Plötzky l Das Verkehrs-Aktiv Plötzky will einen Dialog mit der Politik in Gang bringen. Besser gesagt: wieder in Gang bringen. Das Thema ist nämlich kein neues. Die Plötzkyer wollen auf die Belastung der Bürger durch den Straßenverkehr auf der durch den Ort verlaufenden Bundesstraße (B) 246 a aufmerksam machen. Rund 200 Bürger aus Plötzky haben mittlerweile die Unterschriftensammlungs-Aktion des Verkehrs-Aktivs Plötzky unterstützt und unterschrieben, teilt Mitglied und ehemaliger Ortsbürgermeister Martin Kütz mit.

Laut einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2015 fahren pro Tag rund 7000 Fahrzeuge durch den Ort, 11,2 Prozent davon gehören zum „Schwerlastverkehr“ – also Lkw. Das entspricht etwa 780 Lastern, die täglich durch den Ort rollen. Vor allem an der nördlichen Ortseinfahrt, Richtung Gommern, sehen Kütz und Co. Handlungsbedarf. Regelmäßig würden ein- und ausfahrende Fahrzeuge zu schnell unterwegs sein, was laut dem Aktiv nicht nur eine höhere Unfallgefahr birgt. „Die Anwohner leiden unter der Lärmentwicklung von zu schnell fahrenden Lastwagen und Motorradfahrern“, sagt Martin Kütz.

Lösungen erarbeitet

Doch das Aktiv prangert nicht nur an, sondern präsentiert auch Lösungsvorschläge. So könnte der Einbau eines Straßenteilers mit Überweg für Radfahrer und Fußgänger (so wie in Gommern) dafür sorgen, den Verkehr zu beruhigen. Ein anderer Vorschlag ist es, das Ortseingangsschild mindestens 50 Meter weiter Richtung Gommern zu versetzen und einen „Geschwindigkeitstrichter“ herzustellen. Letzteres bedeutet, dass durch Schilder schon vor dem Ort die Geschwindigkeit stückweise reduziert werden muss – beispielsweise auf 70 Stundenkilometer.

Dass so ein Trichter umgesetzt wird, ist laut Andreas Tempelhof, Pressereferent beim Landesverkehrsministerium, wohl ausgeschlossen. „Geschwindigkeitsbeschränkungen zur stufenweisen Anpassung an die innerorts zulässige Geschwindigkeit dürfen nur angeordnet werden, wenn die Ortstafel nicht rechtzeitig, im Regelfall auf eine Entfernung von mindestens 100 Metern, erkennbar ist.“ Und da die Straße Richtung Gommern völlig geradlinig und ohne „topografische Besonderheiten“ verläuft, sei ein Geschwindigkeitstrichter keine Option, beruft sich Tempelhof auf die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung.

Ähnliche Begründung

Auch das Ortseingangsschild ein paar Meter weiter nach Norden in Richtung Gommern zu versetzen, wird mit einer ähnlichen Begründung abgebügelt. „Die Ortstafel ist wegen der geraden Strecke zweifelsfrei von Weitem einsichtig. Kraftfahrer erkennen, ab wo sie die innerorts vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h einhalten müssen“, teilt Marianne Bothe aus der Pressestelle des Salzlandkreises mit.

Und der Straßenteiler? Der steht aus Sicht des Verkehrsministeriums auch nicht zur Debatte. „Die Bewertung der verschiedenen Verkehrssicherheitsaspekte – Höhe der Verkehrsbelastung, gefahrenes Geschwindigkeitsniveau, Unfallgeschehen – im Bereich der nördlichen Ortseinfahrt der Ortschaft Plötzky hat unter Beachtung der örtlichen Randbedingungen ergeben, dass nach derzeitigem Kenntnisstand keine zusätzlichen Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit erforderlich sind“, teilt Andreas Tempelhof mit. Weiter heißt es: „Ein Um- und Ausbau der Ortsdurchfahrt sowie andere bauliche Maßnahmen sind derzeit nicht geplant.“

Hürden für digitale Anzeige

Länger in den Debatte ist auch schon die Errichtung einer Geschwindigkeitsanzeige beziehungsweise eines „Verkehrs-Smileys“. Schon vor rund zwei Jahren hatte die Stadt Schönebeck so einen beim Verein Rettungsstiftung Jürgen Pegler beantragt, der die Errichtung solcher Anlagen vornimmt. Ob dieser in naher Zukunft kommt, ist aber ebenfalls ungewiss. Andreas Sosniczka von Jürgen Pegler erklärt: „Im vergangenen Jahr haben wir uns die Lage in Plötzky zusammen mit dem Ordnungsamt angesehen. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Lampen, an denen die Verkehrs-Smileys befestigt werden, zu nah an der Bundesstraße stehen. Unsere Anlage würde dann zu weit in die Straße ragen und das ist gesetzlich nicht erlaubt.“ Ein weiterer Termin, um einen Standort für die Anlage zu finden, sollte Anfang diesen Jahres stattfinden, wurde coronabedingt aber verworfen. Für einen neuen Termin vor Ort sei der Verein aber offen, so Sosniczka. Möglicherweise lässt sich die Installation nämlich an einer anderen Stelle bewerkstelligen. Die Stadt will zunächst auch abwarten, bis der Lockdown überstanden ist, bevor die weiteren Gespräche wieder aufgenommen werden, so Stadtsprecher Frank Nahrstedt.

Alles in allem scheint die Lage im ostelbischen Ortsteil Schönebecks verfahren. „Als Plötzkyer fühlt man sich zwischen Baum und Borke“, sagt Martin Kütz. Er, die Mitglieder des Verkehrs-Aktivs und die 200 Unterzeichner wünschen sich, dass ihre Sorgen ernst genommen werden und Informationen und Dialog auf Augenhöhe. „Und nicht zuletzt, dass sich Stadt und Kreis erkennbar auch für die Menschen in Plötzky einsetzen. Nur das zu tun, was man tun muss, reicht nicht“, heißt es in einem Schreiben des Verkehrs-Aktivs.