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VerkehrWieso es wichtig ist, dass die Kreisverkehre in Calbe nun anders betrachtet werden.

Die Saalestadt muss in diesem Jahr einen Lärmaktionsplan erarbeiten und ruft die Bürger auf, sich mit ihren Ideen und Vorschlägen daran zu beteiligen.

Von Thomas Höfs 08.02.2024, 06:58
Vor allem nachts macht der Verkehr zu viel Lärm.
Vor allem nachts macht der Verkehr zu viel Lärm. (Foto: Thomas Höfs)

Calbe - Noch bis zum 16. Februar können sich die Bürger zum Thema Lärmschutz an ihr Rathaus wenden. Hintergrund ist die aktuelle Lärmkartierung, die der Stadtrat im vergangenen Januar auf der Tagungsordnung hatte.

Die jüngste Lärmkartierung wiest erheblich mehr vom Lärm betroffene Bürger an den Landesstraßen 63 und 65 aus. Hintergrund der Steigerung der Zahl der betroffenen Personen ist eine neue Betrachtung der Situation. Unter anderem werden Kreisverkehre nun anders betrachtet.

Kontrolle fehlt

Bis zum Montag lagen die Daten der aktuellen Lärmkartierung im Rathaus öffentlich aus. Allerdings sind sie auch über das Ratsinformationssystem einsehbar. Die Lärmkartierung dient der Saalestadt nun als Grundlage für einen sogenannten Lärmaktionsplan. Darin soll die Kommune untersuchen, wie sich die Belastung für die Bürger in der Zukunft möglicherweise reduzieren lässt. Noch bis zur Monatsmitte können die Bürger sich hier mit ihren Idee an das Rathaus wenden und Vorschläge machen. Ein Betroffener ist Bernd Neubauer. Er hatte sich in den vergangenen Tagen mit der Thematik beschäftigt und war dabei, einen Brief an das Rathaus zu schreiben. Seit Jahren treibt den Anwohner der Arnstedtstraße der Verkehrslärm um.

„Ein Elektroauto macht genauso laute Abrollgeräusche wie ein Verbrenner“, hat er beobachtet. Seit vielen Monaten verfolgt er das Thema Verkehrslärm immer wieder auch bei den öffentlichen Sitzungen im Stadtrat und hat sich bereits mit mehreren Bürgeranfragen zu Wort gemeldet. Er wartet schon lange darauf, dass der Verkehrslärm vor seiner Tür verringert wird. Zuletzt hatte die Straßenbehörde angeordnet, dass auf Teilstücken der Ortsdurchfahrt Lkw nachts nur noch mit 30 Stundenkilometer fahren dürfen. „Da hält sich in der Praxis niemand mehr dran“, schildert Bernd Neubauer. Es fehle der Kontrolldruck.

Außerdem darf auch angenommen werden, dass der tatsächlich auf der Straße entstehende Lärm deutlich größer ist, als von den Fachleuten berechnet. Denn bei der Lärmkartierung finden keine realen Lärmmessungen an der Straße statt. Vielmehr ist die Lärmkartierung ein Rechenmodell. Dabei wird berechnet, wie viel Lärm die täglich durch die Stadt fahrenden Autos theoretisch produzieren. Bei diesen Berechnungen wird weder der schlechte Straßenzustand noch das zu schnelle Fahren einiger Autos berücksichtigt. In der Praxis dürfte so viel mehr Lärm entstehen.

Ortsumfahrung für Calbe?

„Ich habe schon einen vorbeifahrenden Traktor mit Anhänger mit 80 Dezibel vor meiner Tür gemessen“, sagt Bern Neubauer. Richtig laut seien zudem Lkw mit leeren Anhängern, wenn sie über die Straße rumpeln. Helfen würde den Anwohnern nur eine Ortsumfahrung für die ganze Stadt. Doch dafür sehen die Verkehrsplaner im Verkehrsministerium aktuell keinen Bedarf. Dabei haben die Calbenser im Nachbarort Brumby gesehen, wie Bürgerprotest dazu führte, dass die Ortschaft sehr zügig eine Ortsumfahrung erhalten hatte. „Wir müssen ebenso geschlossen aufstehen und uns dafür einsetzen, dass hier etwas passiert“, sagt Bernd Neubauer. Die Stadt hat beispielsweise auf die Ausschilderung nur ganz bedingt einen Einfluss. Weil es sich um eine Landesstraße handelt, bestimmen Behörden auf Landes- und Kreisebene, wie schnell in der Stadt gefahren werden darf. Sollten die Bürger also fordern, dass die Fahrzeuge nachts alle langsamer fahren sollen, könnte die Stadt dies zwar beantragen. Offen ist allerdings, wie die Behörden dazu stehen.

Dabei wird der Lärmschutz und damit die Gesundheit der Bürger inzwischen deutlich höher bewertet als noch in der Vergangenheit. Schließlich wird mit dem Lärmschutz ein Grundrecht nach dem Grundgesetz nach der körperlichen Unversehrtheit berührt. In der Regel wiegt dies höher, als das Recht zügig durch eine Stadt zu fahren. In Calbe sind von dem stetigen Lärm über 300 Einwohne betroffen. Während in anderen Bundesländern wegen Lärmschutz rigoros Tempo 30 in den Städten gilt, tun sich die Behörden in Sachsen-Anhalt noch schwer. Dabei ist längst bekannt und in der Lärmkartierung auch festgehalten, dass Verkehrslärm die Gesundheit der Anwohner beeinträchtigen kann, wenn sie dem Lärm rund um die Uhr ausgesetzt sind.