Calbe l Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) hat am Donnerstag zusammen mit dem Calben- ser Bürgermeister Sven Hause (parteilos) die Barbyer Chaussee für den Verkehr freigegeben. Am frühen Nachmittag konnte der Verkehr wieder rollen. Damit enden rund 20 Monate Bauzeit für die gut zwei Kilometer lange Strecke.

Der Ausbau war aus mehreren Gründen notwendig geworden. Die wichtige Landesstraße als Verbindung in das am Stadtrand gelegene Gewerbe- und Industriegebiet war noch nicht grundhaft ausgebaut worden. Es fehlte ebenso an ausgebauten Kreuzungen zu den an der Straße liegenden Unternehmen. Beim Ausbau, sagte Uwe Langkammer, der Präsident der Landesstraßenbaubehörde, hätten die Bauarbeiter immer wieder Überraschungen erlebt. So stießen sie bei den Tiefbauarbeiten auf alte Heizungsleitungen im Boden, die in keiner Karte verzeichnet gewesen seien, sagte er am Rande. Außerdem entdeckten die Bautrupps nach der Entfernung des Asphalts zum Teil Kopfsteinpflaster sowie Schlacke. Vor Jahrzehnten baute die damalige DDR in der Saalestadt eine Metallverhüttung in Form eines Niederschachtofenwerkes auf. Offenbar wurde die dabei entstehende Schlacke für den Straßenbau verwendet, sagte der Chef der Landesstraßenbaubehörde. Das habe die Planer sowie den ausführenden Baubetrieb vor einige Herausforderungen gestellt. Die Schlacke musste aus dem Untergrund entfernt und die Straße neu aufgebaut werden.

Drei Knotenpunkte

Unterm Strich spiegele sich dies ebenso bei den Kosten wider. Zwei Millionen Euro hat das Land für den Ausbau der Straße ausgegeben, sagte Verkehrsminister Thomas Webel in seiner Ansprache. Der Betrag sei in Ordnung, wenn man betrachte, dass damit ebenso drei Knotenpunkte ausgebaut wurden.

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Neben dem Neubau der Straße wurde ebenso ein Radweg angelegt. Die in Calbe wohnenden Beschäftigten der im Gewerbegebiet angesiedelten Unternehmen könnten nun öfter mit dem Rad, abseits der Fahrbahn, fahren, warb der Minister für das Umsteigen.

Die Bauarbeiten an einer Zufahrt zu den Unternehmen soll demnächst fortgesetzt werden, kündigte Sven Hause an. Deshalb bleibe eine Zufahrt nach Stadtfeld für den Verkehr gesperrt. Noch in diesem Jahr sollen die Bauarbeiter beginnen, kündigte er an. Die Fördermittel habe die Kommune bereits beantragt.

Zerfahrenes Pflaster

Eine der großen Herausforderungen für die Saalestadt stelle der grundhafte Ausbau der Ringstraße dar. Die stark zerfahrene Pflasterstraße war während der Bauarbeiten die Zufahrt unter anderem zum Bahnhof Calbe Ost. Die Kosten für den Ausbau der Ringstraße schätzt die Bauverwaltung der Stadt vorsichtig auf 3,5 Millionen Euro.

Daneben soll aber ebenso die Barbyer Straße, wie die Landesstraße 68 innerhalb der Stadt heißt, grundhaft ausgebaut werden. Seit zwei Jahren beraten die Fachleute der verschiedenen Behörden bereits, schilderte der Bürgermeister, wie der Ausbau durchzuführen sei. Innerhalb der Stadt ist die Barbyer Straße wegen der Zufahrt zu den Unternehmen am Stadtrand eine sehr wichtige Straße. Neben den Arbeitnehmern findet auf der Landesstraße vor allem der Zulieferverkehr statt. Entsprechend groß ist die Belastung.

„Um in der Gesamtumsetzung auch Sicherheit zu haben, sind wir dringend auf eine nachhaltige Regelung im Umgang mit Straßenausbaubeiträgen angewiesen“, sagt Sven Hause in Richtung Verkehrsminister.

Noch keine Lösung

Während in anderen Bundesländern die Straßenausbaubeiträge längst gefallen sind, gibt es in Sachsen-Anhalt noch immer keine Lösung. Bis auf die CDU hatten sich die anderen beiden Regierungsparteien für eine Abschaffung der Ausbaubeiträge ausgesprochen. Bislang gab es hierzu in der Regierungskoalition keine Einigung.

Verkehrsminister Thomas Webel sagte nichts zu der Aufforderung des Bürgermeisters. Er solle die Angelegenheit noch einmal zur Sprache bringen, forderte Sven Hause ihn auf. Schließlich richten sich die Blicke der Bürger an den betroffenen Straßen auf den Landtag. Außerdem spielte das Thema im Kommunalwahlkampf eine starke Rolle.

Vor dem Hintergrund, dass die anderen Bundesländer die Straßenausbaubeiträge abgeschafft haben, werden die Bürger in der Saalestadt nur noch schwer von neuen Ausbauvorhaben zu begeistern sein, auch wenn die Straßen noch so schlecht sind. Warum sie noch zahlen sollen, während die Bürger in anderen Regionen der Bundesrepublik nicht mehr zur Kasse gebeten werden, dürfte zur Ablehnungen von Straßenausbauvorhaben durch die Bürgerschaft führen. Für die Stadt Calbe ist es daher nicht unwichtig, dass die Frage der Straßenausbaubeiträge in der nahen Zukunft geklärt werden kann.

Die Landesstraßen stehen in der Bollenstadt aktuell im Fokus, meinte Uwe Langkammer. Er erinnerte an den Bau der Ortsumgehung der L 63 im südlichen Teil der Stadt. Viel Geld nimmt die Landesstraßenbaubehörde aktuell mit der Sanierung der Saalebrücke in die Hand, sagte er weiter. Das Bauwerk wurde gestern für die kompletten Sommerferien gesperrt. Die Anschlüsse der Brücke an die Straße müssten neu hergestellt werden. Außerdem wird die Farbe abgestrahlt und eine neuer Rostschutzanstrich aufgetragen.