Schönebeck/Staßfurt l Gerade erst wurde das umstrittenen Pflanzenschutzmittel Glyphosat in einem Drittel aller Biersorten nachgewiesen. Allerdings nur in so geringen Mengen, dass der Alkohol im Gerstensaft vermutlich auf Dauer sehr viel gesundheitsschädlicher für den Konsumenten sein dürfte. Trotzdem wird das Herbizid immer wieder für verschiedenste Probleme verantwortlich gemacht; von Bienen- und Insektensterben bis hin zu zahlreichen Krebserkrankungen von Nutzern.

Städte und Gemeinden verzichten daher nicht nur im Salzlandkreis auf den Einsatz des Pflanzenschutzmittels auf öffentlichen Flächen, wie eine Umfrage der Volksstimme in der Region ergab. Vor allem die Mitarbeiter der kommunalen Bauhöfe müssen Unkraut daher per Hand entfernen. Städte wie Magdeburg, Haldensleben oder Weißenfels in Sachsen-Anhalt haben den Einsatz von Glyphosat inzwischen sogar bereits verboten.

Pächter können Glyphosat nutzen

Die Stadt Schönebeck teilte auf Nachfrage kurz und bündig mit: „Die städtischen Einrichtungen verwenden das in Pflanzenschutzmitteln enthaltene - von der EU zugelassene - Glyphosat nicht.“ Anders sieht es allerdings auf den kommunalen Flächen aus, die die Stadt an Landwirte verpachtet. „Die Landpachtverträge enthalten keine Regelungen, die das in Pflanzenschutzmitteln enthaltene, von der EU zugelassene, Glyphosat verbieten.“ Die Stadt verpachtet rund 205 Hektar. Wobei die Verträge in Regel eine unbegrenzte Laufzeit haben oder für 30 Jahre gelten.

Auch in Staßfurt können Landwirte das Pflanzenschutzmittel verwenden. „Die Bodenqualität ist zu erhalten. Es dürfen nur Mittel eingesetzt werden, welche gesetzlich nicht verboten sind. Da es kein generelles Verbot bundesweit für Glyphosat gibt und keine stadteigene Handlungsgrundlage diesbezüglich besteht, kann es verwendet werden“, teilte Stadtsprecherin Julia Föckler mit. Ob der Bauhof entsprechend Pflanzenschutzmittel verwendet, beantwortete die Stadt Staßfurt nicht.

Bördelands Bürgermeister Bernd Nimmich (SPD) teilte mit: „Der Bauhof der Gemeinde Bördeland verwendet bei seinen Arbeiten im grünen Bereich kein Glyphosat.“ Über die Landwirte in der Region könne er keine Angaben machen.

In Barby werden Pflanzenschutzmittel auf der Basis von Glyphosat seit 2017 nicht mehr verwendet. „Zur Unkrautbekämpfung hat die Stadt Unkrautbrenner und Unkrautbürsten als Anbaugeräte angeschafft“, teilte Bauamtsleiter Holger Goldschmidt mit. Die Stadt Calbe setzt Glyphosat nach Angaben von Bürgermeister Sven Hause nicht ein.

Es gibt zeitaufwendige Alternativen

Einer der Anwender von Pflanzenschutzmitteln mit Glyphosat ist der Landwirt und Ranieser Ortsbürgermeister Rüdiger Kunze. „Wir setzen Glyphosat nur nach der Rapsernte ein“, sagte Kunze, der eigenes und gepachtetes Land bewirtschaftet. Dann muss der Boden für die Aussaat des Weizen vorbereitet werden. „Glyphosat ist bei minimalen Einsatz sehr effektiv“, sagte Landwirt Kunze, der davon ausgeht, dass das Mittel in den kommenden Jahren verboten wird. Dann müssten die Landwirte wieder vermehrt pflügen. „Das ist zeitintensiver und verbrauchte mehr Diesel“, sagt Rüdiger Kunze. Es sei allerdings für die Landwirte machbar.

In Kleingärten sind die Regeln für den Einsatz von Glyphosat äußerst streng. So dürfen sie nicht an versiegelten Flächen wie Wegen oder Einfahrten verwendet werden. Streng genommen sollte sie nur an Zierpflanzen eingesetzt werden. „Wir gehen leider davon aus, dass sich nicht alle Kleingärtner an die Vorgaben halten“, sagte Siegfried Kliematz, Fachberater des Verbandes der Gartenfreunde in Schönebeck und Umgebung.

Derzeit ist Glyphosat noch in Baumärkten vorhanden. Die gerade verabschiede Verlängerung der Genehmigung in der EU läuft noch fünf Jahre. Einige Länder wie Frankreich wollen den Einsatz des Mittels bereits vorher bieten.