Kultur

Wenn Mozart in Bad Salzelmen auf Musical trifft

Die Musiker der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie sind wieder unterwegs. Zuletzt gaben sie Konzerte in der Region um Schönebeck.

Von Renate Bojanowski
Die beiden Solisten Sophia Revilla (Sopran) und Ulf Dirk Mädler (Bariton) sorgten mit ihren wunderbar lebendigen Interpretationen für noch mehr Farbenreichtum. Beifall gab es dafür von Chefdirigent Jan Michael Horstmann (Mitte).
Die beiden Solisten Sophia Revilla (Sopran) und Ulf Dirk Mädler (Bariton) sorgten mit ihren wunderbar lebendigen Interpretationen für noch mehr Farbenreichtum. Beifall gab es dafür von Chefdirigent Jan Michael Horstmann (Mitte). Foto: Renate Bojanwoski

Bad Salzelmen - Verheißungsvoll begann die erste Woche der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie nach der pandemiebedingen Zwangspause. Mit sechs Konzerten an vier Tagen lockte sie das Publikum im Salzlandkreis zurück in das Konzertgeschehen.

Familienkonzert in der Bernburger Kurmuschel

Am vergangenen Wochenende konnten Familien gemeinsam mit ihren Kindern in der Bernburger Kurmuschel und auf der Kurparkbühne in Schönebeck Bad Salzelmen das musikalische Märchen von Sergei Prokofjew „Peter und der Wolf“ erleben. Die musikalische Leitung lag in den Händen von Chefdirigent Jan Michael Horstmann. Den Text sprach die durch den Schönebecker Operettensommer bekannte Regisseurin und Schauspielerin Katharina Kutil.

Mozart in neuem Licht

Die Mozartliebhaber kamen bei einem speziellen Programm auf ihre Kosten, das mit dem Titel „Mozart meets Musical“ überschrieben und in Barby, Bernburg, Pretzien sowie auf der Bad Salzelmener Kurparkbühne zu erleben war. Unter der Leitung von Jan Michael Horstmann erklangen zunächst Arien aus den Mozart-Opern „Die Hochzeit des Figaro“ und „Don Giovanni“. Im Verlauf des Konzerts verwischten jedoch die klassischen Linien, begannen zu swingen und nahmen am Ende gar die Farbe des Blues an. Dafür sorgten bekannte und weniger bekannte Melodien aus berühmten Musicals. Die schienen durch Mozarts Rahmen in ein anderes Licht getaucht.

Solisten singen Musical-Hits

Die beiden Solisten Sophia Revilla (Sopran) und Ulf Dirk Mädler (Bariton) sorgten mit ihren wunderbar lebendigen Interpretationen für noch mehr Farbenreichtum. So konnte man die Gefühle in „What I did for Love“ (Sophia Revilla) aus dem Musical “A Chorus Line“ ebenso nachvollziehen wie das zauberhaft lyrische Timbre in „Star of my Soul“ aus „The Geisha“ (Ulf Dirk Mädler). Das Publikum begegnete außerdem einer zauberhaften „Mary Poppins“ und einem draufgängerischen Alfred Doolittle („Hey, heute Morgen mach ich Hochzeit“ aus „My fair Lady“).

Werke passend zum Wetter

Wie herrlich ließ sich in der späten Nachmittagssonne während der Titelmelodie zum „Paten“ in Erinnerungen an die großartige Filmreihe schwelgen oder der Anziehungskraft des Duetts „La ci darem la Mano“ aus der Oper „Don Giovanni“ erliegen. So klar und rein, wie Revillas Sopran durch die Parkanlage klang, so glaubhaft schlüpfte Mädler in die Rolle des Giovanni. Einfühlsam interpretierte er auch Giulio Caccinis „Amarilli mia bella“ aus dem 16. Jahrhundert und darbte geradezu melancholisch dahin.

Experiment geglückt

Das Schönebecker Orchester begleitete gleichsam flexibel wie feinfühlig und musizierte frisch und lebendig. Jan Michael Horstmann zeigt die Vielfältigkeit seines Klangkörpers zum Erstaunen des Zuhörers immer wieder mit musikalischen Gratwanderungen. So wurde im Verlauf dieses Konzerts aus „Amarilli“ kurzerhand „Amarryllis“, und die kam als Blues daher. Sie stammt aus Horstmanns Feder und beruht auf Caccinis Komposition. Gesungen von Sophia Revilla erstrahlte die schlichte Arie in einem völlig neuen Gewand. Die Zuhörer nahmen das Experiment dankend an, applaudierten herzlich und wurden mit einer Zugabe beschenkt.