Schönebeck l Ein Herz und eine Seele - könnte man sagen beim Blick auf Tierpfleger Uwe Schlöcker, während er die vierköpfige Familie der Pakas aus ihrem Versteck hervorlocken möchte. Die schüchternen Nagetiere lassen sich gern mit knackigen Erdnüssen rufen und kommen daher dem Tierpfleger sehr nah. Außer Elton, der ist sehr zurückhaltend. Er ist aber auch noch recht jung. Denn seine Eltern Lila und Kilian haben Elton und seinen Bruder Daniel erst in diesem Jahr zur Welt gebracht. Ihr Zuhause befindet sich seither im Heimattiergarten Bierer Berg.

Nicht nur bei den Pakas freut sich Tiergartenleiter Matthias Willberg über Nachwuchs. Die Schneehasen und Zwergmaras haben sich ebenso vermehrt. „Mit zwei Zwergmaras haben wir angefangen und zählen inzwischen neun“, berichtet er. Nicht alle werden in Zukunft Schönebeck als ihre Heimat bezeichnen können. Einige werden an andere Tiergärten abgegeben. Das ist gängige Praxis und dient der Arterhaltung.

Das ist auch der Grund, weshalb der hiesige Heimattiergarten in diesem Jahr neue Tiere erhalten hat. Die Rede ist von den Visayas-Pustelschweinen Miss Marple und Malaki. Das Weibchen stammt aus dem Zoo Leipzig und kam im April nach Schönebeck. Das Männchen hat die Reise in Antwerpen begonnen und lebt seit Juli auf dem Bierer Berg.

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Nur drei Zoos in Deutschland haben die Pustel

„Das ist eine Hammerleistung für einen so kleinen Zoo wie wir es sind“, sagt Matthias Willberg. Lediglich drei Zoos in Deutschland haben diese Pustelschweine - neben Schönebeck sind das Berlin und Leipzig. Miss Marple und Malaki sollen sich nun vermehren. Sie gehören nämlich einer vor dem Aussterben bedrohten Rasse an. „Die Pustelschweine gibt es auf einigen Inseln der Phillippinen“, klärt der Tiergartenleiter auf. Doch diese letzte Unterart werde nach und nach ausgerottet. Um die Artenvielfalt zu erhalten, werden einige Pustelschweine an bestimmte Zoos unter gewissen Voraussetzungen gegeben. Auf dem Schönebecker Bierer Berg scheinen sich die zwei Exemplare wohl zu fühlen. Ob sie jedoch schon mit ihrer Hauptaufgabe, dem Vermehren begonnen haben, das vermag der Tiergartenleiter nicht zu sagen.

Dafür führt er aus, dass die Visayas-Pustelschweine ihren Namen nicht ohne Grund tragen. Sie haben tatsächlich Pusteln, „die sieht man nur wenig“. Deshalb tragen sie gemeinhin auch den Namen Mähnenschwein, „weil das Männchen eine Mähne hat“.

Nicht nur Matthias Willberg hat die neuen Schweine unlängst lieb gewonnen. Wie er berichtet, hat sich Hausmeister Matthias Herold als wahrer Pustelschwein-Freund entpuppt. Kollege Uwe Schlöcker nennt ihn sogar neckend den „Schweineflüsterer“. Denn er hat kaum Berührungsängste, geht zu den zwei Schweinen in das Gehege, obwohl das laut Matthias Willberg eher unüblich sei. Warum sind Streicheleinheiten für Pustelschweine verpönt? „Nicht verpönt, aber sie haben Temperament. Sie sind eher aufgeregt und damit unberechenbar“, erklärt Matthias Willberg. Böse Absicht stecke bei den Schweinen nicht dahinter, jedoch würden sie bei der Aussicht auf Fressbares wohl schnell zuschnappen und stoßen. Das sei ein Grund, weshalb die Mitarbeiter den Zaun zu dem Pustelschweingehege demnächst zusätzlich ausbauen wollen.

Anders verhält es sich mit den anderen Neubewohnern im Heimattiergarten. Gemeint sind die Girgentana-Ziegen. Hanni und Nanni kommen aus Berlin und Elvis (wegen seiner Locke) stammt aus Halle. Sie gehören einer Haustierrasse von Sizilien an. Sie sind groß, schneeweiß und natürlich auch versessen auf alles Essbare. Das merkt Brenda Gonzalez recht schnell. Sie absolviert derzeit ihr freiwilliges ökologisches Jahr im Heimattiergarten und ist bei dem direkten Kontakt mit den Ziegen noch etwas zurückhaltend. Doch aus ihrer Hand fressen ihr Hanni, Nanni und Elvis schnell.

Die drei prächtigen Ziegen sind übrigens die Nachfolger der vormals hier lebenden afrikanischen Zwergziegen. Die hat der Heimattiergarten in diesem Jahr an einen Bauernhof abgegeben. Der Grund ist aus Sicht des Tiergartens einfach: Sie können sich nicht mehr vermehren. „Diese Art der Ziegen ist durch Inzucht inzwischen körperlich so klein gezüchtet, dass sie keinen Nachwuchs mehr zur Welt bringen können“, erklärt Matthias Willberg. Da könne selbst der Tierarzt nicht helfen. In ihrem neuen Heim werden die Ziegen für pädagogische Arbeit auf dem Bauernhof gehalten.

Rückblickend spricht Matthias Willberg von einem „aufregenden und ergreifenden Jahr“. Wirklich ruhiger wird es auch in den kommenden Wochen nicht werden. Denn noch stehen einige Auszüge auf dem Plan. „Ein paar Wildmeerschweinchen ziehen in einen tschechischen Zoo, und einige Maras werden in Italien ein neues Zuhause finden“, blickt der Tiergartenleiter in die Zukunft.

Außerdem werde derzeit das Gehege der Schneehasen komplett rekonstruiert. Dafür mussten die Hasen in ein Nebengehege ziehen.

Es wird also nicht ruhig auf dem Bierer Berg. Aus Sicht von Matthias Willberg ist das auch gut so. „Ein Zoo muss sich immer wieder ändern, etwas Neues bieten“, sagt er. Nur so könne man seine Besucher immer wieder erneut anlocken. Recht hat er - zumindest untermauern das die Besucherzahlen, die in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen sind.