Zum Künstler

Werner Tübke (1929-2004) wurde als Sohn einer Kaufmannsfamilie in Schönebeck geboren. Er besuchte hier Volksschule und Realgymnasium. Schön früh hielt er Marktplatz oder Elbauen nahe seines Geburtshauses (heute Am Markt 13, versehen mit einer Erinnerungstafel) im Bild fest. Ab 1940 bekam er privaten Zeichenunterricht in Magdeburg bei dem Maler Karl Friedrich. Den Zweiten Weltkrieg erlebte er als Heranwachsender. Während des Einmarsches der Amerikaner im April 1945 schuf er im väterlichen Garten Pflanzenaquarelle.

Zu einer einschneidenden Erfahrung wurde seine Inhaftierung von Dezember 1945 bis September 1946 durch die Sowjetische Besatzungsmacht. Ihm wurde vorgeworfen, östlich der Elbe einen Offizier der sowjetischen Armee erschossen zu haben. Nach mehr als achtmonatiger Haft in Schönebeck und Magdeburg musste er eine Schweigepflichterklärung unterzeichnen.

Nach Malerlehre, Besuch der Handwerksmeisterschule Magdeburg, Nachholen des Abiturs 1946/47 studierte Tübke von 1948 bis 1950 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Später sollte er neben Wolfgang Mattheuer („Der Schreitende“) und Bernhard Heisig (Porträt Helmut Schmidt) zum Mitbegründer der „Leipziger Schule“ als Kunstrichtung werden.

Das Hauptwerk Tübkes ist das Monumentalgemälde „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“. Das Bauernkriegspanorama mit einer Größe von 14x123 Metern hängt im Panoramamuseum Bad Frankenhausen. Elf Jahre hat er mit seinen Mitarbeitern daran gearbeitet – auf 1722 Quadratmeter Leinwand.

Quelle: Industriemuseum/Hans-Peter Wannewitz/Annika Michalski

Schönebeck l Eine gewisse Anspannung ist zu spüren. Und Vorfreude. Ganz viel Vorfreude. Immerhin hängen Angelika Teich, Hans-Günther Zick und Georg Plenikowski nicht jeden Tag Werke von Werner Tübke auf. Bleistiftzeichnungen, Lithografien und Aquarelle – mehr als 40 an der Zahl. Viele sind in Schönebeck entstanden. Es sind Leihgaben für wenige Wochen, ermöglicht durch die Zusammenarbeit mit der Tübke-Stiftung Leipzig, Ehefrau Brigitte Tübke-Schellenberger und Galerie Schwind. Viele Bilder kamen gerahmt, einige mussten es noch werden. „Gaaanz vorsichtig natürlich, wir hatten dafür extra weiße Stoffhandschuhe an“, erzählt Georg Plenikowski, Präsident des Industrie- und Kunstmuseums (Imuset).

Ab diesem Wochenende bis zum 24. August bekommt der bedeutende Maler Werner Tübke, vor 90 Jahren in Schönebeck geboren, eine Ausstellung im Imuset. Stolz schwingt in den Stimmen von Georg Plenikowski und Hans-Günther Zick mit, wenn sie davon erzählen. Sie würden ihn auf diese Weise für kurze Zeit gewissermaßen zurück an die Elbe holen. Werke von Tübke würden heute in großen Museen hängen – und nun auch in Schönebeck.

Obwohl – das hiesige Museum hat schon seit zwei Jahren einen Tübke in seiner ständigen Ausstellung. Ein Selbstbildnis, ein Ölgemälde, 40x30 Zentimeter groß. Auch dieses Bild wird – natürlich – zu sehen sein. „Er hat wohl einst damit Tapezierarbeiten in seiner Wohnung bezahlt. Wir haben bei den Vorbesitzern angefragt und es für einen Freundschaftspreis erhalten, weil sie es bei uns in guten Händen wissen“, erzählt Plenikowski.

Vielfältige Werke

Das „hauseigene“ Werk wird das einzige Ölgemälde in der Ausstellung sein. Zum einen, weil es in der Galerie Schwind, die den Tübke-Nachlass verwaltet, nicht viele Gemälde gibt. „Die meisten sind in festen Sammlungen, in Museen. In unserer Galerie haben wir nur einige wenige“, erklärt Charlotte Hilse, Galerie-Mitarbeiterin in Leipzig. Zum anderen, weil der Verein wohl Ölgemälde gar nicht versichern könnte. „Das wären ganz andere Werte, die Versicherungssumme sicherlich jenseits von Gut und Böse“, kann sich der Imuset-Präsident gut vorstellen. Das Kuratorium – neben Plenikowski, Zick und Teich gehört auch Elfi Nitze dazu – ist glücklich mit der Vielfalt der Werke, die die Galerie dem Schönebecker Museum zur Verfügung gestellt hat. Für diese Zeit ist eine separate Versicherung abgeschlossen. Zusätzlich zur generellen für die ständige Kunstausstellung. Zudem wird der Raum videoüberwacht und alarmgesichert. Eine Anschaffung extra für diese besondere Ausstellung. „Also wenn Sie die Schau besuchen: Schick machen und immer lächeln, Sie werden aufgenommen“, sagt Georg Plenikowski schmunzelnd.

Im Tübke-Jubiläumsjahr reihe sich die Elbestadt gut ein. Extra Ausstellungen gebe es in der Galerie Schwind, im Panoramamuseum Bad Frankenhausen – dort hängt sein berühmtes Bauernkriegspanorama – und eben in seiner Geburtsstadt Schönebeck. „Wer eine Rundreise macht, kann so um die 200 Bilder von ihm sehen“, so der Imuset-Präsident.

Dass der berühmte Sohn Schönebecks zu seinem 90. Geburtstag geehrt werden solle, sei den Imuset-Mitstreitern lange klar gewesen. Das Wie habe sich dann vor gut einem Jahr geklärt, als Johannes Schulz, Pfarrer im Ruhestand, mit Dr. Annika Michalski einen Themenabend organisiert hatte. Die Kunsthistorikerin, die in der Tübke-Stiftung Leipzig arbeitet, hat über Werner Tübke ihre Magister- und ihre Doktorarbeit geschrieben. Sie besuchte im Anschluss auch das Museum und kam mit Plenikowski ins Gespräch, wie der Maler und Zeichner gewürdigt werden könnte. Nun trägt die Zusammenarbeit Früchte, die Ausstellung steht.

Das Museum ist sonnabends und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.