Schönebeck l Der Grund, warum das Schönebecker Freibad in diesem Jahr geschlossen bleiben musste, besteht vor allem aus einer Liste an Mängeln: Ein Wasserverlust von 20.000 Litern pro Tag aufgrund einst falsch oder schlampig zusammengebauter Rohre. Eine sanierungsbedürftige Rutsche. Mängel an den Türen der Sanitäranlagen. Ein fehlender zweiter Fluchtweg. Für all das sind 480.000 Euro nötig. Zumindest schätzungsweise. Denn ganz genau weiß das keiner.

Deshalb steht auch unter Punkt 1 des Antrages der Stadträte an die Stadtverwaltung: „Die Verwaltung soll eine fachlich fundierte Ist-Analyse und ein daraus resultierendes Handlungskonzept erstellen.“ Zu Begehungen sollen Stadträte Experten hinzuziehen dürfen.

Die weiteren Hausaufgaben, die die Stadträte an die Verwaltung stellen:

• Die Stadtverwaltung soll Recherchen betreiben, welche Fördermöglichkeiten es für die Sanierung des Freibades gibt.

• Die Stadt soll ein Konto einrichten beziehungsweise zur Verfügung stellen, auf dem Spenden zur Sanierung des Freibades eingehen können.

• Es sollen die Kosten für eine solare Wassererwärmung geprüft werden.

• Die Verwaltung soll Verhandlungen mit dem Landesverband der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) zu den Rahmenbedingungen für einen Dienstleistungsvertrag zum künftigen Betrieb des Freibades aufnehmen.

Unterschrieben haben den Antrag die SPD, Die Linke, die FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Mark Kowolik als parteiloser Stadtrat – nur von der CDU-Fraktion blieb die Unterschrift aus. Warum diese sich gegen den Antrag entschlossen hat, erklärt Vorsitzender Torsten Pillat. „Wir haben abgestimmt und die Mehrheit war dagegen – dennoch gab es im Vorfeld eine ausgeprägte Diskussion“, sagt er. So sind einige Stadträte der CDU auch in der Arbeitsgruppe für die Freibad-Rettung. Die Argumente der Gegenstimmen erklärt er wie folgt: „Zunächst einmal hat die Stadt jetzt einen Gutachter beauftragt, Punkt 1 aus dem Antrag hat sich also erübrigt.“ Zuvor habe das gar nicht passieren können, weil die Stadt noch keinen bestätigten Haushalt hatte.

Auch sei die Sanierung einfach nicht überschaubar. Pillat: „Man muss hier die Vernunft walten lassen. Wir wissen nicht, was sanierungstechnisch auf uns zukommt.“

Statt für die Wiederöffnung des Freibades wolle sich die CDU jetzt für ein Kombi-Bad einsetzen. Ein Argument dafür, so Pillat: „Das Schwimmbad wird in den kommenden Jahren seine Betriebserlaubnis verlieren.“ Eine neue Schwimmhalle müsse also her. Ein Kombibad sei hier eine gute Lösung.

Die Stadträte der Arbeitsgruppe setzen sich nach wie vor für die Freibad-Rettung ein. Es sei ein zu wichtiger Bestandteil der Lebensqualtät und eine Freizeitmöglichkeit, die Schönebeck weiterhin bieten müsse, so die Gruppe. Hinzu komme der Sicherheitsaspekt: Im Freibad können Kinder unter Aufsicht schwimmen. Das sei beispielsweise im Waldsee Plötzky, der sonst bis zum Bau des Kombibades die einzige Alternative wäre, nicht gegeben. Am morgigen Dienstag gehe eine Gruppe der Stadträte zur DLRG, um sich zu erkundigen, wie es in anderen Kommunen abläuft, in denen die DLRG Dienstleister für ein Freibad ist.