Melanie Biner

Toll, Erfolge mit meinem Mann zu feiern

Melanie Biner, geborene Meißner, läuft und läuft und läuft ... Ihr größter Motivator ist ihr Mann Walter, der sehr erfolgreich läuft.

Von Heike Liensdorf

Schönebeck/Savannah l „Der Amerikaner ist auch wieder dabei“, raunt es durch die Reihen beim Start zum Silvesterlauf im Kurpark. Wer Walter Biner den ersten Platz streitig machen will, muss wahrlich sprinten. Denn der junge Mann aus Savannah (Georgia) ist schnell. Die Strecke über sechs Kilometer meisterte er in 19:38 Minuten. Und sicherte sich damit erneut Platz 1 beim Volkslauf des Schönebecker Sportclubs (SSC). Bei den Frauen tat es ihm seine Ehefrau Melanie Biner gleich. Sie lief die sechs Kilometer in 22:05 Minuten. Das mit zu erleben, freute auch Hans Weber von der Abteilung Leichtathletik des SSC. Er merkte gegenüber der Volksstimme an: „Melanie Biner war als Jugendliche - damals als Melanie Meißner - aktive Leichtathletin beim Schönebecker SC.“

Laufen - das gehört für die gebürtige Schönebeckerin und den Amerikaner zum Alltag. Melanie Biner, die derzeit noch in der Heimat zu Besuch ist, genießt jeden Tag mit der Familie in vollen Zügen. Dennoch freut sie sich schon, am Dienstag ihren Mann wiederzusehen - und in ausgedehnter Form wieder Sport treiben zu können. Die frostigen Temperaturen hier machen ihr doch einen Strich durch die Rechnung. Zwar läuft sie schon mal von Schönebeck nach Magdeburg ... Aber das Wetter ist nicht optimal, um mit Töchterchen Sarah unterwegs zu sein.

Das hingegen ist sie täglich in ihrer neuen Heimat, in Savannah. Sarah ist 17 Monate alt und ist jeden Tag dabei, wenn Mutti Melanie mit Freundinnen joggt. Und zwar im Kinderwagen. Gut angeschnallt, versteht sich. „Stroller Strong Moms“ nennen sie sich, was übersetzt so viel bedeutet wie Buggy starke Mütter. Die Frauen treffen sich unter der Woche täglich vormittags für eine Stunde, um - ihre Kinderwagen schiebend - zu laufen und zwischendurch immer wieder an sogenannten Crossfit-Stationen Pausen einzulegen. Nicht um zu ruhen, sondern um sich fit zu halten: bei Liegestützen, Yoga oder Hantelübungen, mit Musik und viel guter Laune. „Hanteln zwischen zwei und vier Kilogramm hat immer jeder dabei. Beim Laufen liegen sie im Kinderwagen, bei den Übungen holen wir sie raus“, erzählt Melanie Biner und muss schmunzeln, als sie sich erinnert: „Am Tag vor Sarahs Geburt bin ich noch fünf Kilometer gelaufen.“

Die Gruppe sei für alle offen, egal wie gut die Kondition ist. „Bei uns machen auch Frauen mit, die noch nie was mit Sport am Hut hatten, zwei Kinder bekommen und nun 40 Pfund zugenommen haben. Sie fangen einfach ganz langsam an. Und dann wird jeder Kilometer, den sie am Stück meistern, gefeiert. Das motiviert ungemein und ist emotional sehr unterstützend“, weiß Melanie Biner.

Sie gibt zu: In Amerika herrscht ein anderes Sportverständnis. Der Einzelne werde durch den anderen motiviert. Sei es durch Freundinnen und Bekannte wie die Gruppe der Buggy-Muttis oder durch den Partner wie ihren Mann.

Walter Biner sei schon immer gelaufen und zwar sehr erfolgreich. Er sei deshalb auch ihr größter Motivator. „Ich wollte mit meinem Mann laufen gehen. Dieses Erlebnis wollte ich mit ihm teilen“, sagt sie. Gesagt, getan. Und nun feiern sie gemeinsam Siege und vordere Plätze. Ihre persönliche Bestzeit: fünf Kilometer in 20:02 Minuten.

Jüngst haben sie beide beim Brückenlauf in Savannah mitgemacht. Wie auch 3000 andere Leute. Fünf Kilometer, sieben Prozent Steigung. Melanie Biner ist Erste ihrer Altersklasse und Zweite bei den Frauen, Walter Biner ist Erster in seiner Altersklasse und Dritter bei den Männern geworden.

Wie aber Hans Weber schon beim Silvesterlauf bemerkte, ist Melanie Biner schon früher sportlich talentiert gewesen. „Meine Großeltern Egon und Inge Meißner laufen seit vielen Jahren. Da bin ich einfach mit, bin so spielerisch zum Laufen gekommen“, erzählt sie. Mit 7, 8 Jahren habe sie angefangen, im Alter von 10 bis 14 Jahren sei sie richtig viel gelaufen. Durch ihren Freundeskreis sei sie dann als Jugendliche zum SSC gekommen. Die 400- und 800-Meter-Strecken hatte sie für sich entdeckt. Mehr aus Spaß an der Freude, als um Erfolge zu erzielen. Dann ging sie für ein Jahr als Austauschschülerin nach Amerika - und lief dort weiter, die fünf-Kilometer-Strecke.

Aufgrund einer Verletzung musste Melanie Biner die Laufschuhe dann jedoch erst einmal an den Nagel hängen. Zehn Jahre lang. In diese Zeit fiel auch ihr Medizinstudium in Erlangen. 2009 lernte sie dort ihren Walter kennen, der mit der US-Armee in der Nähe stationiert war. Zwei Jahre später haben sie geheiratet. „Genau heute vor fünf Jahren“, sagt sie am Freitag im Gespräch mit der Volksstimme. Schon damals sei klar gewesen, dass Walter zurück müsse. Er konnte seinen Aufenthalt noch um ein Jahr verlängern, sie beendete ihr Studium. Er ging dann wieder in seine Heimat, sie wanderte 2013 zu ihm aus.

Und Melanie Biner fing wieder an mit Laufen. Gaaanz langsam. Fünf Minuten gehen, eine Minute laufen und das eine halbe Stunde lang. Dann steigerte sie die Laufeinheiten. Ihren ersten Wettkampf lief sie, als sie mit Sarah schwanger war. Das war 2014.

Und nun ist sie in Bestform, wie die Zeiten der jüngsten Läufe zeigen. „Ich habe nie gedacht, dass ich so schnell laufen kann. Ich weiß selbst nicht, wie das kommt“, sagt sie glücklich und fragend zugleich.

Egal, woran es auch liegen mag, die 30-Jährige, die derzeit rund um die Uhr für ihre Tochter da ist, genießt jeden gelaufenen Meter. Vor allem, wenn sie in Gesellschaft unterwegs ist. „Am Wochenende laufen Walter und ich immer zusammen. Dann darf er den Kinderwagen schieben. Das ist für mich dann immer ein Luxuslauf“, meint sie augenzwinkernd.

Positiver Nebeneffekt: Nicht nur sie und ihr Mann halten sich mit dem Laufen fit. Sie sind auch noch ein Vorbild für ihre Tochter. Wenn sie sieht, dass Mama als Zwischenübung beim Laufen auf der Matte Yoga macht, versucht sie sich auch damit.

Im vergangenen Jahr hat sie sich einen Wunsch erfüllt und einen Sprint-Triathlon (Laufen, Schwimmen, Radfahren, über kürzere Distanzen) absolviert. „Ich hätte das bestimmt nicht gemacht, wenn ich nicht Freunde hätte, die mich motiviert haben“, betont sie und ist überglücklich, diese Erfahrung gesammelt zu haben.

„Es ist einfach schön, wenn man in dem, was man macht, auch gut ist. Ich finde es toll, mit meinem Mann gemeinsam Erfolge zu feiern.“