Garten

Starthife für Schreber in Frohse

Der Begriff „Coronagarten“ hat sich etabliert. Seit März vergangenen Jahres stehen die Naturparadiese en miniature besonders hoch im Kurs. Als Erholungs- und Rückzugsgebiet erfreuen sie sich in Zeiten von pandemiebedingten Einschränkungen zunehmender Beliebtheit. Auch in der Anlage „Clausthal“

Von Klaus-Peter Voigt 05.08.2021, 17:59
Michael Braun kümmert sich mit Stefanie Lässig und deren Tochter Leoni um die Pflege der Beete. Am Anfang gab es kleinere Schwierigkeiten, aber die Kleingärtner haben alles gemeistert.
Michael Braun kümmert sich mit Stefanie Lässig und deren Tochter Leoni um die Pflege der Beete. Am Anfang gab es kleinere Schwierigkeiten, aber die Kleingärtner haben alles gemeistert. Foto: Klaus-Peter Voigt

Frohse - Eine kleine Trendwende verzeichnen die Kleingärtnervereinen der Region. Die Nachfrage nach Parzellen nimmt wieder zu. Zwar in einem bescheidenen Maß, aber immerhin. „Wir haben im Schnitt der vergangenen Jahren etwa 150 bis 160 neue Pachtverträge jährlich abgeschlossen. 2020 waren es mit 230 deutlich mehr. Corona bewirkte also einiges. 2021 sieht es auch gut aus, wir nahmen bislang 105 neue Pächter auf“, sagt Karin Peine, die Vorsitzende des Verbandes der Gartenfreunde Schönebeck und Umgebung. Das mache Hoffnung, auch wenn in wenigen Fällen das Durchhaltevermögen der frischgebackenen Kleingärtner schneller endet, als erwartet. Nach der offiziellen Statistik hatte der Verband Anfang dieses Jahres rund 4700 Parzellen, davon sind 3008 verpachtet.

Vier Pachtverträge abgeschlossen

Wie sieht es konkret vor Ort aus? In der 20. Gemeinschaftsaktion des Verbandes der Gartenfreunde Schönebeck und Umgebung sowie der Volksstimme schauen wir in einer Reihe von Vereinen nach der aktuellen Situation. Den Auftakt macht die Anlage „Clausthal“ mit ihren knapp 30 Parzellen im Ortsteil Frohse. Vereinsvorsitzender Siegfried Kliematz zeigt sich zufrieden. In den zurückliegenden rund 18 Monaten wurde vier Pachtverträge abgeschlossen. Selbst das eine oder andere Areal, das viel Aufwand erfordert, bis es eine wirkliche grüne Oase geworden ist, fand seine Interessenten. Corona sei daran durchaus „mitschuldig“, erklärt der „Chef“. „Mit einem Strohfeuer ist uns nicht geholfen“, lautet jedoch auch seine nüchterne Einschätzung, die in allen Vereinen rund um die Salzstadt geteilt wird.

Zu Hause nur eingesperrt

Manchmal kommt man zum Kleingarten wie die Jungfrau zum Kind. Michael Braun entschied sich Anfang 2020 für sein neues Hobby. „Es war doch besser als zu Hause fast wie eingesperrt zu sitzen“, berichtet der 31-Jährige. Für ihn ist eigene Scholle längst nicht aus der Mode gekommen oder gar spießig. Von einer Arbeitskollegin, die selbst im Clausthal eine zweite Heimat fand, erfuhr Michael Braun von der leerstehenden Parzelle. Lange habe er schon „den Drang nach einem Garten verspürt“ und dann die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Noch immer ist einiges zu tun, um das Areal in Schuss zu bringen.

Keine Last trotz kleiner Pannen

Die Herausforderung erwies sich mehr als Lust und keineswegs als Last. Bereits im vergangen Frühjahr waren die ersten Beete in Schuss gebracht. Kleine Pannen ließen den Mut nicht sinken. Das damals desolate Folienzelt bot den Gurkenpflanzen keinen ausreichenden Schutz vor der Kälte der Nacht. Ein nur noch in spärlichen Resten vorhandener Obstbaum muss demnächst der Säge zum Opfer fallen. Michael Braun sieht das pragmatisch. „Manche Pflanzen oder ein alter Baum haben mitunter ihre besten Zeiten hinter sich. Auch ein Garten braucht dann und wann eine Verjüngungskur“, lautet seine kurze Einschätzung. Mit Lebenspartnerin Stefanie Lässig will er noch viele Pläne umsetzen. Nachdem das undichte Dach der Laube bereits repariert ist, soll in den kommenden Wochen eine hübsche Grillecke entstehen. Die drei Kinder lümmeln sich mit Begeisterung auf der gemütlichen Sitzecke aus Paletten, die gerade fertiggestellt wurde.

In seiner Gartenlaube hat Briken Kaci alle Hände voll zu tun.
In seiner Gartenlaube hat Briken Kaci alle Hände voll zu tun.
Foto: Klaus-Peter Voigt

Gartenfreunde mit Migrationshintergrund

Im Verein „Clausthal“ sind Gartenfreunde mit Migrationshintergrund keine Ausnahme. Jede dritte Parzelle wird von ihnen bewirtschaftet. Kubaner, Russen und Polen fühlen sich ebenso heimisch und angenommen wie eine albanische Familie. „Über Bekannte hatten wir erfahren, dass ein Garten noch zu vergeben war“, berichtet Briken Kaci. Der 33-jährige Geschäftsführer eines griechischen Restaurants steckt im Moment seine ganze Freizeit vor allem in die Sanierung der heruntergekommenen Laube. Vieles ist dort zu erneuern und in Ordnung zu bringen. Neue Fenster ersetzen demnächst die verwitterten Reste der alten, der Fußboden bekommt eine Schönheitskur, aber erst im kommenden Jahr rechnet der Gastronom mit der Fertigstellung. Die Arbeit schreckt jedenfalls nicht ab, schließlich wolle man sich mit den drei Kindern auf lange Zeit einrichten. Und Gartenarbeit, bei der im Moment die Ehefrau die Verantwortung übernommen hat, gehörte in der alten Heimat zum Alltag.

Kinder bringen frischen Wind

Briken Kaci spricht mit einem Leuchten in den Augen von der Hilfsbereitschaft der Nachbarn. Manche Pflanze und Saatgut gab es als Starthilfe, Tipps sowieso. „So wünschen wir uns eine funktionierende Nachbarschaft“, bringt es Siegfried Kliematz auf den Punkt. Er freut sich zum einen über die Wandlung des Gartens der Albaner in wenigen Wochen. So ordentlich habe diese Fläche lange nicht mehr ausgesehen, nachdem in sechs Jahren ganze sieben Pächter dort gastierten und außer großen Worten nichts vollbrachten. Solche Schwierigkeiten gebe es durchaus auch. Dann bringen Familien mit Kinder frischen Wind in eine Kleingartenanlage. 15 Zwerge machen Hoffnung darauf, dass 2022 im Verein wieder ein Kinderfest stattfinden könne. „Das Lachen der Mädchen und Jungen ist ein Wohltat“, sagt Kliematz.