Calbe l Anita Conrad mag es, am Bootsanleger an der Saalemauer entlang zu flanieren. Am liebsten unternimmt sie den Spaziergang mit ihrem Enkel. Der Blick auf die Saale und die Möglichkeit, dort Enten zu füttern, sei ideal. Ein optimaler Ausflugsort also. Zentral und repräsentativ.

Conrads Mann Rudolf - seines Zeichens Vorsitzender des Calbenser Verschönerungsverein - war nur einer derjenigen, die sich bis 2014 eingebracht haben, als die Umgestaltung des Areals zu einem Kleinod durch Vereinsmitglieder angepackt wurde. Rund 500.000 Euro an Arbeitsleistungen hatten Ehrenamtliche erbracht, verweist der Vereinschef. Deshalb trifft es hart, wenn das Idyll durch Dritte verschmutzt oder dort randaliert und in blinder Zerstörungswut agiert werde.

Nach dem unansehnlichen „FCM“-Graffiti im Januar folgte für den Verein nun der nächste Stich ins Herz: Ein Schild, das auf die Arbeiten des Vereins und die feierliche Übergabe des hergerichteten städtischen Gebietes dokumentierte, ist zerstört. Was bleibt, ist ein abgebrochenes Teilstück. „Wie kann man nur so unvernünftig sein?“, vermutet Rudolf Conrad hinter der Tat auch einen möglichen Racheakt, weil die Stadt das Areal zur Sicherheit und aus Prävention vor Zerstörung via Schließsystem nur zu bestimmten Zeiten öffnen möchte. Den Schaden schätzt er nun auf mindestens 100 Euro.

Eine Respektlosigkeit ...

Sowohl im Graffiti als auch in dem neuerlichen Vorfall sieht er eine Respektlosigkeit gegenübert der ehrenamtlichen Arbeit, die Bürger hier leiste(te)n. Verbale Tiefschläge bekämen übrigens auch die Frauen bisweilen an den Kopf geworfen. So seien sie selbst schuld, wenn sie am Hang schuften, Flaschen auflesen, sich in Gefahr begeben umScherben einzusammeln oder schlichtweg Grün verschneiden. Erika Friedrich sei darüber hinaus auch schon gefragt worden, ob sie zu viel Langeweile hätte.

Natürlich könnte sich die Seniorin andere, angenehmere Arbeiten vorstellen. Aber sie engagiere sich eben für ein attraktives Bild der Stadt, in der sie schließlich lebe. „Wenn sie früh genug kommen, können sie sogar in aller Stille den Wasservögeln zuschauen“, freut sie sich schon in Gedanken an den nächsten - nicht arbeitsbedingten - Ausflug an jenen Ort.

Bilder

„Wenn Arbeiten anfallen, werden sie gemacht. So einfach ist das“, entgegnet die Calbenserin mit der Astschere in den Händen. Damit widme sie sich nach eigenen Angaben dem Sommerflieder und den Rosen.

Team wird immer älter

Friedrich ist an jenem Tag eine von vier älteren Damen. Die freiwillige „Stammbesetzung“ zur Pflege des Bereiches betrage üblicherweise sieben, sagt sie und blickt sogleich melancholisch drein. Grund dafür sind immer wieder Rückschläge beim Akquirieren von Freiwilligen. Denn auch das bestehende „Team“ werde älter. Anfragen werden meist allerdings in einem unsanften Tonfall beantwortet. Die Hoffnung ist es aber schließlich, die zuletzt stirbt. Diese haben Friedrich, Conrad und Co. noch längst nicht aufgegeben.

Immerhin einen Hoffnungsschimmer gibt es: Seit das Gelände verschließbar gestaltet wurde, fänden die Damen weniger Unrat.