Barby l „Das ist doch vollkommen normal“, deutete Guido Bernau in Richtung Westen, „wenn von dort der Wind gegen den Fährkörper drückt, bekommen wir ein Problem.“ Damit meint er folgendes: Die Gierfähre wird von der Strömung des Flusses angetrieben, quasi je nach Stellung des Schiffskörpers über die Elbe „gedrückt“. Wenn die Fähre vom Ronneyer Ufer zum Barbyer unterwegs ist - also von Osten nach Westen fährt - und der Sturm von der Barbyer Seite drückt (was er normalerweise bei Sturmtiefs fast immer tut) wird es schwierig. Dann kämpft die Windenergie gegen die des Wassers. Was eine Motorfähre überwinden würde, kann für ein Schiff im Gierprinzip schwierig werden.

„Dafür sind wir sehr fix auf der Ronneyer Seite“, zeigte Guido Bernau zum Ostufer. Am Montag hatte das kommunale Schiff Rückenwind, dass die Weide wackelte.

Fähre außer Betrieb

Am Sonntag wurde „Barby“ vorsorglich außer Betrieb genommen. Die Gründe: siehe oben. Im Fall der Saalefähre Groß Rosenburg und ihrem kommunalen Elbe-Schwesterschiff Breitenhagen war das nicht nötig, weil beide laut Winterfahrplan an den Wochenenden sowieso am Ufer bleiben.

Aber nicht nur der Ostwind kann den städtischen Schiffern Ungemach bereiten. Wenn der Sturm orkanartig von Norden bläst, brummen die Seile - an denen die Fähre hängt - wie Brassgitarrensaiten. Diese Breitseite der Natur kann zum Riss der stählernen Trossen führen. „Auch in solchen Fällen bleiben wir lieber am Ufer“, unterstrich Guido Bernau.

Fährjunge in Ausbildung

Mit all diesen Dingen muss sich der „Fährjunge“ Hannes Tönnies beschäftigen, wenn er in den nächsten Monaten seine Ausbildung macht. Die etwas sonderbare Berufsbezeichnung lässt vermuten, dass der Begriff für einen Fährhelfer wohl noch aus der Zeit der Brüder Grimm stammt. Jedenfalls lässt sich der 17-Jährige in diesem Fach ausbilden. Die Praxiszeit beträgt 180 Tage auf Elbe und Saale.

Auch am Montag ging der Fährjunge in spe seinem Kollegen Guido zur Hand. Beide sind mit einem Arbeitsplatz gesegnet, der in Sichtweite ihrer Wohnhäuser liegt. Wenn andere Kunden klagen, dass sie nach Zerbst oder sonstwo kilometerweit zur Arbeit fahren müssen, haben es Guido und Hannes gut. Beide leben seit Kindesbeinen an der Elbe.