdorf l Manchmal setzt Helmhardt Kraft besonders auf Tempo. Dann bringt er Unternehmer in Vierergruppen an einen Tisch und lässt ihnen gerade einmal zwölf Minuten Zeit, um sich miteinander bekannt zu machen, dann werden die Gesprächsrunden neu gemischt. „Wer bin ich, was tue ich, wie heißt mein Betrieb, welche Leistungen werden angeboten, sind die ersten Aussagen, die jeder kurz und knapp treffen soll“, sagt Kraft. Für den Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) knüpft er ein Unternehmernetzwerk in der Region Bernburg, Aschersleben und Staßfurt.

Dieses „Speed-Dating“, dessen englischer Name sich landauf, landab etabliert hat, kommt bei Mitgliedern und Gästen an. Traditionell steht es am Beginn der jährlichen Sommerabende des Unternehmerverbandes, die mit einem gemütlichen Grillfest abschließen. „Dabei fehlt es durch die Kennenlernrunden nie an Gesprächsstoff“, versichert Kraft. Bereits zum dritten Mal fand es im ehemaligen Schloss der Familie Krosigk statt, das seit fast 20 Jahren vom Berufliches Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ) mit Hauptsitz in Aschersleben für die langfristige Integration benachteiligter Jugendlicher genutzt wird.

Unternehmen stellen sich vor

Ronny Graue hatte auch nach dem ersten Kontakten kaum Zeit zum Luftholen. Das Projekt der Adra gGmbH, gut erhaltene Kleidung aus Spenden in speziellen Shops anzubieten, interessierte viele Unternehmer. Dort wolle man die Waren in einem hochwertigen Ambiente anbieten. Zum einen könne man so das Übermaß an Hemden, Hosen, Jacken oder Röcken aus zweiter Hand schnell an die Frau und den Mann bringen. Auf der anderen Seite fließe ein Teil der Erlöse in unterschiedliche Hilfs- und Bildungsprojekte weltweit. Bislang gibt es sechs solcher Shops. Nach Stendal eröffnete erst am Dienstag dieser Woche ein weiterer in Köthen.

Über das jüngste Investitionsvorhaben der Coil GmbH aus Bernburg sprach Werkleiter Gerald Sturm. Der Zulieferer für die belgische Mutterfirma errichtet bis Ende 2016 eine zweite Produktionslinie für 23 Millionen Euro. Sie ergänzt die jetzige Fertigungsstraße mit 240 Metern Länge. Auf ihr werden jährlich 15 000 Tonnen Aluminiumbänder veredelt, die unter anderem für Fassaden, Wände und Decken verwendet werden. Trotz der im Moment schwachen Auftragslage zeigt sich Sturm zuversichtlich, die Zahl der gegenwärtig 34 Mitarbeiter steigern zu können. Während er für die reine Produktion keinen Fachkräftemangel kennt, fehle es an Spezialisten beispielsweise für die Instandhaltung.

Demografische Entwicklung

Über die demografische Entwicklung speziell im Salzlandkreis zeigte sich Roger Stöcker besorgt. Der Inhaber einer Werbeagentur in Magdeburg ist in der Region zu Hause und wirkt als neuer SPD-Kreischef. Nachdem sich bis vor wenigen Jahren Unternehmer wenig Gedanken um Lehrlinge und Fachkräfte machen mussten, habe sich das Blatt eindeutig gewandelt, lautet seine Einschätzung. Zunehmend hätten potenzielle Mitarbeiter die Chance, sich aus vielen Angeboten das Beste herauszusuchen. Darauf müssten sich mittelständische Firmen einstellen und mit attraktiven Rahmenbedingungen locken.

Überraschungsgast des sommerlichen Abends war Staßfurts Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD). Für ihn ist der Mittelstand unverzichtbar für den Standort. Unternehmensansiedlungen vor allem im produzierenden Gewerbe sieht er als wichtigen Teil der Wirtschaftsförderung und als eine vordringliche Aufgabe im Rathaus an. In seinem ersten Amtsjahr habe er bereits mehr als 100 Firmen besucht, sich vor Ort mit den Problemen vertraut gemacht. Ein funktionierendes Netzwerk, auch über die Grenzen der Kommune hinaus, sei Gold wert.