Schönebeck l „Er ist uns einfach über den Kopf gewachsen, hört nicht mehr auf uns. Jetzt, wo er volljährig ist, darf er das Haus verlassen“, erzählt Marion Zeun mit gespielter ernster Miene. Es gelingt ihr nicht, sie muss lachen, ihr Mann Helmut auch. Der 18-Jährige, das ist ihr Baum Egon. Die etwa 15 Meter hohe Edeltanne vor ihrem Haus in der Heinrich-Hertz-Straße 5 in Schönebeck. Egon zieht nun am Montag um – auf den Marktplatz Bad Salzelmen. Dort wird er dekoriert, um in der Weihnachtszeit zu erfreuen. Das er sich da gut macht, davon sind Zeuns überzeugt.

Helmut Zeun hat Egon im Jahr 2000 gepflanzt. „Einst standen auf dem Platz Blümchen, aber wir wollten schon immer eine schöne Edeltanne haben“, erzählt sie. Ihr Mann hatte ihn in einem kleinen Topf mitgebracht. Anfangs sei der Baum eher ein „kleines Pumpelchen“ gewesen, erinnert sie sich. Die riesige Lärche gleich nebenan habe ihn anscheinend nicht so richtig gedeihen lassen. Vier Jahre später musste diese weg. Ihr Wurzelwerk war zu groß geworden, untergrub schon das Haus. Als in der Straße dann neue Stromleitungen verlegt worden und dazu Schachtarbeiten anstanden, nutzten sie die Gunst der Stunde und entfernten die Lärche. „Das war die Befreiung für Egon“, erzählt Marion Zeun. Egon fing an zu wachsen – und wurde ein stattlicher Baum.

Anfangs hatte sie ihn noch in der dunklen Jahreszeit mit Lichterketten geschmückt. Ein Fehler, berichtet sie: „,Freundliche Leute‘ kamen des Weges, haben einfach die Lichterkette gestohlen und beschädigten den Baum dabei auch noch. Aber wir finden, er sieht auch ohne Lichterkette gut aus.“

Wollen Sie unseren Egon haben?

Kein anderer Baum, keine andere Pflanze im Hause Zeun hat einen Namen, nur dieser eine Baum. Warum? Das habe einen Grund, sagen beide schmunzelnd, möchten diesen aber nicht verraten. Wenn Zeuns von Egon sprechen, wissen Familie, Freunde und Nachbarn, dass der Baum gemeint ist. Und nun auch Constanze Pohlan von der Stadt. Denn Egon ist mit den Jahren nicht nur groß geworden und ragt in Nachbar- und Gehwegbereiche hinein, sondern dunkelt die Räume zur Straßenseite auch zu sehr ab „Wenn er gehen soll, dann soll er noch ein gutes Werk tun“, sagt Marion Zeun. Deshalb habe sie vor gut zwei Monaten bei Constanze Pohlan angerufen. „Wollen Sie unseren Egon haben?“ – „Egon?“ – „Ja, unseren Baum.“ Tags darauf sei sie gleich zum Anschauen vorbeigekommen: „Das ist also Egon. Der ist aber schön.“

Mehrere Privatpersonen hatten potenzielle Weihnachtsbäume angeboten. Angebote, die die Stadt in Zeiten klammer Kassen gern annimmt. Auf dem Marktplatz Schönebeck wird übrigens eine Tanne aus der Sorgestraße in Bad Salzelmen stehen.