Ostelbien

Tourismus: See-Gebiet im Osten von Schönebeck (Pretzien, Plötzky) bietet viel Potenzial, aber es gibt auch Probleme

Das Naherholungsgebiet in Schönebecks ostelbischen Stadt- und Ortsteilen bietet viel Potenzial, aber auch viel Arbeit für Politik und Verwaltung. Die Stadt hat nun auf Hinwirken der Bunten Fraktion umfassendes Kartenmaterial vorgelegt.

Von Andre Schneider
Wegebeziehungen und Badestellen an ostelbischen Seen. Karsten Mengewein (v. li.), Jessika Philippi vom Tauchsportcenter Wassermann und Stadtrat Gundhelm Franke (CDU)
Wegebeziehungen und Badestellen an ostelbischen Seen. Karsten Mengewein (v. li.), Jessika Philippi vom Tauchsportcenter Wassermann und Stadtrat Gundhelm Franke (CDU) Foto: Andre Schneider
Wegebeziehungen und Badestellen an ostelbischen Seen.
Wegebeziehungen und Badestellen an ostelbischen Seen.
Foto: Andre Schneider
 Öffentliche Badestelle am Felsensee.
Öffentliche Badestelle am Felsensee.
Foto: Andre Schneider

Schönebeck/Pretzien - Gute Nachrichten vorab für alle Schwimm- und Badefans: An den ostelbischen Seen können Sonnenhungrige ihr Bad im kühlen Nass genießen. Doch die Flächen sind begrenzt und nur schwer zugänglich. Die Wege vor Ort sind ebenfalls so eine Sache.

Schönebecks sogenannte Bunte Fraktion hatte schon im Winter einen Prüfauftrag an die Verwaltung gestellt, der aufzeigen sollte, welche Flächen und Wege überhaupt in Stadtbesitz sind. Wo liegen sie, die öffentlichen Badestellen? Die Verwaltung machte sich an die Arbeit und legte nun umfassendes Kartenmaterial vor. Doch wer ohne Ortskenntnis nach Ostelbien kommt, wird die öffentlichen Wege oder gar Badestellen nur schwer finden.

Vertrackte Situation

Die Situation ist vor allem im Bereich Blauer See/Tiefer See/Steinbruchsee und am gegenüberliegenden Areal Felsensee/Langer See vertrackt. Tief versteckt hinter sehr schmalen, kaum zu befahrenden Wegen liegen dort kleine Badestellen, die wohl nur „Insider“ kennen. Kleine, öffentlich zugängliche Stege führen dort ins Wasser. „Da ist einfach zu wenig Platz zum Baden“, meint Gundhelm Franke. Der Christdemokrat sitzt dem Bauausschuss vor und zeigte bei einem Ortstermin, wie schwierig die Situation ist. Ausreichend Platz für Liege-flächen, Sanitäranlagen oder Möglichkeiten, Müll zu entsorgen, gibt es dort nicht. „Wenn hier mehrere Fahrräder stehen ist der Platz schon voll“, weiß Franke.

Eine Stelle, die regelmäßig Schauplatz zumeist jugendlicher Badegäste ist, avanciert sogar zum Sicherheitsrisiko. Sie befindet sich in Steillage unmittelbar an der Straße „Steinbruchsee“, die die beiden Seegebiete voneinander trennt. Die Straße nutzen Autofahrer als eine der Hauptverbindungsstrecken zwischen Schönebecks ostelbischen Ortsteilen und Dannigkow, das bereits im Landkreis Jerichower Land liegt. Auf der Höhe eines Fahrer- und Bikertreffs liegen – direkt an der vielbefahrenen Straße – einige wenige Parkplätze. Aussteigende Fußgänger oder Radfahrer können dort zum Sicherheitsrisiko werden, wenn sie sich nicht umsichtig verhalten. Um zum Tiefen See zu gelangen, müssen die Badewilligen vom Parkplatz aus erst die Straße, dann die Leitplanke und schließlich einen Zaun überqueren. Dort gelangen sie zu steilen Klippen und Abhängen, Bäume wachsen nur wenige Meter von der Straße entfernt bis an das Ufer heran. Hier sind ebene Liegeflächen oder weitere Einrichtungen, die eine Badelandschaft attraktiv machen könnten, ebenfalls Fehlanzeige.

Private Saubermach-Initiative

Das habe laut Franke Konsequenzen. Die Grünanlagen mutieren zu Müllabladestellen. Lärm, vor allem am Wochenende, steht dort auf der Tagesordnung.

Das bestätigen Karsten Mengewein und Jessika Philippi. Sie betreiben das Tauchsportcenter „Wassermann“, das auf der gegenüberliegenden Seeseite liegt. „Wir sind sogar schon mit Booten dort rübergefahren und sind auf den Grund des Sees getaucht“, sagt Mengewein. Doch dem Müll werden die Mitarbeiter, die dort auf freiwilliger Basis aufräumen, einfach nicht Herr. Den Lärm hörten die Besucher der Tauchschule quer über den See. Das Tauchsportcenter bietet das, was an den meisten anderen Stellen in dem Seegebiet fehlt: Bademöglichkeiten. Die Mitarbeiter bieten auf ihrem Gelände eine Art öffentliche Badeanstalt. „Das Baden ist hier allerdings auf eigene Gefahr“, erklärt Philippi.

Dort gibt es, gegen ein Eintrittsgeld, das, was an anderer Stelle fehlt. Die Betreiber organisieren, was an anderer Stelle fehlt: Liegeflächen, Zugänge zum See, flache Wasserbereiche, sanitäre Anlagen und sie kümmern sich darum, dass die Mülltonnen geleert werden und pflegen das Gelände. Es gibt sie also, die Möglichkeiten zum Baden – wenngleich nicht kostenlos.

Viel Potenzial, viel Arbeit

Das Angebot werde vor allem im Sommer rege genutzt, erklärten Mengewein und Philippi, während sie die Anlage zeigen. Und das, obwohl die Tauchsportschule selbst mit Autos schwer erreichbar ist. Von der Dornburger Straße in Pretzien führt eine Straße, die teils mit Kopfsteinpflaster, Asphaltresten und Schotter eher einem huckeligen Feldweg gleicht, zum Tauchsportcenter. Wer dort mit dem Auto entlangfährt, kann das Gaspedal jedenfalls nicht voll durchtreten.

Im Naherholungsgebiet liegt also jede Menge Potenzial, aber genauso viel Arbeit. „Wir haben zwar die Seen, bewerben diese aber nicht als Badeseen“, berichtete Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) im Bauausschuss. Baden ist dort zwar – wie im Tauchsportcenter – möglich, allerdings auf eigene Gefahr. „Wir müssen die Frage beantworten, was wir unter Naherholung verstehen“, fügte Knoblauch hinzu. „Wenn wir diese Seen erlebbar machen wollen, muss uns klar sein, dass das nur mit erheblichen finanziellen Aufwendungen geht“, kommentierte Baudezernent Guido Schmidt.

Thoralf Winkler (Grüne/ Bunte Fraktion) ist sich ebenfalls bewusst, dass die Entwicklung eine Mammutauf-gabe bedeutet. „Das kann ein Teil der Vorarbeit für das Tourismuskonzept sein“, meint der Fraktionsvorsitzende. Der Stadtrat hatte die Verwaltung damit beauftragt, ein Konzept für Schönebecks touristische Entwicklung zu erstellen. Hier stehen nun die ersten öffentlichen Gesprächsrunden an, an denen sich jeder beteiligen kann (Volksstimme berichtete).

Das Naherholungsgebiet

Das Naherholungsgebiet umfasst laut Stadtverwaltung folgende Bereiche, von denen aber nicht alle öffentlich sind:

Plötzky Nord : Grüner Waldsee, Großer Waldsee, Kleiner Waldsee, Krügenberg, Bürgerholz, Pfeiffers See

Plötzky Ost: Regenbreite, Kolumbussee, Giselasee/Edersee, Königsee

Pretzien West : Grüner See, Pretziener See, Kuhbuchtstücken, Perlberg

Pretzien Nord: Blauer See, Tiefer See, Steinbruchsee, Langer See, Felsensee

Pretzien Süd/West: Elsbruch, Großer Weinberg, Steinhafen