Schönebeck l Große, schwarze Kulleraugen - das ist einfach nur knuffig, niedlich, süß. Prädestiniert für diese Adjektive sind die rund 200 Tiere, die derzeit auf dem Bierer Berg leben. Ob Feldhamster, Rennmaus oder Damwild, Esel und Schaf - all die tierischen Bewohner der Schönebecker Anhöhe sind ansehnlich. Und das nicht nur für junge Besucher, auch Erwachsene wissen den Schönebecker Heimattiergarten zu schätzen.

Das freut Matthias Willberg, Leiter des Heimattiergartens. Schließlich stecken er und seine drei Kollegen nicht nur viel Arbeit, sondern ebenso viel Liebe in diese städtische Einrichtung. Im Vordergrund steht für die drei Tierpfleger und den Hausmeister das Wohl der Tiere. Neben dem richtigen Futter gehören dazu die passenden Lebensumstände. Und dafür wiederum ist jede Menge Fachwissen vonnöten. So erzählt Matthias Willberg beispielsweise beim Feldhamster, dass dieser ein Einzelgänger ist. Vier Feldhamster haben ihr Zuhause auf dem Bierer Berg. „Nur einer befindet sich in der Schau“, sagt der Tiergartenchef. Mit Schau ist das Gehege gemeint, in dem die Besucher den Feldhamster durch eine Glaswand auch in der Erde sehen können. Derweil leben die anderen drei Feldhamster in extra Käfigen - für die Besucher nicht sichtbar. „Alle vier Wochen tauschen wir den Feldhamster für die Schau aus“, berichtet er, dass jeder der vier Feldhamster seine „große Stunde“ hat.

Derzeit noch komplett im Verborgenen befindet sich ein ganz bestimmter Neuzugang im Heimattiergarten. Die Rede ist von den drei Viscachas - sie sind eine Nagetierart aus der Familie der Chinchillas. „Mit ihnen sind wir richtig exklusiv“, sagt Matthias Willberg mit Stolz in der Stimme. Soweit er weiß, sind diese Tiere nur in drei Zoos in Europa zu sehen: in der Schweiz, Italien und eben im deutschen Schönebeck. „Wir hatten bereits im März 2015 ein Pärchen aus einer Anlage in Stuttgart bekommen“, erzählt Matthias Willberg. Dann sei ein Tier verstorben. „Durch einen Bekannten aus Magdeburg habe ich Kontakt zu einem ganz kleinen Zoo in Italien aufnehmen können“, berichtet er weiter, dass vor zwei Wochen zwei italienische Viscachas auf dem Bierer Berg eingezogen sind. Noch sind die zwei Weibchen und das eine Männchen für die Besucher „unsichtbar“, da das Gehege noch entsprechend umgebaut wird.

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Peruanische Hasenmäuse

Genauso exklusiv, dafür aber sichtbar sind an anderer Stelle im Heimattiergarten die peruanischen Hasenmäuse. „Hier bei uns leben die einzigen auf dem europäischen Festland“, führt der Tierpfleger aus. Die Schönebecker Hasenmäuse stammen aus dem Zoo Hamerton in England. „Sie waren die einzigen, die diese Tiere gezüchtet haben“, sagt er. Inzwischen sei aber das alleinige Weibchen verstorben, so dass die Engländer ihre Zucht aufgeben mussten.

Apropos Nachwuchs. Den gibt es aktuell im Heimattiergarten bei den Turmfalken, Azara-Aguti, Mähnenschweinen und den Puten.

Insgesamt leben in etwa 60 Tierarten auf dem Bierer Berg. Derzeit sind das rund 200 Tiere. Für jedes Einzelne kann seit 1999 eine Tierpatenschaft übernommen werden. Damit können Schönebecker sowie Auswärtige die städtische Einrichtung unterstützen. 2015, so informiert Birgit Zellmer vom zuständigen Amt, konnte die Stadt 5750 Euro durch Tierpatenschaften einnehmen. Dieses Geld kommt direkt dem Tiergarten zu Gute, der in seiner Bewirtschaftung und Unterhaltung die Stadt Schönebeck jährlich zirka 93 000 Euro kostet.

„Die meisten Patenschaften werden für die Meerschweinchen, Hängebauchschweine, Laufenten und Eule übernommen“, sagt Birgit Zellmer mit Blick in die Statistik. „Unattraktive Tiere“, so die Verwaltungsmitarbeiterin, gebe es hierbei nicht. „Die Patenschaften regeln sich über den Preis“, sagt sie. So gehören der Esel mit 500 Euro und das Damwild mit 160 Euro sozusagen zu den teuren Tieren.

Eine Tierpatenschaft kann übrigens immer gern um ein weiteres Jahr verlängert werden. So ist die Ernährungsschutz und Schädlingsbekämpfung GmbH beispielsweise seit 14 Jahren Pate für ein vietnamesisches Hängebauchschwein - und damit wohl Spitzenreiter in dieser Klasse. Gisela Sonnenkalb engagiert sich seit elf Jahren für einen Jagdfasan und die Freie-Montessori-Schule übernimmt schon seit acht Jahren jeweils eine Patenschaft für ein Schwarzkopfschaf.