Calbe l Im Konsolidierungsprogramm der Stadt Calbe ist das Tiergehege auf dem Wartenberg ein sogenannter Dauerbrenner. Bei den freiwilligen Leistungen der Stadt gibt es keine andere Einrichtung, die im Jahr 2020 mehr Geld kostet. Laut dem vom Stadtrat verabschiedeten Konsolidierungsprogramm wird die Kommune 90.200 Euro für die Betreuung, Pflege und Unterbringung des Tierbestandes auf dem Wartenberg ausgeben.

Gleichzeitig ist ungewiss, welchen Personenkreis die historische Anlage noch erreicht. Besucher werden nicht gezählt, Eintrittsgelder werden nicht erhoben.

Hohe Kosten

Früher hielt die Stadt hier einen Braunbären in einem Käfig. Die Haltungsmethode war umstritten. Der Käfig ist noch vorhanden, obwohl es den Bären schon seit Jahren nicht mehr gibt. Doch wie sieht die Zukunft des Tiergeheges aus? Damit beschäftigten sich die Stadträte in den zurückliegenden Jahren immer wieder, ohne allerdings zu einem Ergebnis zu kommen. In der Regel kommt das Thema bei der Behandlung des Konsolidierungskonzeptes zur Sprache. Denn die Kosten für die Kommune sind enorm. Zum Vergleich: Das neue Freibad im Heger verursacht nur rund 57.600 Euro Kosten im Jahr, weist das Konsolidierungskonzept der Stadt aus. Das Freibad ist damit deutlich preiswerter zu betreiben als das Tiergehege.

 „Zur weiteren Kostenreduzierung dieser freiwilligen Aufgabe soll jedoch die Bewirtschaftung des Tierbestandes privatisiert werden. Leider konnte bisher kein Dritter für diese Aufgabe vertraglich gebunden werden“, heißt es im Konsolidierungskonzept. Weiter sucht die Stadt hier nach einem privaten Betreiber. Zu welchen Bedingungen die Kommune die Anlage privatisieren will, bleibt dabei offen. Dabei könnte die Einrichtung in diesem Frühjahr Gegenstand einer intensiven Debatte werden. Schließlich hatte Bürgermeister Sven Hause (parteilos) versprochen, mit dem neu gewählten Stadtrat die Situation zu besprechen und nach neuen Wegen zu suchen.

Diskussion um Alternativen

Mehrere Alternativen stehen den Stadträten dabei in der Diskussion zur Verfügung. Von einer Aufgabe der Tierbetreuung auf dem Wartenberg bis hin zu einer Veränderung des Tierbestandes reichen dabei die Möglichkeiten.

Fraglich ist, ob die Einrichtung aktuell die Bürger in der Saalestadt noch anspricht und entsprechend gut besucht wird? Manch Bürger, der nach längerer Pause den Weg auf den Wartenberg gemacht hat, zeigte sich von der Einrichtung enttäuscht. Dabei hatte die Stadt zuletzt mit eine ordentlichen Förderung eines Vereins ein neues Spielgerät neben das Tiergehege gesetzt. Vor allem Familien sollten so angesprochen werden, den Wartenberg am Wochenende mal zu besuchen. Schließlich interessieren sich Kinder gern für Tiere. Außerdem gibt es ein Streichelgehege, in dem die Besucher den Tieren ganz dicht an das Fell rücken können.

Fragen für Stadträte

Doch reicht das aus, um die hohen jährlichen Kosten zu rechtfertigen? Spricht das Tiergehege Familien mit Kindern noch an oder haben sich die Interessen der Familien in den zurückliegenden Jahren verlagert? Fragen, mit denen sich die Stadträte in diesem Frühjahr beschäftigen wollen. Stadtrat Christian Behlau (Linke) hatte in der Vergangenheit immer wieder gedrängt, das Thema vorbehaltlos zu bereden. Dahinter steht weniger die Frage, ob sich die Stadt die Einrichtung leisten kann, sondern ob das Geld, welches die Kommune hier jährlich ausgibt, die Menschen in der Saalestadt überhaupt noch erreicht? Anwenden ließe sich die Frage auch auf die Fähre zwischen den Stadt und Gottesgnaden. Das Schiff, ebenso eine freiwillige Leistung, kostet die Steuerzahler in diesem Jahr 74.000 und im kommenden Jahr sagenhafte 130.000 Euro. Zuletzt waren die Nutzerzahlen deutlich gesunken.