Elbenau l Sie sind klein, scheu und sehen Hauskatzen auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich: Europäische Wildkatzen. Einst waren sie im ganzen Land verbreitet. Aktuell gibt es in Deutschland laut Deutscher Wildtierstiftung rund 6000 Tiere. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) geht von 5000 bis 7000 Tieren aus.

Die Europäische Wildkatze lebt vorrangig in weiten zusammenhängenden Wäldern, deren Natur intakt ist. So gibt es beispielsweise im Harz nachweislich hohe Bestandsdichten.

Jungtier in Waschbärenfalle

Jetzt soll allerdings auch in Elbenau eine Wildkatze entdeckt worden sein. Das Jungtier habe sich in eine Waschbärenfalle verirrt, sei aber umgehend freigelassen worden. Das wird in einer Schönebecker Facebook-Gruppe berichtet. Schon im Vorjahr sei in Elbenau eine Wildkatze entdeckt worden – tot auf einem Feldweg. Vermutlich sei das Tier angefahren worden, heißt es.

Ob es sich bei den beiden Tieren tatsächlich um Wildkatzen handelt, bleibt unklar. „Es gibt sicherlich wildlebende Katzen, die im Aussehen einer Wildkatze ähnlich sind. Dazu müssten Genproben genommen werden, um dies zu bestätigen“, sagt Kreisjägermeister Jens Hennicke. Eine offizielle Bestätigung von Wildkatzen in Elbenau gebe es nicht.

Keine offizielle Bestätigung ohne Foto

Auch Jens Dedow, Revierleiter des Bereichs Elbaue des Landesforstbetriebs Sachsen-Anhalt, seien Wildkatzenfunde oder -fänge in seinem Zuständigkeitsbereich unbekannt. Dieser erstreckt sich im Norden von Wolmirstedt bis nach Calbe in den Süden und beinhaltet auch die ostelbischen Waldgebiete bis kurz vor Möckern.

Michael Wunschik von der Schönebecker Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) sagt: „Die Wildkatze hat in Sachsen-Anhalt ihr Schwerpunktvorkommen im Harz und Harzvorland (Hakel). Es ist durchaus denkbar, dass vereinzelte Tiere auf der Suche nach neuen Revieren auch den Salzlandkreis durchstreifen.“

Funde sollten gemeldet werden

Zunächst müsste seiner Meinung nach allerdings geklärt werden, ob es sich bei dem Fund tatsächlich um eine Wildkatze handelt. „Sie kann nämlich leicht mit einer Hauskatze oder einer Mischform verwechselt werden“, sagt Michael Wunschik. Gerade deshalb sei es wichtig, dass Funde der zuständigen Stelle gemeldet würden. Die Meldestelle für Wildkatzenbeobachtungen und Totfunde ist die Verwaltung des Biosphärenreservates Gipskarstlandschaft Südharz (034651/29 88 90). Meldungen – auch am Wochenende – nimmt zudem die Malte Götz von der Brumbachwild Freilandforschung (034775/81 918) entgegen.

Der Wildkatzenexperte Malte Götz sagt: „Wahrscheinlich ist es, dass es sich bei dem Fund tatsächlich um eine Wildkatze handelt. Ohne Foto könne aber auch er den Fund nicht sicher bestätigen. Dass er den Fund der Wildkatze in Elbenau für wahrscheinlich hält, hängt damit zusammen, dass seit kurzem auch in der Magdeburger Kreuzhorst, einem Waldgebiet wenige Kilometer nordwestlich von Elbenau, nachweislich Wildkatzen leben.

Wildkatzen bereichern Artenvielfalt

Grundsätzlich bedeutet die Rückkehr von Wildkatzen für die Natur eine Bereicherung der Artenvielfalt. Wildkatzen ernähren sich von Nagetieren und Vögeln.

„Sicherlich sind auch einige Singvögel als Beutetiere betroffen“, sagt der für den Salzlandkreis zuständige Kreisjägermeister Jens Hennicke ergänzt aber: „Dies wiegt aber nicht die Zahl der wildlebenden Katzen auf, die massiv in unsere Singvögelbestände eingreifen.“