Schönebeck l Luise Gremmes empfindet beim Tanzen pure Freude und Spaß. „Gerade auch, wenn man die Resonanz vom Publikum sieht, das einem applaudiert.“ Das gebe ihr viel Sicherheit und Kraft. „Und wenn dann noch ein gutes Ergebnis dabei rauskommt, ist es einfach nur toll“, schwärmt sie.

„Das Tanzen ist nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken“, stellt Luise fest. Kein Wunder, denn die 17-Jährige hat mit gerade einmal drei Jahren bereits ihre ersten Tanzschritte gemacht. Angefangen hat sie beim Kindertanzen im Schönebecker soziokulturellen Zentrum „Treff“ bei Karin Günther, der ehemaligen Trainerin des Magdeburger Tanzsportclubs „Grün-Rot“.

Eine musikalische Familie

„Wir sind eine musikalische Familie. Alle bei uns spielen Instrumente. Und ich habe schon immer gerne getanzt“, erläutert Luise ihren Weg zum Tanzsport. „Meine Mutter hat mich deshalb damals dort angemeldet, und ich habe seitdem nicht mehr damit aufgehört.“ Sie habe dann später des Öfteren den Wunsch geäußert, dass sie mehr vom Tanzen lernen will. „Man hat ja auch die Jugendlichen aus dem Verein gesehen, die immer nach dem Kindertanzen zum Training gekommen sind.“ Karin Günther habe das dann alles in die Wege geleitet und für sie einen Tanzpartner gefunden. Luise ist ihrer ehemaligen Trainerin, die vor zwei Jahren aufgrund einer schweren Krankheit verstorben ist, sehr für ihre Anfänge im Tanzen dankbar.

Mit sechs Jahren konnte Luise ihre ersten Erfahrungen im Turniertanz machen. Jedoch blieb es mit ihrem ersten Tanzpartner nur bei einem Turnier. An dem haben sie teilgenommen, um zu schauen, wie sich so ein Wettkampf abspielt und ob es ihnen gefällt. Da die beiden nicht das gleiche Ziel teilten, hielt die Tanzpartnerschaft deshalb nicht lange.

Trainingspartner aus Könnern

Richtig ernst wurde es erst mit ihrem zweiten und jetzigen Tanzpartner Simon Panse, ebenfalls 17 Jahre alt, aus Könnern. 2014 haben sich die beiden als Tanzpaar zusammengetan, ebenfalls von Karin Günther herbeigeführt. So einfach ist es jedoch nicht mit dem Training, wenn beide nicht aus Magdeburg, dem Sitz ihres Vereins, kommen. Luise erklärt ihren Trainingsplan: „Wir trainieren zweimal die Woche mit einigen Ausnahmen in Magdeburg. Die Stadt ist für uns beide ungefähr gleich entfernt. Das ist sowohl für uns, als auch für unsere Eltern angenehmer, weil sie uns ja auch immer zum Training fahren.“

Die Entfernung hindert das Tanzpaar aber nicht daran, gute Leistungen zu bringen. Einige Landemeistertitel konnten sie sich nämlich schon ertanzen. Mit jeder Platzierung, die sie erreichen, kommen sie dem Aufstieg in die nächste Leistungsklasse immer näher. So war es auch im Lateintanz, wo sie in diesem Sommer alle nötigen Platzierungen für den Aufstieg in die nächsthöhere Leistungskategorie, Jugend B, zusammen hatten. Mit ihren ersten maßgeschneiderten Outfits werden Luise und Simon das erste Mal in der neuen Leistungsklasse in dem Turnier in Schönebeck antreten.

Gesang im Schulchor

Da die Familie Gremmes musikalisch ist, ist es nicht verwunderlich, dass auch Luise diese Leidenschaft teilt. Mit sechs Jahren fing sie nämlich an, Geige zu spielen. Und im Schulchor am Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium singt sie ebenfalls seit der 5. Klasse mit. Zwischendurch war sie sogar Sängerin der Schulband für zwei Jahre. Man kann also sagen, musikalischer geht es nicht.

Da stellt sich einem schon die Frage: Wie bringt man Schule, Tanzen, Geige und Chor unter einen Hut? „Schule ist auf jeden Fall meine Priorität. Ich versuche, sie nicht außen vor zu lassen“, erklärt Luise. Wenn sie zum Training fährt, nimmt sie sich immer etwas zum Lernen mit. „Oder wir fragen uns gegenseitig dort ab“, schmunzelt die Elftklässlerin. Der Chor probt immer zweimal die Woche nach der Schule und auf der Geige spielt sie immer nur dann, sobald sie Zeit hat.

Tanz als Stressausgleich

„Das Tanzen ist für mich ein enormer Stressausgleich“, stellt sie fest, wenn sie darüber nachdenkt, was für sie das Tanzen bedeutet. „Wenn ich nach der Schule noch zu Hause lerne und es mich fertig macht, kriege ich beim Training immer den Kopf frei.“ Selbst darüber erstaunt, was das Tanzen mit ihr macht, fügt sie hinzu: „Ich vergesse, warum ich eigentlich schlechte Laune hatte. Nach dem Training ist man dann viel ausgeglichener.“

Was sie ebenfalls sehr an dem Leistungssport schätzt, ist die Entwicklung ihres Selbstbewusstseins. „Man muss sich vor dem Publikum so selbstsicher präsentieren. Das überträgt sich irgendwann auch auf den Alltag“, stellt die Tänzerin fest. „Man läuft durch die Straßen und benimmt sich auch vor anderen viel offener und freier, ohne sich darüber Gedanken zu machen, was andere von einem denken könnten.“

Freundinnen sind begeistert

Nicht nur wegen der wachsenden Selbstsicherheit ist das Tanzen für das spätere Leben hilfreich. „Man kann sich später auch die Tanzstunden für den Hochzeitstanz sparen“, fügt sie grinsend hinzu.

Bewunderung erhält sie nicht nur vom Publikum. Ihre Freundinnen sind ebenfalls von Luises Hobby begeistert, auch wenn sie dadurch „die ist, die keine Zeit hat“. Es kommt nämlich nicht selten vor, dass sie Treffen absagen muss, weil entweder Training oder Turniere auf dem Plan stehen. Dennoch respektieren es die Freundinnen. Sie staunen darüber, wie schön das Tanzen aussieht oder wie hübsch Luise zurechtgemacht ist.

Tanzturnier am Sonnabend

Für Luise steigt die Spannung in Hinblick auf das Tanzturnier am Sonnabend in Schönebeck. „Auf Turnieren bin ich immer sehr konzentriert und zu 100 Prozent fokussiert“, gibt sie zu. „Gerade in den ersten Runden, wo man sich beweisen muss, gibt man sein Bestes. Man will ja schließlich ins Finale kommen.“

Nach dem Abitur wird die Gymnasiastin den Tanzsport erst einmal ruhen lassen. „Ich will im ersten halben Jahr ins Ausland und danach das zweite halbe Jahr für diverse Praktika oder Freiwilligenarbeiten nutzen“, fängt sie an, ihren Plan nach der Schule zu erläutern. „Ich möchte so viel wie möglich in einem Jahr ausprobieren und Neues kennenlernen.“

Da bleibt natürlich keine Zeit, weiterhin zum Tanztraining zu gehen. So ganz wolle sie dann aber nicht das Tanzen aus dem Leben „schmeißen“, das sei zu radikal. „Sobald die Probierphase durch ist und ich ein festes Studium gefunden habe, kann ich gucken, ob ich wieder den Turniertanz aufgreife oder vielleicht sogar in eine andere Tanzrichtung gehe. Schließlich gibt es so viele Möglichkeiten.“