Pretzien/Plötzky l Die Gerüchteküche brodelte schon seit einigen Wochen. Nun ging Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) in die Offensive. „Die Sporthalle in Pretzien weist erhebliche Mängel auf“, sagte das Stadtoberhaupt bei der Bürgerversammlung in Plötzky am Mittwoch.

Vor allem durch die Feuchtigkeit hat die Turnhalle in dem ehemaligen Kesselhaus eines Kohlekraftwerkes massiven Schaden genommen. Nach einem Hinweis der Nutzergruppen des Sportvereins „Fit and more“, die mehrmals in der Woche in der Halle trainieren, war die Halle zuletzt im Auftrag der Stadt von einem Gutachter auf Schäden untersucht worden.

Pretziener Turnhalle verkommt

Die nun veröffentlichte Mängelliste ist lang. Demnach steigt im Mauerwerk Feuchtigkeit auf, was eine Trockenlegung sowie eine Salzsanierung notwendig machen würde. In den Wänden gibt es zahlreiche Risse. Zudem fehlen in der Turnhalle ein richtiger Sportboden, ein Prallschutz, Lüftung, Duschen, ein Sanitätsräume sowie ein Raum für Putzmittel. Mitglieder des Sportvereins berichten zudem, dass sich einige Fenster nicht schließen, andere hingegen nicht öffnen ließen. „Im Winter ist es in der Halle so kalt, dass wir gar nicht genug trainieren können, damit uns wieder warm wird“, sagte eine Sportlerin des Vereins.

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Immerhin: Schimmel, nach dem der Gutachter ebenfalls gesucht hatte, konnte zunächst nicht festgestellt werden. „Es wurde vorerst keine akute Gesundheitsbeeinträchtigung festgestellt“, teilte Matthias Zander aus dem städtischen Presseamt mit. Sowohl der Schulsport der Grundschule Plötzky als auch das Training der Sportvereine können vorerst in der Turnhalle fortgesetzt. Die Behörden haben dennoch weitere Untersuchungen angeordnet werden. Konkrete Ergebnisse sollen in vier Wochen vorliegen. Und früher oder später muss eine Lösung für die marode Turnhalle her.

Sanierung soll 800.000 Euro kosten

Doch auch ohne genaue Schadensmeldung konnte Knoblauch bereits sagen, wieviel eine notwendige Sanierung kosten würde: Stolze 800 000 Euro. Ein möglicher Neubau würde demnach mit 1,8 Millionen Euro zu Buche schlagen. Doch folgt man dem Oberbürgermeister, scheint keine dieser beiden Varianten so richtig realistisch zu sein. „Wir haben dafür kein Geld eingeplant“, sagte Bert Knoblauch. Weder im nächsten Doppelhaushalt 2020/21, noch in der mittelfristigen Finanzplanung. Bedeutet das, dass die Kinder der Grundschule Plötzky in Zukunft zum Schulsport in eine Turnhalle nach Schönebeck müssen?, hakte die Volksstimme beim Oberbürgermeister nach. Antwort von Bert Knoblauch: „Ja, das könnte passieren.“

In Ostelbien ist die Empörung über eine mögliche Schließung der Turnhalle groß. „Wir kriegen viel Lob für unser Engagement und wollen die Kinder von der Straße holen. Aber unsere Turnhalle lässt man verkommen“, schimpfte Marlies Kühn vom Sportverein „Fit and More“, der mit mehr als 80 Mitgliedern aus Pretzien, Plötzky, Gommern und Schönebeck in der Turnhalle trainiert.

Der Pretziener Ortsbürgermeister Frithjof Meussling (CDU) hält das Problem für hausgemacht. „Die Turnhalle wäre eigentlich noch in Ordnung, wenn man sich regelmäßig darum kümmern würde. Aber das tut die Stadt halt nicht“, sagte Meussling. Dass die Grundschüler eventuell zum Schulsport von Plötzky nach Schönebeck pendeln müssen, hält er für die schlechteste Lösung. „Das wollen wir nicht. Wir haben eine Bushaltestelle direkt an der Turnhalle, damit die Schüler von der Grundschule herfahren können. Wir geben uns viel Mühe, dass das Leben hier in Pretzien lebenswert ist und das soll auch so bleiben“, sagte er.

Plötzkys Ortsbürgermeister Martin Kütz (SPD) hält hingegen die Zeit für gekommen, um über den Neubau einer Sporthalle in Plötzky nachzudenken. „Und zwar nicht, weil ich hier Ortsbürgermeister bin, sondern weil hier die Grundschule steht“, betonte Martin Kütz. Sein Amt als Ortsbürgermeister wird er auch demnächst abgegeben, da er nicht erneut bei den Nachwahlen zum Ortschaftsrat an diesem Sonntag antritt. Den vom Schönebecker Oberbürgermeister angekündigten Preis von 1,8 Millionen Euro für einen Neubau hält Martin Kütz für zu hoch gegriffen. Stattdessen geht er davon aus, dass eine Halle auch für einige 100 000 Euro weniger errichtet werden kann. Zudem könnte das Land Sachsen-Anhalt den Neubau einer Sporthalle mit bis zu 90 Prozent fördern.

Auch die SPD-Fraktion im Schönebecker Stadtrat hat nun eine Anfrage beim Oberbürgermeister zur Turnhalle gestellt. Darin fragt die Fraktion unter anderem: „Wann gedenkt die Stadtverwaltung, den Stadtrat und den Ortschaftsrat Pretzien über die Zustände zu informieren?“ Des Weiteren möchte die Fraktion Auskunft über die Übersuchungsergebnisse des Gutachters bekommen. Außerdem wird nach möglichen Ersatzstandorten für den Sportbetrieb gefragt.

Die SPD-Räte schlagen zudem vor, das Geld für eine Sanierung der Pretziener Sporthalle lieber in einen Neubau an der Grundschule Plötzky zu stecken. In ihrer Anfrage geht die Fraktion allerdings nur von Sanierungskosten in Höhe von 100 000 Euro aus. Wie das städtische Presseamt noch einmal auf Nachfrage der Volksstimme bestätigte, rechnet die Stadt hingegen mit 800 000 Euro.

Eine Lösung für die marode Turnhalle in Pretzien ist vorerst nicht in Sicht. Oberbürgermeister Bert Knoblauch schlug den Mitgliedern des Sportvereins „Fit and more“ unterdessen vor, beim Ferienpark Plötzy nachzufragen, ob sie eventuell die dortige private Halle mieten können.