Calbe l Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Wartenberg bei Calbe ein Ausflugsziel. Es gibt noch alte Fotos davon, wie die Menschen damals den Wartenberg erwanderten. Später setzten die Bürger in Erinnerung an den ehemaligen Reichskanzler Bismarck einen Turm auf den Wartenberg. Er ist heute von der Autobahn gut zu sehen und einer der höchsten im Land.

Über viele Jahrzehnte sorgte das Tiergehege gleich neben dem Bismarckturm für stetigen Besucherstrom. Früher, als die Menschen noch weniger mobil waren, gingen oder radelten sie öfter auf den Wartenberg. Die Hauptattraktion war seinerzeit ein Braunbär. Der Bär lebt schon lange nicht mehr, das Gehege steht leer. Heute besitzt das Tiergehege vor allem Tiere, die weniger anspruchsvoll sind und weniger Arbeit machen.

Großer Ausgabeposten

Das Tiergehege ist einer der großen Ausgabeposten für die Stadt. Obwohl die Einrichtung einige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt und sich nicht ermitteln lässt, wie viele Bürger im Jahr überhaupt das Tiergehege besuchen, gibt die Stadt hier im Jahr 2020 rund 90.000 Euro aus, heißt es in der Vorlage, die dem Stadtrat bei der jüngsten Sitzung vorgelegen hatte.

Bewusst hatte Bürgermeister Sven Hause den Stadträten eine Mitteilungsvorlage vorgelegt. In der Vorlage werden lediglich Fakten zusammen getragen. Wie sie bewertet werden können, lässt die Vorlage bewusst offen. Die Vorlage sollte vielmehr eine Basis für eine Diskussion sein, wie die Stadt mit dem Wartenberg in Zukunft umgehen könnte. Doch eine Diskussion dazu blieb in den Ausschüssen weitgehend aus.

Kosten reduzieren

Dabei ist der Wartenberg im Haushaltskonsolidierungskonzept der Saalestadt regelmäßig benannt. Die Kommune versucht hier bereits seit Jahren die Kosten für die Unterhaltung der Tiere zu reduzieren.

Dabei ist es nicht das Futter für die elf Zwergziegen, sieben Schafe, drei Shetlandponys, zwei Esel, einem Minischwein, zwei Kaninchen, einer Ente, den neun Tauben, einer Katze, den 22 Wellensittichen, den drei Kanarienvögeln und für die zwei Nymphensittiche, welches die Kosten in die Höhe treibt. Für das Futter gibt die Stadt nach eigenen Angaben rund 2500 Euro aus. Teuer ist die Pflege und Versorgung der Anlage und der Tiere.

Eine Personalstelle reicht dafür nicht, da die Tiere an sieben Tagen in der Woche gepflegt und versorgt werden müssen. Fast 75.000 Euro gibt die Kommune dafür in diesem Jahr aus. Zuletzt waren die Personalkosten hier noch einmal deutlich angestiegen, zeigt die Übersicht. Dass die Besucher für den Besuch des Tiergeheges keinen Eintritt zahlen müssen, liegt daran, dass Spenden und Tierpatenschaften für einige Einnahmen sorgen. Allerdings erreichen die Einnahmen kam mehr als 1,3 Prozent der Ausgaben. In den zurückliegenden Jahren waren sie deutlich gesunken.

Keine Ideen für Zukunft

Doch was also machen mit dem Tiergehege in der Zukunft? Darauf fanden die Stadträte bei der jüngsten Sitzung zunächst keine Antworten. Dennoch könnte die Vorlage in den Fraktionen nun dafür sorgen, sich eingehend mit dem Thema zu befassen. So wollte Bürgermeister Sven Hause die Vorlage auch verstanden wissen. Sie sollte eine Diskussionsgrundlage sein für die Zukunft. Bei den freiwilligen Ausgaben ist der Wartenberg die kostspieligste Einrichtung für die Kommune. Ob es gelingt, die Ausgaben in der Zukunft hier deutlich zu reduzieren, könnte bei der Haushaltsdebatte eine Rolle spielen.