Schönebeck l Jetzt ist es also passiert. Eine Kassiererin im Rewe-Markt an der Schillerstraße in Schönebeck hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Nach leichten Symptomen wie Husten und einer Erkrankung im Bekanntenkreis hatte sich die Frau testen lassen. Das Ergebnis war positiv, und so befindet sie sich nun zu Hause in Quarantäne. Auch ihre Kolleginnen wurden getestet. Zum Glück sind sie gesund. Der Arbeitsbereich der Frau wurde gründlich desinfiziert. Der Supermarkt durfte in Absprache mit dem Gesundheitsamt offen bleiben. Damit hätte die Geschichte eigentlich auch schon enden können.

Doch inzwischen sahen sich die Mitarbeiterinnen des Supermarktes gezwungen, mit dem Vorfall auf einer Facebook-Seite im Internet in die Öffentlichkeit zu gehen. Denn eine Kundin hatte offenbar davon erfahren und hatte über einen Kurznachrichtendienst am Mobiltelefon zigmal das falsche Gerücht verbreitet, dass die Mitarbeiterinnen weiterarbeiten würden, ohne das Testergebnis abzuwarten. Zudem würde in dem Markt angeblich nicht desinfiziert. „Das ist völliger Blödsinn und rufschädigend. Die getesteten Kolleginnen sind natürlich erst wieder an die Arbeit gegangen, nachdem sie ein negatives Ergebnis erhalten haben. Bis dahin waren sie zu Hause in Quarantäne", sagte Marktleiterin Simone Nieß auf Nachfrage der Volksstimme. Außerdem werde in dem Supermarkt ständig desinfiziert. Daher konnte der Supermarkt auch offen bleiben.

Zuspruch von Usern

Im Internet, wo die Verkäuferinnen zuletzt mit einem Appell gegen Hamsterkäufe auf sich aufmerksam gemacht hatten, bekommen sie nach dieser Geschichte wieder einmal viel Zuspruch. „Gute Besserung für die Mitarbeiterin und deren Familie", schrieb einer der Nutzer als einer von vielen. Ein anderer findet: „Der Bund sollte für eure Berufsgruppe einen richtigen Obolus als Dankeschön springen lassen. Wer das System unter Einsatz seiner Gesundheit am Laufen hält, muss entlohnt werden dafür. Vielen Dank an euer gesamtes Team."

Inzwischen tragen die Mitarbeiterinnen im Supermarkt Mundschutz und Handschuhe. „Das machen sie aber nur vorsorglich, um sich und die Kunden vor Ansteckung zu schützen", sagte Marktleiterin Simone Nieß. Innerhalb der nächsten zwei Wochen sollen auch noch alle Rewe-Märkte mit Plexiglasscheiben für die Kassen ausgestattet werden, um die Mitarbeiterinnen noch besser vor einer Erkrankung zu schützen. Die Zahl der Kunden, die gleichzeitig im Supermarkt einkaufen dürfen, wurde inzwischen auf 100 festgesetzt. Derzeit sei der Andrang zwar noch nicht so groß, aber am Wochenende werde der Zugang wohl genau kontrolliert werden müssen. Die Kunden werden daher auch gebeten, die abgezählten Einkaufswagen zu verwenden, damit die Mitarbeiter den Überblick behalten.

Noch keine Handschuhe für Kunden

„Am besten tragen die Kunden beim Einkaufen auch Handschuhe, um sich zu schützen", sagte Marktleiterin Simone Nieß. Leider gebe es im Markt derzeit nicht genügend Handschuhe, um sie den Kunden zur Verfügung zu stellen. Die Kunden sollte besser auch nicht mit ihrer ganzen Familie einkaufen gehen, sondern besser nur alleine oder zu zweit, damit der Markt nicht so voll ist.

Der kranken Kassiererin soll es den Umständen entsprechend gut gehen. Sie befindet sich noch in häuslicher Quarantäne und hat offenbar nur leichte Symptome. Bis heute ist sie fieberfrei. Die Kundin, die die Gerüchte in die Welt gesetzt hatte, hat sich inzwischen bei den Mitarbeiterinnen des Supermarktes entschuldigt.