Barby l „Eigentlich wundert es mich ein bisschen, dass keiner von den Gartenfreunden hier ist“, rieb sich Peter Rosengart nachdenklich das Kinn. Denn ein Tagesordnungspunkt der Hauptausschusssitzung am Montag, 27. Januar 2020, beschäftigte sich quasi mit deren Dasein. Denn wenn der Stadtrat am Donnerstag, 30. Januar 2020, grünes Licht zum Verkauf eines Grundstücks an der Otto-Beckmann-Straße gibt, kann die Stadt Barby eines ihrer Grundstücke an die Ratisbona Handelsimmobilien verkaufen.

Das Unternehmen möchte einen Supermarkt bauen und an die Edeka GmbH vermieten. Das würde auf einem Teilbereich der Schrebergartenanlage „Erholung“ geschehen. Peter Rosengart hat dort selbst keinen Garten, ist aber Grundstücksanlieger aus Richtung Magdeburger Tor. „Ich wollte nur mal wissen, wieweit die bauen, wenn sie bauen sollten“, sagte er. Weil Fragen zu Tagesordnungspunkten laut Satzung nicht zulässig sind, klärte Bauamtsmitarbeiterin Samantha Voigt den Bürger nach der Sitzung über das Wo und Wie auf. Rosengart atmete auf: Zwischen ihm und dem Markt sind es noch „einige Meter“.

Betroffen wären zwölf Kleingärten, die an der Otto-Beckmann-Straße liegen. Fünf davon sind noch bewirtschaftet. Auch in der Sparte „Erholung“ ist der Leerstand groß. Laut Verwaltung habe man bereits mit dem Kleingartenverband gesprochen. Das Gelände gehört der Stadt - die Kündigung des Pachtverhältnisses sei jederzeit möglich, hieß es in der Sitzung.

"Kaufhalle" zu klein

Es geht um ein 6705 Quadratmeter großes Flurstück unweit des Barbyer Friedhofs. Hier möchte der Investor für Edeka auf einer Grundfläche von 1821 Quadratmeter einen neuen Supermarkt bauen. Der Grund: Die „Kaufhalle“ im Magdeburger Tor sei viel zu klein und lange schon nicht mehr zeitgemäß. Dort betreibt NP einen Supermarkt im ehemaligen Schützenhaus. Nicht nur für Kunden ist das Angebot „übersichtlich“; auch für Anliefer-Lkw ist der enge Vorplatz eine Herausforderung. Das Unternehmen plante vor Jahren bereits die Erweiterung vor Ort - sie scheiterte allerdings, weil kein Grundstück dazu gekauft werden konnte.

Vom Standort her liegt die „Kaufhalle“ ideal, weil sie mitten in der Stadt ist. Laut Barbys Ortsbürgermeister Jens Strube gebe es bereits Proteste älterer Bürger, die mit Schließung dieser Filiale weite Wege befürchten. Die sollten allerdings gemindert werden, weil die Planung die Nutzung eines Gehweges durch die Gartenanlage vom Magdeburger Tor kommend vor sieht.

Wie Samantha Voigt vom Bauamt mitteilte, sei der Gartenverband über das Vorhaben im Bilde. Vorbehaltlich der Zustimmung im Stadtrat und der Einhaltung der Kündigungsfrist der Parzellen wäre mit dem Neubau nicht vor 2022 zu rechnen.