Plötzky l „Aller Anfang ist schwer“, heißt es in einem bekannten Sprichwort. Das kann nun auch Jennifer Roxana Becker bestätigen. Die neue Besitzerin der Eisdiele am Kolumbussee hat den Schritt gewagt und während der Corona-Zeit geöffnet. Dank der tatkräftigen Unterstützung von Familie und Freunden konnte sie die ersten Hürden meistern. So auch den Herrentag, den Becker spontan für ihre Gäste organisiert hatte. „Die Leute waren ‚ausgehungert‘. Endlich war mal wieder etwas los.“ Außerdem fehlte ihr der Kontakt zu den Gästen.

Die 35-Jährige kennt sich in der Gastronomie schon bestens aus. Sie stammt aus einer Schaustellerfamilie und führt diese schon in fünfter Generation fort. Hauptberuflich arbeitete Becker als Ergotherapeutin, bevor sie zur Eisdiele kam. Der ehemalige Besitzer wollte das Eiscafé verkaufen, und nach langer Überlegung hat sich Jennifer Roxana Becker im Winter letzten Jahres dafür entschieden zu übernehmen.

Becker musste zur Eröffnung einen Spuckschutz und eine Art Parcours aufbauen, damit die Gäste genügend Abstand zueinander halten und trotzdem ihr leckeres Eis bekommen konnten. Das Eis kommt übrigens aus eigener Herstellung, das sei Jennifer Roxana Becker wichtig: „Da hängt mein Herz dran.“ Außerdem bietet sie kleine Leckereien vom Imbiss, Kaffee und Kuchen an. Ab und zu soll es jetzt auch mal einen Mittagstisch geben.

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Viele neue Ideen

Für ihr Angebot hat sich die Betreiberin etwas Spezielles einfallen lassen, die „Eisdiele 2.0“ arbeitet jetzt mit Pagers: Wenn der Kunde bestellt, bekommt er einen Pager (Sender). Dieser gibt dann ein Signal, sobald die Bestellung fertig ist und abgeholt werden kann. Auch sonst hat Becker vieles verändert. Der Personalbereich ist neu, ein Spielplatz wurde errichtet und außerdem hat sie den Schlüsselbaum ins Leben gerufen. Dort können Pärchen von nun an ihre Liebesschlösser aufhängen.

Die „Eisdiele 2.0“ ist ein beliebter Treffpunkt unter Bikern. Deshalb hat Becker einen Bikerparkplatz gebaut, auf dem die Fahrer ihre Motorräder auf gestalteten Brettern abstellen können und die Ständer nicht mehr im Erdboden versinken müssen.

Ebenso wichtig ist die Eisdiele selbstverständlich auch für die Dauercamper am Kolumbussee.

Der See entstand 1932, als in der Gegend um Plötzky noch Quarzitstein abgebaut wurde. Nach Einstellung der Arbeiten lief der Steinbruch mit Wasser voll und weist heute ein Wassertiefe von bis zu 30 Metern auf. Der See liegt idyllisch im Ferien- und Naherholungsgebiet Plötzky-Pretzien und ist deswegen nicht nur bei Campingliebhabern bekannt, sondern auch sehr beliebt.

Wohltätigkeitscharakter

Dass Corona ihr in den Weg kam, ließ sich Jennifer Roxana Becker nicht gefallen. „Ich habe keine Soforthilfe erhalten, da ich nach dem 11. März eröffnet habe.“ So organisierte sie des Öfteren Abende mit Live-Musik. Mit den Bands „Sowieso“ und „Man***De“ will Becker auch in Zukunft zusammenarbeiten und sie auch mal an Wochenenden spielen lassen.

Dass ihr Konzept funktioniert, bekommt Becker von ihren Kunden bestätigt. „Es kommen Gäste wieder, die zwei oder drei Jahre nicht mehr da waren.“

Ihre herzliche Art beweist die Betreiberin mit einer Wohltätigkeitsveranstaltung, die sie am 15. August mit dem Verein „Menschenzauber“ und vielen weiteren Mitwirkenden veranstaltet. Es wird eine Spendenaktion für die kleine Emily aus Bottmersdorf bei Wanzleben. Das Mädchen ist auf den Rollstuhl angewiesen, und mit Hilfe der Spenden soll der Therapiehund Nala finanziert werden, der von großer Bedeutung ist. „Es wird eine Veranstaltung für Groß und Klein“, verriet Becker.

Die Eisfrau vom Kolumbussee ist noch lange nicht am Ende ihrer Pläne angelangt. „Wir wollen noch einen Pferdeparkplatz und eine Hundetränke errichten, damit sich auch unsere tierischen Besucher wohl fühlen.“

Der Sommer ist noch lang, das ein oder andere Eis wird sicherlich noch verspeist werden. Aber immer daran denken: Die Pause nach dem Essen nicht vergessen, bevor es zur Abkühlung in den Kolumbussee geht.